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Neuruppin Rollende Ruppiner – streng im Takt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Rollende Ruppiner – streng im Takt
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00:40 30.04.2018
Einmal unter den Bus geschaut: die MAZ-Leser interessierten sich sehr für die Technik der ORP-Flotte. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Bloß nicht unter die Räder kommen! Und schon gar nicht unter die eines Linienbusses. Was im Alltag tunlichst vermieden werden sollte, konnten MAZ-Leser jetzt hautnah und ohne jedes Risiko erleben: Sich einen Bus von unten anzuschauen. Möglich wurde es durch den Betriebsausflug von MAZ und REG, der am Mittwoch 16 Interessierte hinter die Kulissen der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP) führte. Fachkundiger Führer war der Geschäftsführer Ulrich Steffen – ihm zur Seite Henri Kmoschek, Betriebsleiter der besuchten Filiale in Neuruppin, in der die Hauptwerkstatt des Unternehmens ihren Sitz hat.

Der jüngste Betriebsausflug von MAZ und REG ließ interessierte Leser unserer Zeitung am Mittwoch hinter die Kulissen der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft blicken. Fachkundiger Guide war Geschäftsführer Ulrich Steffen – ihm zur Seite Henri Kmoschek, Betriebsleiter der besuchten Filiale in Neuruppin, in der die Hauptwerkstatt des Unternehmens ihren Sitz hat.

Seit 1992 gibt es die ORP, so Steffen in seinem einführenden Vortrag. Man sei nicht Nachfolger des DDR-Kraftverkehrs – auch wenn man nach der Wende ein Großteil der Mitarbeiter übernommen habe. Die ORP – eine hundertprozentige Tochter des Landkreises – hat drei Standorte: Kyritz, Wittstock und Neuruppin. 42 Linien werden insgesamt befahren, mit rund 100 Bussen verschiedener Größen – auf einer Streckenlänge von 2074 Kilometern im Landkreis.

Das sind im Jahr rund 4,4 Millionen gefahrene Kilometer – bei 3,6 Millionen Fahrgästen. Ulrich Steffen wirft die Zahlen locker in den Raum: etwa, dass ein Gelenkbus nicht unter 350 000 Euro zu haben ist, die jährliche Investition der sieben pro Jahr ausgeschriebenen Fahrzeuge bei knapp zwei Millionen Euro liegt und dass man für drei Euro einen ganzen Tag mit der Neuruppiner Stadtlinie 770 umherkutschen kann, wenn man will.

Die MAZ-Leser stellen viele Zwischenfragen. Hat die ORP auch Reisebusse? Ja, so Steffen, für Schulausflüge und Seniorenfahrten. „Man kann uns buchen. Aber wir sind kein Reiseveranstalter.“ Ohnehin könne bei der ORP keiner fahren, was und wohin er wolle. Alles läuft streng nach Richtlinien ab: erstens die Linienkonzession, die alle zehn Jahre neu beantragt werden muss – ohne die würde kein einziger Bus rollen dürfen. Arbeitsgrundlage ist der Nahverkehrsplan, den der Kreistag beschließt – darauf fußend können dann die Fahrpläne gestrickt werden.

Im Busverkehr ist alles genau geregelt: nicht nur die Abfahrtszeiten

Die Hauptader ist die Plusbuslinie, die alle wichtigen Orte des Landkreises im Stundentakt verbindet; dazu kommen die Nebenlinien – auch die kleinen Orte werden natürlich angefahren, wenn auch seltener. Weitere Gesetze regeln die Mindestausstattung der Busse, die Zahl der Fahrzeugprüfungen, wie oft ein Bus gewaschen werden muss und vieles mehr. Ulrich Steffen macht keinen Hehl daraus, dass Nahverkehr im ländlichen Raum für den Betreiber nicht eben eine Goldgrube ist. „Wir finanzieren uns aus Landesmitteln.“

Ulrich Steffen redet über Dieselabgaswerte und über die Zukunft. Selbstfahrende Busse etwa. „Wir wollen diese Systeme mit Ihnen testen und sehen, wie Sie sich danach fühlen“ – es wäre eine gute Lösung für dünn besiedelte Regionen. „Will jemand von Ihnen Busfahrer werden?“, fragt er. Auch die ORP hat Personalmangel. „Wieviel verdient denn ein Busfahrer“, fragt ein Besucher. Der Stundenlohn beginnt bei 11,47 Euro, erfährt er. Wo denn die Busse betankt werden, wird gefragt. Nun geht es endlich zur eigentlichen Besichtigungsrunde: beginnend in der riesigen Abstellhalle, aus der die Busse morgens starten und abends ins Nachtquartier fahren. Nur in weit entlegene Orte würde der Fahrer seinen Bus abends mitnehmen.

Dann ein Blick zu den Zapfsäulen und den riesigen Tanks dahinter. Staunend erfahren die Besucher, dass am Tag 2600 Liter Diesel fließen – natürlich nur, wenn der Fahrer, der seinen Bus immer nach Feierabend betanken muss, seine Karte einschiebt und Busnummer und Kilometerstand eingibt. „So erfahren wir, wer unsere sportlichsten Fahrer sind“, scherzt Ulrich Steffen.

Die Gäste beim Betriebsausflug hatten viele Fragen an die Mitarbeiter

Ob schon mal ein Bus gestohlen worden sei, wird gefragt. Nein, so Steffen, aber in Busse eingebrochen schon. Dann gehts in die moderne Werkstatt, wo die Busse über einer Grube stehen, so dass von unten Ölwechsel und dergleichen erfolgen kann. Direkt dahinter schließt sich die Waschanlage für die bis zu 20 Meter langen Riesen an. „Wir waschen einmal pro Woche,bei Bedarf auch täglich“, so Steffen.

In der modernen Werkstatt gehts dann direkt unter einen aufgebockten Bus. Der Motor liegt hinten, ist zu erfahren und dann kann man auch schon hereinschauen ins Herz des Riesen, während Ulrich Steffen alles über TÜV und Abgasuntersuchung erklärt. Der Werkstattleiter Tobias Kollan demonstriert die Rollirampe und die Vorrichtung, in der die Bremsen kontrolliert werden. „Achse für Achse, der Computer sagt dann Ja oder nein.“ Kollan testet mit einem speziellen Gerät den Türschließdruck. „Soll ja niemand zerquetscht werden.“ Auch einmal Probesitzen im Inneren gehört zur Besichtigung dazu.

Dann gehts am Geldautomaten vorbei, in den die Fahrer nach Schichtende ihre Tageseinnahmen einzahlen, und weiter in die Schaltzentrale, wo Einsatzleiter Olaf Bredlow auf drei Bildschirmen jeden Bus im Visier hat: wo er gerade ist, ob er Verspätung hat. Bredlow gibt die Infos an die Anschlussbusse weiter – Dank der Kassensysteme sind alle Busse ständig in Kontakt mit der Leitstelle, wo Fahrpläne und Dienstpläne genau eingetaktet sind. Und wo bei Bedarf schnell Lösungen gefunden werden – wenn mal etwas nicht nach Fahrplan läuft: wegen Unfällen, Baustellen oder sonstigen Unwägbarkeiten. Die MAZ-Leser stellen Fragen über Fragen – auch an der letzten Station: Auskunft – Beschwerdestelle – Fundbüro.

Von Regine Buddeke

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