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Neuruppin will nicht noch eine marode Brücke

Fontanes „Verlobungsbrücke“ Neuruppin will nicht noch eine marode Brücke

Der Eberswalder Pierre Sens macht sich für die Teufelsbrücke stark, auf der sich einst Theodor Fontane mit seiner Frau verlobt haben soll. Diese „Verlobungsbrücke“ ist seiner Ansicht nach besser in Neuruppin aufgehoben. Doch weder das Wasser- und Schifffahrtsamt, noch Eberswalde oder Neuruppin wollen die Kosten für Abbau, Aufbau und Sanierung tragen.

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Die Teufelsbrücke, auch bekannt als Fontanes „Verlobungsbrücke“, steht am Messingwerkhafen in Eberswalde und ist für Fußgänger und Radfahrer gesperrt.

Quelle: Pierre Sens

Neuruppin. „Es war wenige Schritte vor der Weidendammbrücke, dass mir dieser glücklichste Gedanke meines Lebens kam“, schrieb Theodor Fontane in seiner Wanderung durch die Mark. Denn nachdem Fontane diese Brücke überquert hatte, war er verlobt. Deshalb trägt die alte Weidendammbrücke, die „Teufelsbrücke“ heißt und in Eberswalde steht, auch den Namen „Fontanes Verlobungsbrücke“. Seit Jahren überbrückt sie verlassen und ungenutzt die Zufahrt zum alten Finowkanal. MAZ-Leser Pierre Sens aus Eberswalde setzt sich für einen Umzug der Brücke in die Fontanestadt ein. Dort wäre sie aus seiner Sicht besser aufgehoben. Die Kosten dafür will aber keiner tragen.

Die gusseiserne Brücke ist Eigentum der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Peter Münch, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Eberswalde, kontrolliert den Zustand der Brücke regelmäßig. Von baufällig könne nicht die Rede sein, sagt er. „Einen Abriss kann und will ich aus Denkmalschutzgründen nicht realisieren und eine Sanierung ist finanziell nicht möglich“, so Peter Münch. Denn für den Schiffsverkehr auf dem Finowkanal erfüllt die Brücke keine Aufgabe mehr und somit bekäme das Amt keine Zuschüsse. Die Baudezernentin der Stadt Eberswalde, Anne Fellner, sieht den Bund in der Pflicht. „Wir denken jedoch darüber nach, ob die Brücke langfristig Bestandteil einer Wegeführung direkt am Treidelweg sein kann“, so Fellner. Dafür wären aber Fördermittel nötig. Die alte Weidendammbrücke, die einst in Berlin stand, sei als Teufelsbrücke in Eberswalde beliebt und bekannt. Für Fellner wäre ein Umzug also unvorstellbar.

Neuruppin müsste die Kosten tragen

Pierre Sens, der hinter der „Verlobungsbrücke“ ein Konzept aus Romantik, Liebe und Hoffnung sieht, beklagt fehlendes Engagement seitens der Stadt Eberswalde. Die Sanierung könnte sich auszahlen, sagt er, wenn die Brücke über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden würde. Paare könnten dann mit der Absicht nach Eberswalde kommen, sich auf der Brücke zu verloben, und gleichzeitig den Tourismus ankurbeln. „Ich glaube, in Fontanes Geburtsstadt wäre sie viel besser aufgehoben und erhält dort die ihr gebührende Wertschätzung“, meint Pierre Sens, der als Schriftsteller und Fotokünstler tätig ist. Im Zuge seines Engagements für die Brücke hatte er sich im vergangenen Jahr bereits an die Stadtverwaltung in Neuruppin gewandt.

Die gusseiserne Brücke steht unter Denkmalschutz

Die gusseiserne Brücke steht unter Denkmalschutz.

Quelle: Pierre Sens

Mario Zetzsche, Kulturmanager der Fontanestadt, gab Sens in seiner Antwort eine Absage. Neuruppin könne die Brücke weder verlagern noch sanieren, weil das Geld dafür fehlt. An diesem Stand der Dinge hat sich bis jetzt nichts geändert, sagte Rathaussprecherin Michaela Ott auf Anfrage der MAZ. Peter Münch hätte grundsätzlich und nach Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt keine Einwände, die Brücke an Neuruppin abzugeben. Er weist aber auch darauf hin, dass die Fontanestadt die Kosten für Abbau, Aufbau und Sanierung tragen müsste.

