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Neuruppin Folgenschwerer Unfall: Bewährungsstrafe für Motorradfahrer
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00:29 02.11.2018
Der 34-Jährige wurde vor dem Neuruppiner Amtsgericht verurteilt. Quelle: dpa
Neuruppin

Sie war an jenem Freitag im September 2016 mit Freunden zügig zu Fuß vom Bahnhof Walsleben unterwegs zur Neueröffnung der Diskothek dort. „Wir wollten die ersten sein, damit wir nicht so lange anstehen mussten“, sagte die 18-Jährige am Dienstag.

Doch die Schülerin erreichte das Lokal nicht. Sie wurde auf der Landstraße von einem Motorrad angefahren und so schwer verletzt, dass ihr ein Bein amputiert werden musste.

Geldbuße und drei Monate Fahrverbot

Am Dienstag wurde der 34-jährige Unfallfahrer vom Neuruppiner Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der gelernte Tischler eine Geldbuße von 1000 Euro an die Kreisverkehrswacht zahlen. Das Gericht erteilte zudem ein Fahrverbot von drei Monaten.

Ein Schicksalstag für das Unfallopfer

„Der 30. September 2016 war ein Schicksalstag für die 16-jährige Schülerin, aber auch für den Angeklagten“, sagte Amtsgerichtsdirektor Frank Jüttner. Das Mädchen hat noch sein ganzes Leben vor sich und muss sich nun neu orientieren. Aber auch das Leben des Angeklagten hat sich durch das Geschehen verändert. „Er würde den Unfall, für den er letztlich verantwortlich ist, am liebsten ungeschehen machen“, so Jüttner.

Der 34-Jährige kam an jenem Abend vom Fußballtraining und wollte nach Wusterhausen. „Er hatte eigentlich alle Zeit der Welt, aber vor sich ein Fahrzeug, das ihm zu langsam fährt“, sagte Jüttner. Dann traf der Angeklagte die fatale Entscheidung, den Pkw zu überholen, so Jüttner. Dessen Fahrer hatte wohlweislich in Höhe der Diskothek seine Geschwindigkeit reduziert.

Autofahrer waren Risiken dort wohl bekannt

„Ich kenne das Theater mit der Disco“, sagte der 58-jährige Autofahrer vor Gericht. Er und seine Frau hatten bereits die Leuchtreklame gesehen und wussten, dass an den Öffnungstagen immer viele junge Leute vom Bahnhof Walsleben auf der Landstraße zu der Diskothek unterwegs sind. Der Weg dorthin war an jenem Septemberabend stockdunkel. Ein Verkehrsschild dort warnt vor möglichen Fußgängern. Dazu kam, dass der Fahrer vor ihm bremste. „Dass alles hätte ihm eine Warnung sein müssen“, sagte der Staatsanwalt. Nach dem Zusammenprall hatte noch am Unfallort der Motorradfahrer zum Autofahrer gesagt, dass er sich gewundert habe, warum dieser gebremst hat. „Ich habe mich gewundert, dass Sie mich überholt haben“, hatte der 58-Jährige geantwortet.

Doch alle Warnzeichen ignorierte der Angeklagte, meinte auch der Nebenklägervertreter. „Es gilt ein Sichtfahrgebot. Der, der überholt, ist verantwortlich.“ Was dann passiert sei, sei nicht wieder gut zu machen. Der Lebensweg der heute 18-Jährigen werde nun ganz anders verlaufen als geplant. Sie hat ein Schuljahr versäumt. Sie war sehr sportlich, betrieb Leichtathletik. Heute kann sie kaum 400 Meter laufen, leidet unter chronischen Rückenbeschwerden und Phantomschmerzen – alles Folgen der Amputation.

Das alles wäre nicht passiert, wenn der Angeklagte nicht überholt hätte. Warnzeichen hätte es genug gegeben. „Wer überholt, muss die komplette Strecke übersehen können“, so Jüttner. Als der Motorradfahrer dazu ansetzte, war der Unfall unvermeidbar. Egal, ob mit oder ohne leichte Geschwindigkeitsüberschreitung.

Es hätte noch schlimmer kommen können

„Es hätte noch eine größere Katastrophe als die eingetretene werden können“, sagte Jüttner. Es waren rund 100 Jugendliche auf dem Weg zur Disco, alle liefen auf der Straße – und zwar nicht auf der linken Straßenseite, wie es außerhalb geschlossener Ortschaften geregelt ist. Das wertete der Verteidiger als Mitschuld und zog das Argument als strafmildernd heran. Er hielt eine Geldstrafe für angemessen. Er führte an, dass sein Mandant durch den Unfall psychisch belastet sei. Der 34-Jähriger rührt sein Motorrad nicht mehr an.

Das Gericht schloss sich jedoch dem Antrag des Staatsanwaltes an. Seit dem Unfall ist die Höchstgeschwindigkeitsgrenze auf der Landstraße dort von 80 auf 60 Stundenkilometer gesenkt worden.

Von Dagmar Simons

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