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Neuruppin Warum immer mehr Menschen das Fasten für sich entdecken
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Warum immer mehr Menschen das Fasten für sich entdecken
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00:18 19.03.2019
Ihren Hof hat Susanne Behm 1999 zusammen mit ihrem Ehemann erworben und über Jahre umgebaut, bevor sie 2008 den Fastenhof eröffnet hat. Quelle: Fabian Lamster
Flecken Zechlin

 Im Rheinsberger Ortsteil Flecken Zechlin, staatlich anerkannter Erholungsort, gibt es einen Platz, an dem das Erholen besonders groß geschrieben wird.

Das gelingt nicht irgendwie, sondern durch Fasten. Dafür hat Susanne Behm im Jahr 2008 ihren eigenen Fastenhof in Nachbarschaft zur Flecken Zechliner Kirche eröffnet, auf dem seitdem das ganze Jahr über Menschen das Fasten lernen oder einfach zum Fasten vorbeikommen.

Das sind vor allem gestresste Ärzte und Unternehmer. Wir haben teilweise schon Stammgäste, die immer wieder zum Fasten hierher kommen“, sagt die 52-Jährige. „Es sind Menschen, die in ihrem Leben etwas ändern wollen und dafür Tipps und Inspirationen suchen.“

Fasten nicht nur in der Fastenzeit

Dabei seien viele von ihnen durchaus skeptisch, die das erste Mal zu ihr nach Flecken Zechlin kommen. Wie einfach oder schwer fällt es, auf feste Nahrung zu verzichten? Wie reagiert mein Körper darauf, wenn ich ihn vom Normal- auf ein Sparprogramm setze?

Nicht ohne Grund, wie Susanne Behm schildert: „Gerade beim ersten Mal kann es eine schwierige Umstellung sein. Dafür sollten sich Fastende Entlastungstage gönnen, um ohne Kopfschmerzen durch die Zeit zu kommen.“

Fastenzeit bis Ostern

Vom 6. März (Aschermittwoch) bis 18. April (Gründonnerstag) fasten Christen in Deutschland insgesamt 40 Tage. Im religiösen Sinne geht es darum, als äußeres Zeichen der Buße auf Dinge zu verzichten, wie beispielsweise Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol.

Dabei erfreut sich auch das Alltagsfasten einer steigenden Beliebtheit, wenn Menschen bewusst ihren Plastik-, Smartphone- und Internetkonsum für eine gewisse Zeit herunterfahren, um sich zu erholen und daraus neue Erkenntnisse über sich selbst und ihre Mitmenschen zu gewinnen.

Auch der Fastenhof in Flecken Zechlin achtet darauf, dass Besucher ihren elektronischen Haustieren eine Pause gönnen, auf sie verzichten. So sind Lampen die einzigen elektronischen Geräte in den Zimmern, in denen die Teilnehmer übernachten.

Durch den Fokus auf Nachhaltigkeit und Bioprodukte wurde der Fastenhof Anfang März zum ersten zertifizierten Bio-Hotel im Ruppiner Land ausgezeichnet. Es ist erst die zweite Unterkunft im Land Brandenburg, die diese Auszeichnung erhalten hat.

Die Kurse, die die 52-Jährige anbietet, dauern sieben Tage. Dann empfangen sie und ihr Team Gruppen von 14 bis 18 Personen auf ihrem Fastenhof – zumeist Menschen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren. Und das nicht nur in der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern – sondern zu 35 Terminen, über das ganze Jahr verteilt.

Mit welchen Erwartungen Menschen den Fastenhof besuchen

Sie kommen mit unterschiedlichen Erwartungen nach Flecken Zechlin: Manche wollen etwas gegen den Stress im Beruf oder gegen ihren Bluthochdruck unternehmen, andere wollen abnehmen, Hautprobleme oder Gicht- und Arthroseschmerzen lindern.

Dafür durchlaufen sie am Fastenhof ein bestimmtes Programm, das Susanne Behm selbst entwickelt hat. Beim sogenannten Behmfasten erwartet die Gäste täglich eine vierstündige Wanderung durch den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, beispielsweise um den Wummsee.

