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Neuruppin Angeklagte sagen wegen eines Trauerfalls nicht aus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Angeklagte sagen wegen eines Trauerfalls nicht aus
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00:21 14.03.2019
Vor dem Landgericht Neuruppin müssen sich seit November drei Pritzwalker wegen Steuerhinterziehung verantworten. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

M. saß gemütlich bei einem befreundeten Ehepaar in Pritzwalk beim Kaffee. Dem Ehepaar, das sich seit November wegen Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung vor dem Landgericht Neuruppin verantworten muss.

Beim Kaffeeklatsch lernte M. jemanden kennen, der sie als Teilhaberin für einen Autohandel, den er zu gründen plante, gewinnen wollte. Den erhofften Anteil vor Augen, nahm sie das Angebot an und wurde Gesellschafterin der Firma Avus pro. Das sagte die 72-jährige M. als Zeugin vor Gericht.

Vorwurf: Umsätze verschleiert

Laut Staatsanwaltschaft betrieben das Ehepaar und der ebenfalls angeklagte Sohn des Mannes in den Jahren 2007 bis 2010 einen Gebrauchtwagenhandel in der Gesellschaftsform einer GmbH. Die 47-jährige Frau war Geschäftsführerin und für die Buchhaltung zuständig. Gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Sohn soll sie ein Umsatzsteuerbetrugsmodell ausgearbeitet haben, um den Umfang ihrer Geschäftstätigkeit zu verschleiern.

Sie erwarben in Frankreich ehemalige Mietfahrzeuge und überführten sie über diverse Firmen nach Deutschland. Das waren teilweise Scheinfirmen, davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Die Angeklagten sollen so mehr Einnahmen erzielt haben als beim Finanzamt angegeben. Es soll ein Steuerschaden im siebenstelligen Bereich entstanden sein. Spätestens ab März 2010 sei die Gesellschaft bankrott gewesen: Einen Insolvenzantrag hätten die Angeklagten aber nicht gestellt.

Angeklagten konnten ihre Aussage nicht vorlesen

Nur der 38-jährige Sohn hat sich bisher zu den Vorwürfen vor Gericht geäußert. Demnach hatte er nichts von illegalen Geschäften gewusst. Für den nunmehr zwölften Verhandlungstag hatte die Verteidigung die Einlassungen der beiden Eheleute angekündigt.

Doch sie seien nicht in der Lage, diese zum jetzigen Zeitpunkt zu verlesen, weil sie emotional belastet sind. Überraschend sei der Vater des 62-jährigen Angeklagten am Wochenende gestorben.

Zeugin wurde über Nacht Gesellschafterin

Zeugin M. schilderte, wie sie im März 2008 Gesellschafterin der Firma Avus pro wurde. Da ihr Mann selbst in der Branche tätig war, hatte die gelernte Krankenschwester auch etwas Ahnung vom Metier.

Sie solle bei ihm Teilhaberin werden, schlug jener Tischnachbar vor, und, wenn das Geschäft floriere, etwas vom Gewinn abbekommen. Mit dem Geld wollte sie, so die Rentnerin, ihre damals karge Erwerbsunfähigkeitsrente aufbessern. Den Gewinn vor Augen leistete sie die Stammeinlage von 25 000 Euro. So jedenfalls stand es im Gründungsvertrag, den ihr die Richterin vorhielt.

M. selbst konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie viel Geld sie bezahlt hat. „Es ist alles so lange her.“ Sie wusste noch, dass sie beim Notar war – mit jenem Tischnachbarn. Von dem habe sie danach nie wieder etwas gehört. Deshalb habe sie sich in ihrer Not an den Angeklagten gewandt. „Weil er etwas mit Autos zu tun hatte. Ich kenne ihn und wusste, er ist korrekt.“

Finanzamt ist Schuld

Der Firmensitz wurde notariell verlegt, von Schwerin nach Dargun, wo der 62-Jährige in einem dortigen Autohaus einen Firmensitz hatte. „Es sollte sich was ändern, aber dann kam das Finanzamt.“ Das hat ihrer Meinung nach das Autohaus in Dargun kaputt gemacht.

Und nicht nur das. „Sie machen die Menschen kaputt“, fuhr sie die Vertreterin des Finanzamtes im Gericht an. Aus dem Zubrot für ihre Rente wurde nichts. „Das ist ja ganz in die Hose gegangen“, sagte die Rentnerin. Von dem Geld hat sie keinen Cent mehr gesehen.

Die Frage des Gerichts, ob sie den Angeklagten mal Geld geliehen habe, verneinte sie zunächst. Gestand dann aber, ihnen nach 2010 mal 50 000 Euro geliehen zu haben, „um Autos zu kaufen, damit sie weiter arbeiten konnten“. Und das, obwohl schon die 25 000 Euro verloren waren. „Wenn ich helfen kann, dann mache ich das. Wenn sie in Not waren, habe ich was gegeben. Ich helfe gerne.“ Ob und wie viel die Angeklagten davon zurückgezahlt haben, „das habe ich nicht im Kopf“. „Es könnte die Hälfte sein“, meinte sie dann.

Am 27. April wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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