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Bundestagsabgeordneter als Praktikant

Neuruppin Bundestagsabgeordneter als Praktikant

Der Abgeordneter Sebastian Steinecke (CDU) des Wahlkreises aus OPR, Prignitz und Havelland I verschaffte sich als Praktikant einen Einblick in die Abläufe der Tafel Neuruppin. Beim Lebensmittel abholen, sortieren und schließlich bei der Ausgabe konnte er alle hautnah miterleben.

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Kurze Wege: Vom Transporter werden die Kisten durch ein halbhohes Kellerfenster in einen Raum gehoben, in dem die Lebensmittel später sortiert werden. Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Das Sortiment ist vielfältig. Von Milchbrötchen über Säcke mit Kartoffeln, allerlei Gemüse und Aufschnitt bis hin zu fleischfreien Schnitzeln. Sogar Blumen und Erdbeeren wurden in die grünen Plastikkörbe gestapelt. „Heute sind viele Pilze dabei“, sagt Sebastian Steineke. Der Bundestagsabgeordnete der CDU half der Tafel Neuruppin Dienstag als Praktikant aus.

Um 8.30 Uhr begann seine Schicht mit einer kurzen Arbeitsbesprechung im Haus am Bullenwinkel. In den nächsten zwei Stunden hieß es für den Politiker Kisten schleppen, eine Vorauswahl treffen und die Kästen in den großen blauen Transporter hieven, der zurück zur Tafel Am Bullenwinkel fuhr.

Anstrengende Arbeit

„Ich habe 15 Jahre lang eine Fußballmannschaft trainiert. Das war auch anstrengend, aber das hier ist anders“, offenbart der Politiker unumwunden. „Das ist vor allem körperlich anstrengend. Und nicht gerade rückenfreundlich“.

Rosita Schröter nickt anerkennend. Die ehrenamtliche Mitarbeitern ist seit vier Jahren bei der Tafel beschäftigt und leidet häufiger unter Rückenbeschwerden, wie sie sagt. Sie hat Sebastian Steineke Dienstag unter ihre Fittiche genommen. „Er kann gerne wieder kommen“, lobt sie den Politiker und lächelt. Viel Zeit zum Erzählen bleibt jedoch nicht. Nachdem die Kisten durch ein Fenster in die Küche der Tafel gereicht wurden, fährt das Team sofort nach Alt Ruppin – die nächsten Lebensmittel einsammeln.

Sebastian Steinecke fuhr als Beifahrer im Transporter der Tafel mit

Sebastian Steinecke fuhr als Beifahrer im Transporter der Tafel mit.

Quelle: Peter Geisler

Insgesamt zehn Supermärkte fahren die Mitarbeiter Dienstags an. Etwa 100 Kilo sind bei der ersten Fuhre zusammengekommen. Die Menge der eingesammelten Lebensmittel variiert jedoch, wie Doreen Gudat und Ramona Lorenz später im Büro erzählen. Die Frauen koordinieren die Logistik der Tafel. „Jetzt im Januar und Februar fallen wegen der Inventur mehr Lebensmittel an“, weiß Lorenz aus Erfahrung. „Und der Weihnachtsrücklauf ist auch dabei“. Im Schnitt tragen die Mitarbeiter der Tafel etwa zwölf bis 13 Tonnen Lebensmittel im Monat zusammen. Aus diesen Nahrungsmitteln stellen die Helfer die Kisten zusammen, die für 4 Euro an Bedürftige abgegeben werden.

In den Kisten ist vorwiegend Obst und Gemüse, Joghurt, Wurst und Brot, so Doreen Gudat. Bevor die Lebensmittel aber in die Kisten kommen, sortieren die Mitarbeiter alles durch und gegebenenfalls aus. Weiche Mandarinen möchte keiner. „Eben nur das nehmen, was man auch selbst nehmen würde“, sagt Steineke. Am Ende sind die Kisten gleichmäßig voll. Immer drin ist auch Gemüse, Dienstag besonders viele Pilze, wie Steineke auch beim vierten Supermarkt feststellt.

In den grünen Kisten befindet sich viel Grünzeug

In den grünen Kisten befindet sich viel Grünzeug.

Quelle: Peter Geisler

Der Neuruppiner Abgeordnete wollte sich von den Arbeitsabläufen der Tafel ein Bild machen, wie er erzählt. „Da hängt ja viel mehr dran, als nur das Essen auszugeben“, sagt er. „Das ist ein Rattenschwanz an Logistik“. Bei seinem letzten Besuch in der Tafel war die Essensvergabe gerade vorüber, das reichte ihm als Einblick nicht. Beim Anpacken will er nun mehr erfahren. „Falls ich mal nach Hilfe gefragt werde, ist es gut, dass man weiß, wie es läuft“. Dann geht es auch schon weiter. Nach den Neuruppiner Supermärkten, fährt das Trio mit dem geleerten Transporter nach Alt Ruppin, um dann mit sortierten Kisten zur Ausgabe nach Rheinsberg zu fahren. Die Tafel hat vier verschiedene Ausgabestellen. Nur am Donnerstag und Freitag werden Lebensmittel in Neuruppin verteilt. Am Montag und Mittwoch steuern die Teams Fehrbellin und Lindow an.

Etwa 270 bis 300 Haushalte nehmen die Leistungen der Tafel in Anspruch, sagt die Leiterin der Tafel, Gabriela Manthei. Sie sieht die Tafel gut aufgestellt, in vielerlei Hinsicht. Das liege zum einen an einem Supermarkt, der 2015 dazu kam, aber auch am Lebensmittelaustausch mit Tafeln in Oranienburg und Berlin – und natürlich an der Hilfe der Mitarbeiter, wie sie betont.

Es geht um Anerkennung

Auch Steineke geht es bei seiner Mitmach-Aktion um die Frage der Anerkennung „Das muss man mal machen“, sagt er. Rosita Schröter, die früher beim Rettungsdienst arbeitete, erzählt, dass sie dort mehr Anerkennung bekam.

Zweimal pro Woche und wenn Not am Mann ist, arbeitet sie für die Tafel. Mit ihr arbeiten 24 andere Menschen in der Einrichtung. Die Tafel lebt durch die Arbeit der Freiwilligen, der Menschen, die ihren Bundesfreiwilligendienst absolvieren und Personen, die ihr Arbeitslosengeld aufstocken. Am Donnerstag wird auch Sebastian Steineke noch mal die Ärmel hochkrempeln. Dann wird er bei der Essensausgabe in Neuruppin behilflich sein.

Von Lisa Neumann

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