Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin 12 Prozent der Schulabgänger sind zu dick
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin 12 Prozent der Schulabgänger sind zu dick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 29.09.2018
V.l.: Andreas Liedtke (Leiter im Amt für Familien/Soziales), Peter Kroschwald (Chefarzt Kinderklinik Neuruppin), Christiane Schulz (Geschäftsführerin Estaruppin), Psychologin Helene Weiß, Nadine Gers (Netzwerk) Quelle: Simons
Neuruppin

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, lautet ein Sprichwort. Richtet man sich danach, kann „der Leib ganz schön auseinandergehen“, wie es Christiane Schulz von Estaruppin, dem Träger des Netzwerks Gesunde Kinder Ostprignitz-Ruppin (OPR) ausdrückte. Das sehe man bereits bei den Kindern. Im Landkreis gibt es mehr dicke Kinder als sonst in Brandenburg.

Sind landesweit 3,5 Prozent aller Kinder im Einschulungsalter übergewichtig, sind es in OPR 5,9 Prozent; bei den Schulabgängern sind es in Brandenburg 9,9 Prozent, in OPR 12, 4 Prozent. Was man gegen diese Entwicklung tun kann, war Thema eines Fachnachmittags, zu dem das Netzwerk vergangene Woche eingeladen hatte.

Rund 60 Teilnehmer waren in die Neuruppiner Siechenhauskapelle gekommen, darunter Kinder- und Frauenärzte, Ernährungsberater aber auch Familienpaten und interessierte Zuhörer.

Ernährung in der Schwangerschaft war ein Thema

Julia Kunath vom Netzwerk gesunder Start ins Leben referierte über Ernährung in der Schwangerschaft. Es halte sich hartnäckig die Meinung, man müsse für zwei essen. Mit dieser These räumte sie gründlich auf, sprach über die Risiken, bereits übergewichtig in die Schwangerschaft zu starten oder aber zu viele Pfunde während der neun Monate zuzunehmen. Das wirke sich auf das Ungeborene aus.

Der Lebensstil während der Schwangerschaft habe Konsequenzen wie ein erhöhtes Risiko für das Kind, später selbst übergewichtig zu werden, aber auch für Schwangerschaftsdiabetes, um nur einige Faktoren zu nennen. Sie plädierte für eine ausgewogene Ernährung, Bewegung sowie den Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Eine Familienpatin meldete sich zu Wort, dass gerade Übergewicht ein sehr sensibles Thema sei. Wenn sie das bei einer Schwangeren anspreche, reagiere die oft beleidigt.

BMI-Formel kann bei Kindern nicht angewendet werden

Julia Kunath empfahl kleine Schritte und nicht mit erhobenem Zeigefinger zu belehren. Dem stimmte die Medizinerin Birgit Jödicke voll zu. Die Kinderärztin am Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité erklärte anschaulich, wie man bei Kindern Übergewicht beziehungsweise Adipositas erkennen kann. Die bei Erwachsenen benutzte BMI-Formel kann bei Kindern nicht angewendet werden, zeigte sie anhand von drei Beispielen. Danach lagen alle drei im normalen Bereich.

Bei der Aufteilung in alters- und geschlechtsspezifische Perzentilen dagegen war ein dreijähriges Kind mit einer Körpergröße von 90 Zentimetern und einem Gewicht von 18 Kilogramm schwer übergewichtig, also adipös, ein Zehnjähriges mit einer Länge von 1, 50 Meter und 50 Kilogramm übergewichtig und lediglich ein 15-Jähriger mit 1,70 Körpergröße und einem Gewicht von 64 Kilogramm lag in der Norm.

Ein großes Thema sind süße Getränke

Eindrücklich schilderte sie, wie schnell Eltern, ohne es zu wollen und zu wissen, Fehler machen können. Schon ein Löffelchen mehr bei der Folgemilch nach dem Abstillen als angegeben sei eines zu viel. Ein ganz großes Thema seien süße Getränke. „Saft hat eigentlich nichts in der Kinderernährung zu suchen“, sagte die Medizinerin. Auch die von der Werbung angepriesenen kindgerechten Snacks seien ungesund. „Wie viel Milchschnitten muss man für ein Glas Milch essen“, fragte sie.

Die Antwort: 17. Auch die von vielen heiß geliebten Gummibärchen haben es in sich. Vom Zuckergehalt her dürfte ein Zweijähriger mal gerade zwei Stück pro Tag naschen. Jödicke empfahl, Kinder nicht mit Essen zu beruhigen oder zu belohnen. Sie sprach sich für gemeinsame Mahlzeiten innerhalb der Familie aus. Da sich das Essverhalten verändert habe, könne man ein gemeinsames Mittagessen in Kita und Schule mit den Erziehern anbieten. Es sind mehrere Bausteine, die einen gesunden Lebensstil ausmachen. Dazu gehört auch ausreichende körperliche Bewegung.

Eltern müssen an ihre Vorbildfunktion erinnert werden

„Man sollte den bei Kindern unbremsbaren Bewegungsdrang nicht einschränken“, so Jödicke. Mehr Spielplätze, mehr Sportarbeitsgemeinschaften wären aus ihrer Sicht hilfreich. Doch alle Angebote nutzen nichts, wenn die Eltern nicht mitspielen. Wenn Papa auf der Couch vorm Fernseher liegt, kann man den Sohn nicht zum Fußballspielen motivieren. Man muss die Eltern an ihre Vorbildfunktion erinnern“, sagte Jödicke. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. „Man muss die Familien da abholen, wo sie stehen. Sie müssen sich an- und mitgenommen fühlen.“

Das Fazit war, wie Christiane Schulz sagte: „Es ist viel zu tun. Wie kann man das in OPR praktisch umsetzen?“ Darüber diskutierten Fachleute. Einig waren sie sich, dass Kinder in Kitas und Schulen aufgeklärt werden müssen, die Eltern erreicht werden müssen. „Prävention hilft. Wir werden neue Wege suchen.“ Und das gemeinsam.

Von Dagmar Simons

Die Freibadsaison in Prignitz-Ruppin ist rum, die Open-Air-Bäder haben zugemacht. MAZ hat von Neuruppin bis Perleberg nachgefragt, wie es gelaufen ist. Immerhin war dieser Sommer anders als andere.

26.09.2018

Pünktlich zum Herbstbeginn lädt die Händlergemeinschaft „Wir die Innenstadt“ einmal mehr zum „Herbstzauber“ ein. Am Donnerstag, 4. Oktober, erstrahlt Neuruppins Flaniermeile rund um den Schulplatz in ihrem besten Licht und bietet den Gästen so einiges.

26.09.2018

Englischkurse für Senioren oder Treffen der Rheumaliga – das Neuruppiner Haus der Begegnung bietet vielen Interessenten einen Raum. Ab 2019 sollen die Gebühren für die Nutzung des Hauses steigen.

25.09.2018