Fontane-Gesellschaft sieht Verlobung eher an Berlin gebunden

In den 80er Jahren haben Mitglieder der Interessengemeinschaft Denkmalpflege des Kulturbundes die Brücke gemeinsam mit Eberswaldern zuletzt notdürftig saniert. Seit langer Zeit schon darf sie aber nicht mehr betreten oder befahren werden, weil die Holzbodenbeschläge fehlen.

Seit 1930er Jahren wird die Brücke nicht mehr genutzt

Seit 1930er Jahren wird die Brücke nicht mehr genutzt.

Quelle: Pierre Sens

Bernd Thiemann, Geschäftsstellenleiter der Fontane-Gesellschaft in Neuruppin, kann die Idee hinter dem Einsatz für die „Verlobungsbrücke“ zwar verstehen. „Mir fehlt allerdings der Bezug zu Neuruppin und Fontane“, sagt er. Denn der Dichter verlobte sich 1840 mit seiner Frau Emilie Rouanet-Kummer, als die alte Weidendammer Brücke noch in Berlin stand und nicht in Teilen zur heutigen Teufelsbrücke verbaut war. Demnach ist die „Verlobungsbrücke“ in Eberswalde nicht die originale Brücke, auf der Fontane seine Emilie um ihre Hand gebeten hat. „Ich wüsste nicht, warum die Leute nach Neuruppin kommen sollten, wenn sie dieses Erlebnis von Fontane nachvollziehen wollen. Dann würden sie doch eher nach Berlin fahren, also an den Ort, an dem es auch passiert ist“, erklärt Thiemann.

Eine bewegte Geschichte

Die Geschichte der Eberswalder Teufelsbrücke ist eng mit der der Berliner Weidendammer Brücke verbunden.

1820
wurde sie
in England entworfen und hergestellt und 1826 an der Friedrichstraße aufgebaut. Als eine der ersten gusseisernen Brücken Europas zog sie die Aufmerksamkeit der Berliner auf sich. Die Brückenjochböden bestanden aus Eisenplatten, die auf die tragenden Eisenbögen aufgelegt waren. In der Mitte war die Brücke mit fünf Bögen klappbar, so dass auch Schiffe mit höheren Masten durchfahren konnten.

Die Brücke war so breit wie zwei Pferdefuhrwerke. Als sie in der Gründerzeit dem wachsenden Verkehr nicht mehr gerecht wurde, musste sie 1880 durch zwei Fußgängersteifen erweitert werden.

Demontiert wurde sie 1895, weil das Verkehrsaufkommen stetig anstieg. Sie wurde durch eine breitere Brücke aus Stahl ersetzt. Nach mehreren Rekonstruktionen und Veränderungen steht diese Weidendammer Brücke noch immer an der Berliner Friedrichstraße.

Die Gemeinde Liepe bei Oderberg (Barnim) kaufte die Teile der abgebauten Brücke und errichtete sie wieder als private „Interessenbrücke“ über den Finowkanal. So konnten die Lieper leichter auf die Oderwiesen gelangen. Offenbar hat man aber nur die neueren, 15 Jahre alten, Gehwege der Weidendammer Brücke und die alten gusseisernen Säulen wieder verwendet. Die Brücke wurde zudem von ursprünglich 55,5 Meter auf 42,5 Meter verkürzt.

1913 kaufte die Kanalverwaltung
, die heutige Dienststelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes, die Brücke und demontierte sie. In Eberwalde wurde sie als umgebaute Leinpfad- oder Treidelpfadbrücke über den Fabrikteich des ehemaligen Messingwerks gebaut. Danach war die Brücke nur noch 33 Meter lang.

Seit den 1930er Jahren wird die Brücke nicht mehr genutzt. Der Treidelweg, der seine Verlängerung in der Teufelsbrücke fand, war längst überflüssig und verfiel wie auch der künstlich verbaute Abschnitt des Weges.

Von Luise Fröhlich

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