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Neuruppin Fehrbelliner muss in die geschlossene Psychiatrie
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Fehrbelliner muss in die geschlossene Psychiatrie
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14:33 12.10.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Fehrbellin/Neuruppin

Der Angeklagte ist in seinem momentanen Zustand gefährlich für die Allgemeinheit. Zu diesem Ergebnis kam die erste Große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin am Freitag.

Sie sprach den 31-Jährigen aus Fehrbellin von den Anklagevorwürfen frei, weil sie von seiner krankheitsbedingten Schuldunfähigkeit ausging. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung des gelernten Servicetechnikers in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Den Halt verloren

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann beschrieb den Angeklagten als einen Menschen, der bisher Höhen und Tiefen durchlebt hat und eine schwierige Kindheit hatte. Mit 16 Jahren zog er in eine eigene Wohnung nach Neuruppin.

„Was nicht klappte“, so Lechtermann. Der Angeklagte kam mit Drogen in Kontakt, wurde straffällig. Später kriegte er wieder die Kurve, schloss erfolgreich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ab, machte am Oberstufenzentrum sein Fachabitur und ging zum Studium nach Magdeburg. Dann brach er das Studium ab, kam ins Gefängnis.

Immer wieder straffällig

In den letzten Jahren, so Lechtermann, verlor der nun 31-Jährige immer mehr den Halt, hatte keine Tagesstruktur mehr. Immer wieder kam es zu Konflikten mit der Mutter, die ihn letztendlich vor Gericht brachten.

Er drohte ihr, das Haus abzufackeln und sie umzubringen. Er schlug Türen ein, brach in die Wohnung eines ehemaligen Schulkameraden ein und in die seiner Ex-Freundin. Ganz plötzlich schlug seine Stimmung um und er wurde aggressiv.

„Sein Verhalten ist auf eine psychotische Erkrankung zurückzuführen“, sagte Lechtermann. Die, davon war das Gericht überzeugt, nicht durch den Drogenkonsum entstanden ist. In dem Angeklagten habe sich eine Parallelwelt aufgebaut. „Er schwankt zwischen Realität und Wahnwelt“, so Lechtermann. Mit Drogen versuchte er, sich zu helfen, die innere Unruhe zu bekämpfen. Das hat nicht funktioniert.

Das Gericht ging deshalb von einer Schuldunfähigkeit aus. Das heißt, er kann für sein Tun nicht verantwortlich gemacht und damit auch nicht bestraft werden.

Gefährlich für die Allgemeinheit

Anders als Verteidiger Uwe Meyer ging das Gericht von einer Gefährlichkeit des Angeklagten für die Allgemeinheit aus. Zwar bewege sich der 31-Jährige nicht im Bereich der Schwerstkriminalität, aber seine Straftaten bewegten sich im mittleren Bereich wie auch seine vorigen Verurteilungen zeigten.

Er hatte nicht nur seine Mutter mit Fäusten attackiert, sondern auch im alkoholisierten Zustand eine ehemalige Freundin geschlagen, sich mit einem Unbekannten geprügelt.

Nur Zufall, dass nichts Schlimmeres passiert ist

Seine Handlungen standen immer auf der Kippe zum Schlimmeren. Dass es nicht dazu gekommen ist, sei Zufall, so Lechtermann.

Das sei reine Spekulation, meinte hingegen Verteidiger Meyer. „Allein zu mutmaßen, er würde in Zukunft ein Messer einsetzen, was er bisher noch nie getan hat, reicht nicht.“ Auch nicht, dass die Gutachterin, die dem Angeklagten eine paranoide Schizophrenie bescheinigt hat, eine deutlich schwerere Straffälligkeit nicht ausschließen wollte.

Meyer sah für seinen Mandanten andere Möglichkeiten einer Behandlung als die in der geschlossenen Psychiatrie. Er dachte an eine ambulante Behandlung, eine Suchthilfeeinrichtung sowie einen gesetzlichen Betreuer, der dem Angeklagten beispielsweise helfen könnte, eine Wohnung zu finden.

Angeklagter nicht einsichtig

Dieser Auffassung konnte sich das Gericht nicht anschließen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre der Angeklagte auf sich selbst gestellt. „Er hat den Ernst seiner Krankheit und seine Situation noch nicht erkannt“, sagte Lechtermann. Wie die Gutachterin sagte, ist die Krankheit gut behandelbar. Das erfordert aber ein Mitarbeiten von ihm, was er bisher nicht gemacht hat. Verläuft die Behandlung erfolgreich, kann der 31-Jährige wieder in Freiheit leben. „Im Augenblick ist jedoch daran nicht zu denken“, so Lechtermann.

Jetzt muss er da bleiben, wo er seit sechs Monaten bereits ist – in der Psychiatrie.

Von Dagmar Simons

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