Die Kursteilnehmer des Fastenhofs sind in der Natur unterwegs und wandern viele Stunden am Tag. Quelle: Susanne Behm

Auch Yoga und Saunagänge stehen ebenso auf dem Programm wie eine Mahlzeit, bei der sie einen grünen Smoothie, ein Mixgetränk aus Blättern, Obst und Wasser, zu sich nehmen. Beim Basenfasten, einer weiteren Fastenform, stehen neben den Smoothies zwei weitere Mahlzeiten auf dem Tagesplan. Dann bekommen die Teilnehmer zum Beispiel ein Kokos Panna Cotta auf Kiwi-Blutorangen-Mus oder eine Kürbis-, Rote-Beete oder Mohrrübensuppe zum Abend serviert. Sie verzichten beim Fasten bewusst auf ihre bekannten Ess- und Lebensgewohnheiten.

Teilnehmer von Fasteneuphorie beflügelt

„Die Teilnehmer, die aus allen Teilen Deutschlands und auch aus Österreich und der Schweiz kommen, stellen sich die Frage, was sie wirklich im Leben brauchen. Dafür reduzieren sie sich für einige Tage, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können“, sagt die 52-Jährige.

„Loslassen vom Alltag" ist eine der Hauptaufgaben, die sich die Kursteilnehmer an Susanne Behms Fastenhof stellen müssen. Quelle: Fabian Lamster

Dabei falle ihnen das Fasten in ihrer gewohnten Umgebung deutlich schwerer, wenn Ehepartner oder die eigenen Kinder nicht mitmachen und die Versuchungen, das Fasten zu brechen, hinter jeder Ecke lauern.

Viele von ihnen packt nach einiger Zeit die Fasteneuphorie. „Unser Körper investiert 30 Prozent seiner gesamten Energie in die Verdauung. Muss er nichts verdauen, steht diese Energie uns zusätzlich zur Verfügung, wir fühlen uns energiegeladener, kreativer, klarer“, sagt Susanne Behm.

Warum Susanne Behm Fastenleiterin wurde

Sie selbst hat während ihrer Studienzeit in Köln das erste Mal gefastet und damit Hautprobleme gelöst, bei denen sie nicht weiter wusste.

Dort ist die 52-Jährige geboren und hat lange Jahre als Archäologin gearbeitet, bevor sie sich in Hamburg zur ärztlich anerkannten Fastenleiterin hat ausbilden lassen.

„Als Archäologin war ich immer unterwegs. Da ich aber eine Familie gründen und für sie da sein wollte, habe ich mich dafür entschieden und mir mit meinem Mann ein ruhiges Fleckchen gesucht.“ Und in Flecken Zechlin gefunden, das aufgrund der Natur und dünnen Besiedlung nicht nur für sie persönlich, sondern auch für ihren Fastenhof optimale Bedingungen biete.

Geheimrezept gesunde Ernährung

Innerhalb eines Jahres verwandelte sie ein Taubenhaus in eine Sauna, der Hühnerstall musste einem Seminarraum weichen und die alte Traktorscheune wurde zu einem Yoga- und Ruheraum umgebaut.

Auf dem Hof betreibt Susanne Behm auch einen Kräutergarten und baut die Zutaten für die Smoothies an, die grünen Mixgetränke, die nicht nur die Besucher des Fastenhofs täglich, sondern auch sie selbst seit zehn Jahren zum Frühstück trinkt.

Zum Mittagessen bereitet das Team von Susanne Behm beispielsweise ein Kokos Panna Cotta auf Kiwi-Blutorganen-Mus vor. Quelle: Susanne Behm

Sie weiß, was es heißt, sich gesund zu ernähren: „Viel Obst und Gemüse sowie wenig Fleisch, Salz und Zucker sorgen dafür, dass der Körper nicht übersäuert – was sonst zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Herzrasen führen kann“, sagt Susanne Behm.

Warum Susanne Behm nicht auf ihrem eigenen Hof fastet

Sie selbst fastet ebenfalls ein bis zwei Mal pro Jahr für zehn Tage. Dann nimmt sich die gebürtige Kölnerin eine Auszeit von ihrem Alltag und ernährt sich ausschließlich von Wasser und Tee.

Dafür erholt sie sich nicht in ihrem eigenen Fastenhof, sondern immer woanders: mal an der Ostsee, mal im Elbsandsteingebirge. Im Dezember hat sie auf Hiddensee gefastet.

Angst vor einem aufkommenden und sie überwältigenden Hungergefühl während des Fastens hatte sie nie. „Es ist gar nicht so schwer, auf feste Nahrung zu verzichten. Und die Energie und Motivation, die ich dadurch freisetze, sind es jedes Mal aufs Neue wert.“

Von Fabian Lamster

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