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Neuruppin Täter verhielt sich ungewöhnlich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Täter verhielt sich ungewöhnlich
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01:16 12.10.2018
Der Bahnhof Glöwen am Tag nach der Sprengung des Fahrkartenautomaten. Quelle: Andreas König
Neuruppin

In den frühen Morgenstunden des 5. April dieses Jahres wurde eine 63-jährige Rentnerin aus Herzberg von einem dumpfen Knall aus dem Schlaf gerissen. Wie sich herausstellte, hatte jemand den Zigarettenautomaten am gegenüberliegenden Imbiss gesprengt.

Angeklagter soll Automaten in die Luft gejagt haben

Die Polizei stellte einen jungen Mann am Tatort fest: Jenô B. Der 39-Jährige muss sich derzeit vor dem Landgericht Neuruppin unter anderem wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten. Nicht nur den Zigarettenautomaten in Herzberg, auch einen Fahrkartenautomaten am Bahnhof in Glöwen soll er im März in die Luft gejagt haben. Dazu kommen laut Anklage zwei Autofahrten ohne Fahrerlaubnis und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Rentnerin durch Knall geweckt

Die Herzbergerin hatte den nächtlichen Vorfall noch klar vor ihrem Auge. Durch ihr Küchenfenster sah sie eine riesengroße Qualmwolke und einen Mann, der sich mit den Armen freie Sicht verschaffte. Sie weckte ihren Mann, der die Polizei rief.

Die beiden Polizeibeamten, die zum Einsatz gerufen worden waren, parkten 200 bis 300 Meter entfernt vom Imbiss und bewegten sich zunächst zu Fuß weiter. Versteckt in einem Gebüsch sahen sie einen Mann mit einem Brecheisen an dem Automaten hebeln.

„Wir gaben uns zu erkennen mit Stopp, Polizei. Keine Bewegung!“, sagte der Kommissar vor Gericht. Doch der Mann ging mit erhobenem Brecheisen einige Meter auf sie zu. Da zückte die Kollegin das Pfefferspray, so der Beamte. Er hatte noch in Erinnerung, dass der Angeklagte davon sprach, nur Zigaretten holen zu wollen. Da sei ein anderer Mann mit einer orangefarbenen Jacke gewesen, der aber schon weg sei.

Die Polizei fand hinter dem Imbiss ein Fahrzeug mit laufendem Motor. Das hatte Kennzeichen, die nicht zu dem Fahrzeug, sondern, wie sich später herausstellte, zum abgemeldeten PKW der Verlobten des Angeklagten gehörten.

Sich einer Polizeikontrolle entzogen

Mit diesem Kennzeichen soll der Angeklagte auch am 6. März auf der Berliner Allee in Fehrbellin unterwegs gewesen sein. Kurz nach Mitternacht wollten zwei Streifenbeamte eine Verkehrskontrolle durchführen, hielten das Fahrzeug an und fragten den Fahrer nach seinen Papieren. Der gab vor, so der Beamte, danach zu suchen, drückte dann aber aufs Gas und fuhr los, die Polizisten jagten hinterher. Hinter Hakenberg verloren die Ordnungshüter das Auto aus den Augen.

Markante Tätowierungen

Was beiden Beamten aufgefallen war, waren beim Fahrer auffällige Tätowierungen an der rechten Halsseite und der rechten Handaußenfläche. Bei einer anschließenden Recherche spuckte der Polizeicomputer 20 Ergebnisse mit Fotos aus, darunter auch das von Jenô B. Über Facebook fanden sie das Profil des Angeklagten und auch ein Foto des ihnen entwischten Fahrzeugs.

Am 7. März flog dann der Fahrkartenautomat in Glöwen in die Luft. Ob es Parallelen zwischen den Sprengungen in Glöwen und Herzberg gebe?, wollte die Vorsitzende Richterin von dem zuständigen Beamten wissen. In beiden Fällen sei das Täterverhalten sehr ungewöhnlich, so der Beamte. Der Fahrkartenautomat in Glöwen wurde gegen vier Uhr morgens gesprengt, zu einer Zeit, als schon Fahrgäste unterwegs waren. Der oder die Täter seien vom Tatort in die Stadt gefahren, um kurz darauf wieder an den Ort des Geschehens zurückzukehren. „Das spiegelte sich in Herzberg wieder“, sagte der Kommissar. Dort blieb der Täter zwischen 15 bis 20 Minuten vor Ort. Normalerweise gehe das Ganze in fünf Minuten über die Bühne.

Große Beute

Die Beute in Glöwen waren neben Kleingeld zwei Blanko-Fahrscheinrollen. Damit kann man mit entsprechender Technik Fahrscheine herstellen und diese verkaufen. „Ein lukratives Geschäft“, sagte der Polizeibeamte.

Diese Technik wurde bei einer Wohnungsdurchsuchung nicht gefunden, wohl aber Böller, Schwarzpulver und vorgefertigte Sprengvorrichtungen.

Am 17. Oktober wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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