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Neuruppin Sperrkreis ab 8 Uhr: Freitag wird die Bombe entschärft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Sperrkreis ab 8 Uhr: Freitag wird die Bombe entschärft
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01:15 17.06.2018
Die Stadt hat mehrere Notquartiere eingerichtet. In der Turnhalle des Schinkelgymnasiums bekommen Menschen Obdach, die aufs Bett angewiesen sind.
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Neuruppin

Gerd Fleischhauer ist zuversichtlich, dass sich die Fliegerbombe, die in Neuruppin entdeckt wurde, entschärfen lässt. Als Truppführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst war er für die Bombensuche auf dem Grundstück an einem Garagenkomplex in der Neuruppiner Mesche verantwortlich.

Am Donnerstag haben die Munitionsexperten den Blindgänger, der dort rund drei Meter tief in der Erde entdeckt wurde, ganz freigelegt. Danach steht fest: Es handelt sich um eine amerikanische 250-Kilo-Bombe mit zwei Zündern, einer vorn, einer am Heck.

Beide Zünder sind augenscheinlich in gutem Zustand. Ganz genau lässt sich das aber erst sagen, wenn die Zünder am Freitag unmittelbar vor der Entschärfung gesäubert werden. „Das Heck, also das Leitwerk, ist noch dran“, sagt Fleischhauer. „Das könnte eventuell zu Problemen führen.“

Im Neuruppiner Ordnungsamt steht das Telefon nicht mehr still, seit klar ist, dass es sich bei dem Fund nahe dem Bahnhof West tatsächlich um einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Am Freitag im Laufe des Tages soll die Fliegerbombe entschärft werden.

Dazu richtet die Stadtverwaltung einen Sperrkreis 1000 Meter rund um den Fundort ein. Dieses Gebiet muss bis 8 Uhr jeder verlassen haben. Lautsprecherwagen sind seit Mittwoch durch die Stadt gefahren, um die Anwohner zu informieren.

Feuerwehr, Ordnungsamt und Polizei kontrollieren am Freitagvormittag, dass sich alle Neuruppiner an die Anweisung halten. Erst wenn sich niemand mehr im Sperrkreis aufhält, beginnen die Sprengmeister mit der Arbeit an der Bombe. Wird zwischendurch doch noch jemand im Sperrkreis entdeckt, unterbrechen Fleischhauer und seine Kollegen die Entschärfung sofort.

Der Fundort der Bombe wird rund um die Uhr bewacht. Quelle: Peter Geisler

Etwa 7000 Menschen sind von der Evakuierung betroffen. Neben großen Teilen der Altstadt, der sogenannten Bahnhofsvorstadt und mehreren Kleingartensparten gilt das auch für das gesamte WKI zwischen B167 und Junckerstraße.

Für alle, die nicht wissen, wo sie während der Entschärfung unterkommen sollen, hat die Stadt Notquartiere eingerichtet: im Stadtgarten am Bahnhof Rheinsberger Tor, im Alten Gymnasium am Schulplatz und im Mehrgenerationenhaus Krümelkiste an der Otto-Grotewohl-Straße.

NWG-Mitarbeiter betreuen die Krümelkiste

Die Betreuung der Menschen in der Krümelkiste werden Mitarbeiter der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) übernehmen. Am Freitag um 7.45 Uhr fährt ein Bus von der Neustädter Straße direkt dorthin, um 7.55 Uhr von der Junckerstraße aus.

NWG-Chef Robert Liefke hat versucht, kurzfristig einen Getränkewagen zu organisieren, um die Menschen in der Krümelkiste versorgen zu können. „Aber das ist gar nicht so einfach“, sagt er. Wegen der öffentlichen Übertragungen zur Fußball-WM sind die meisten Wagen anderswo unterwegs.

Siegfried Röper vom DRK-Landesverband Schleswig-Holstein hat am Donnerstag 30 Pflegebetten nach Neuruppin gebracht. Quelle: Peter Geisler

In der Turnhalle des Schinkelgymnasiums hat die Stadt ein Notquartier für Menschen eingerichtet, die auf Betten angewiesen sind. Das Deutsche Rote Kreuz hat dort bereits am Donnerstag 30 Pflegebetten aufgebaut, dazu Stellwände, die wenigstens etwas Privatsphäre bieten sollen. Spontane Unterstützung haben die Helfer aus Schleswig-Holstein bekommen, weil sie selbst gar nicht genügend Betten zur Verfügung gehabt hätten.

Die letzten Züge fahren um 8.30 Uhr ab Rheinberger Tor

Wegen der Entschärfung wird auch der Verkehr in der Stadt weitgehend lahmgelegt. Die B167 ist zwischen Heinrich-Rau-Straße der Jet-Tankstelle ab 8 Uhr gesperrt. Auch die Bahn muss ihren Verkehr einstellen. Betroffen sind der Prignitz-Express sowie die Bahnlinien RB55 von Kremmen nach Hennigsdorf und die RB11 von Wismar nach Rostock, die vom Neuruppiner Stellwerk aus gesteuert werden.

Statt der Züge fahren auf allen Strecken Busse, die aber länger brauchen. Der letzte Zug von Neuruppin in Richtung Berlin und Wittenberge fährt um 8.30 Uhr am Bahnhof Rheinsberger Tor ab. Um 9 Uhr schaltet die Bahn das Stellwerk erst einmal ab.

Notfalls muss die Bombe gesprengt werden

Wie lange die Evakuierung dauert, kann niemand sicher sagen. Sobald die Sprengmeister Entwarnung geben, werden alle Sirenen in der Stadt eine Minute lang zu hören sein. Danach können die Neuruppiner wieder in ihre Wohnungen. „Wir schließen eine kontrollierte Sprengung nicht aus“, sagt Neuruppins Stadtsprecherin Michaela Ott. Falls die nötig sein sollte, bleibt der Sperrkreis deutlich länger bestehen.

Die Stadt Neuruppin hat auf ihrer Internetseite weitere Hinweise zusammengetragen. Die Bahn informiert ebenfalls im Internet über die Behinderungen auf den Strecken. Wer wissen will, welche Busse fahren oder nicht, erfährt das bei der Busgesellschaft ORP.

Von Reyk Grunow

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