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Neuruppin Calmus Ensemble begeisterte in Neuruppin
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00:39 20.04.2018
Calmus Ensemble in der Siechenhauskapelle Neuruppin Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Es müssen weitere Stühle her – so groß ist am Sonntagnachmittag der Andrang am Einlass der Siechenhauskapelle. Der Grund? Das Calmus Ensemble gibt ein Konzert. Nicht das erste. Die Fans wissen genau, warum sie kommen. Alle Jahre wieder – mit Ausnahme von 2017 – feilen die Leipziger Sänger bei Gabriele Lettow an einem neuen Programm und führen das dann auch gleich quasi als Nagelprobe in Neuruppin auf. Ein Ritterschlag für die Stadt, singen die fünf doch sonst vor ausverkauften Sälen weltweit und heimsten diverse Preise ein.

Gegründet 1999 aus einer Laune und Leidenschaft von fünf Thomanern, die den Stil der Comedian Harmonists toll fanden, hat sich das Ensemble später auch Frauen geöffnet. Sopranistin Anja Pöche bereichert die Männerriege: Sebastian Krause (Altus), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme(Bariton) und Manuel Helmeke (Bass). Das Calmus Ensemble ist Dank des Thomaner-Erbes natürlich in der Vokalmusik der Renaissance, des Barock und der Romantik zu Hause – verschreibt sich jedoch auch anderen Genres und ist stets bestrebt, neues Repertoire zu entdecken. Das Ensemble engagiert regelmäßig Komponisten, spezielle eigene Arrangements und Sätze für das Quintett zu schreiben. Auch am Sonntag ist einiges davon zu erleben.

Das Calmus Ensemble wurde 1999 von fünf Thomanern gegründet

„Folk Songs – so klingt die Welt“ ist der programmatische Name. „Wir singen 15 Lieder aus elf Ländern und in neun Sprachen“, wird zu Beginn versprochen, nachdem das erste Lied aus Schweden erklungen ist. Die Folk-Songs seien das neue CD-Projekt, das Konzert die Klangprobe. „Die CD erscheint erst am Jahresende. Sie hören also heute das Programm zum allerersten Mal. Wir auch, zumindest als Ganzes.“ Wie gewohnt sind die fünfstimmigen Sätze ausgefeilt, raffiniert verwoben, stimmstark und pointiert vorgetragen. Passgenau geben die Sänger, wo sie nicht die Melodie tragen, den vokalen Background. Instrumente braucht es dafür nicht.

Kleines Augenzwinkern bei den Moderationen: „Ein flottes Loblied übers Wäschewaschen“, erfährt man etwa über das englische Liedchen „Dashing away with a smoo­thing iron“. Kurze Inhaltsangabe: Ein Jüngling liebt ein Mädchen – das Mädchen liebt sein Kleid. Er beobachtet sie verliebt, wie sie montags das Kleid wäscht, dienstags trocknet, mittwochs stärkt, donnerstags bügelt, freitags faltet, samstags lüftet – sie sieht dabei so niedlich aus. Ach ja ... am Sonntag trägt sie das Kleid dann, so erfährt man. Das Publikum lacht.

Die Besetzung ist Sopran, Altus, Tenor, Bariton und Bass

Das ukrainische Neujahrs-Lied entpuppt sich als bekannt – allerdings wurde es das erst als englisch bearbeitete Version, die als „Carol of the Bells“ ein Klassiker ist. Weniger als Volkslied bekannt, dennoch wunderschön sind die deutschen Lieder „Es geht ein dunkle Wolk herein“ und „Ich hab die Nacht geträumet“. Es geht nach Litauen, dann nach Ecuador: „Das Lied über den Tonkrug ist quasi das ecuadorianische ’Der Mond ist aufgegangen’“, wird verraten. „Das wussten wir damals nicht, als wir es dort als Zugabe sangen, um den Gastgebern eine Freude zu machen.“ Aus Taiwan haben die fünf ein Lied von einer Ureinwohner-Minderheit mitgebracht, die stolz auf ihre eigene Sprache ist.

Finnisch geht es weiter, dann ein russisches Lied, das die fünf in Form einer Fuge singen. „Die meisten sollten es kennen – es ist der Soundtrack zum Tetris-Nintendo“, wird erklärt. Man dürfe sich beim Hören also getrost herabstürzende bunte Klötzer vorstellen. Auch das ein Hörgenuss. Ist es doch so, dass es für jeden Sänger das Größte ist, bei der Fuge die Melodiestimme zu haben. Die Ehre wird jedem auch abwechselnd zuteil, bis der Bass Kraft seiner Wassersuppe meint, der Chef zu sein. In schöner Donkosaken-Mentalität grollt er die Töne mit der Durchschlagskraft einer Kanone – das fordert die anderen zum stimmstarken Kontra heraus. „Bli-bli-bli-bli“ wird der Bass niedergetrillert. Er bäumt sich noch einmal auf und muss sich schließlich geschlagen geben. Kurz zuckt seine Braue in gespielter Verzweiflung. Ende, aus.

Touren führen das Ensemble weltweit überallhin

„Sally Gardens“ aus Irland – und auch das irische Lied über eine Totenwache. Die Iren feiern die ja anders, ist zu hören – bei „Finnegan’s Wake“ zumindest ist viel Whisky im Spiel und der Tote steht am Ende wieder auf. Ein englisches Liebeslied wird augenzwinkernd kommentiert: „Wenig romantisch, dafür mehr als zielstrebig, wenn es darum geht, ins Bett der Schönen zu finden“, erklärt der Bariton. Das sei wohl dem Beruf des Protagonisten geschuldet – er ist Soldat.

Mit „Tico-Tico no fubá“ endet die Reise in Brasilien – das Stück ist ein Welt-Schlager mit jazzigem Ansatz. „Gott sei Dank hat es keinen Text. Sonst hätten wir noch eine Sprache mehr lernen müssen“, sagt ein Sänger. Andererseits seien die Jazzsilben auch nicht ohne, die zu erlernen sei auch nicht leichter als eine neue Sprache. Das Publikum quittiert den feinen Song mit Begeisterung und erjubelt sich zwei Zugaben. „Der Mond ist aufgegangen“ – das muss denn doch noch sein. Und das wunderbare „Lullaby“ von Altmeister Billy Joel. Ein sanfter Abschied – bis hoffentlich im nächsten Jahr.

Von Regine Buddeke

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