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Neuruppin Eine Tat und zwei Versionen
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13:59 27.06.2018
Der Tatort in Radensleben. Quelle: Andreas Vogel
Radensleben

Nicht er, sondern Renee G. habe den 54-jährigen Jörg S. auf dem Gewissen, der im September vergangenen Jahres tot in einer Papiertonne in einer Wohnung in Radensleben gefunden wurde. Diese Erklärung ließ Steve Z. am Mittwoch von seinem Verteidiger verlesen.

Zwei Angeklagte und zwei Tatversionen

Der 21-jährige Steve Z. und der 37-jährige Renee G. müssen sich derzeit wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Am vergangenen Verhandlungstag hatte Renee G. sein Schweigen gebrochen und seinen Mitangeklagten belastet. Demnach will er im Nachbarzimmer geschlafen haben, während Steve Z. in der Küche den Mann tötete. Gestern nun packte Steve Z. aus und beschuldigte Renee G..

„Mega“ Beleidigung Anlass für Misshandlungen und Tötung

Seiner Version zufolge hatten Jörg S. und Renee G. am Abend des 22. August erheblich dem Alkohol zugesprochen. Jörg S. beleidigte den verstorbenen Vater von Renee G. Eine „mega Beleidigung“, nannte Steve Z. die Äußerungen. Er habe den aufgebrachten G. in den Flur geschickt, um sich „abzureagieren“. Das gelang offensichtlich nicht. Renee G. trat dem späteren Opfer ins Gesicht, schlug mit einem Topf zu, griff dann zu einem Messer. Das habe er, Steve Z., ihm abgenommen und unter einen Teller gelegt.

„Sache kochte hoch“

Nachdem die Polizei da war und nach Jörg S. fragte, der im gegenüberliegenden Seniorenwohnpark wohnte und dort vermisst wurde, „kochte die Sache hoch“, so Steve Z. Renee G. habe Jörg S. zunächst in den Hals gestochen. Daraufhin habe er G. rausgeschickt, weil er die Situation habe klären wollen. Er habe Jörg S. gesagt, er dürfe den Vater von G. nicht beleidigen. Dann sei G. wieder in die Küche gekommen mit den Worten: „Den mache ich jetzt kalt.“ Er selbst, so Steve Z., habe sich in einem anderen Zimmer eine Zigarette gedreht. Als er zurückkam, habe Jörg S. bereits Stichverletzungen an Bauch, Hals, Beinen und Geschlechtsteil gehabt.

Aus Angst auch zugestochen

Er habe dem Mann dann zweimal in die Schulter gestochen – aus Angst. G. habe gedroht, wenn „ich das nicht mache, bin ich der Nächste“, so seine Aussage.

Sozial verwahrlost

Gefragt, was er dazu sage, meinte G. nur, er beziehe sich auf seine Aussage. „Mehr sage ich nicht.“ Welche Version zutrifft, konnte auch der psychiatrische Sachverständige nicht sagen. Er hatte Steve Z. auf seine Schuldfähigkeit hin begutachtet. Er zeichnete das Bild eines 21-Jährigen, der intelligenzmäßig auf dem Stand eines Neun- bis Zwölfjährigen ist, die Förderschule ohne Abschluss beendet hat und in „katastrophalen“ Verhältnissen groß geworden ist. Außerdem stellte er bei dem Angeklagten einen langjährigen Cannabismissbrauch fest.

Angeklagter löst Konflikte mit Aggressionen

Bereits mit acht Jahren wurde Steve Z. das erste Mal wegen Verhaltensauffälligkeiten stationär behandelt. „Wäre er in einer liebevollen Umgebung aufgewachsen, wäre er wohl nicht auffällig geworden“, sagte der Gutachter. So aber kam es, wie Zeugen berichteten, immer wieder zu aggressiven Ausbrüchen. „Er kann Konflikte nicht austragen, sie nicht verbal lösen. Er sieht dann keine andere Möglichkeit, als aggressiv zu reagieren.“

Angeklagter ist schuldfähig

Trotz seiner Defizite sei Steve Z. in der Lage, das Unrecht der Tat zu erkennen und danach zu handeln. Der Gutachter sah bei dem Angeklagten zur Tatzeit keine verminderte Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit. Z. ist demnach schuldfähig. Ob Steve Z. sich den Handlungsablauf hätte ausdenken können, wollte der Staatsanwalt wissen. Das bejahte der Gutachter, hielt es aber für unwahrscheinlich, dass Z. in der Lage wäre, diese Geschichte über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Angeklagter suchte Vaterfigur

Wie der Gutachter weiter ausführte, war Z. auf der „Suche nach einem positiven Vaterbild“. Das glaubte er, in Renee G., den er als „Ziehvater“ bezeichnete, gefunden zu haben. G. hat den Jüngeren beschützt und sich seiner angenommen.

Angeklagter will Versteck der Tatwerkzeuge zeigen

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann kündigte Renee G. einen Ausflug an. G. hatte ausgesagt, das Versteck der Tatwerkzeuge zeigen zu können. Das soll er nun tun. „Mal gucken, was dabei herauskommt“, sagte Lechtermann.

Am 11. Juli wird weiter verhandelt.

Von Dagmar Simons

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