Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Zirkus in Bestform
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Zirkus in Bestform
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:50 30.04.2018
Ein Pas de deux, der schwindelig macht: Sie ist wie Wachs in seinen Händen. Quelle: Regine Buddeke
Anzeige
Neuruppin

Der Koffer ist definitiv eine Herausforderung. Zwei Hotelboys schaffen es nicht, ihn hochzuheben. Erst das kleine Mädchen aus der ersten Reihe hebt das Requisit mühelos. Die Boys fallen mit gespielter Verehrung vor ihr auf die Knie. Die Kinder in der ersten Reihe kichern entzückt. Die Damen und Herren, die sich unter dem üppigen Kronleuchter um die Hotelrezeption scharen, applaudieren.

Es scheint, als gelten für die Artisten des Chinesischen Nationalzirkus weder die Gesetze der Schwerkraft noch der Anatomie. In der atemberaubenden und liebevoll in Szene gesetzten Show „Grand Hongkong Hotel“ brillierten die Artisten einmal mehr in Neuruppin.

Es ist ein buntes Völkchen, das sich da im Grand Hongkong Hotel versammelt hat. Neben den Boys ein paar Zimmermädchen in adrettem Schwarz-Weiß samt Schürzchen. Eine lustige Pyjama-Party-Mädchen-Clique, ein dicker Geschäftsmann, die Lady in sündigem Rot, eine liebestolle Alleinreisende, ein Dandy, ein Haushandwerker, ein Schulmädchen und nicht zu vergessen: der Hotel-Pianist. Zwölf Artisten gehören zum Ensemble des chinesischen Nationalzirkus – und alle sind sie ganz besonders in dem, was sie tun.

Bereits vor zwei Jahren trat das Ensemble im Neuruppiner Stadtgarten auf – damals mit „Shanghai Nights“. Am Donnerstagabend sind gut 200 Gäste gekommen, um der Show, die ein bisschen an Filme wie „Menschen im Hotel“ oder das „Grand Budapest Hotel“ denken lässt. „Wer ist nicht schon alles hier gewesen – im Hafen von Hongkong“, tönt eine Stimme aus dem Off. Schmuggler, Piraten, Freibeuter, Verfolger, Händler und leichte Mädels, Traumtänzer, Selbstmörder und Visionäre. Alle steigen sie im Hotel ab. Menschen kommen, Menschen gehen – mit ihren Träumen, Ängsten und Hoffnungen. Ein bunter Mikrokosmos als Metapher fürs pralle Leben.

Unter dem Lüster entfaltet sich ein Reigen akrobatischer Höchstleistungen, die schwindelig und atemlos in einem machen. Die Lady in Rot – der Eva-Apfel in ihrem Mund hat dieselbe Farbe – biegt ihren Körper schlangengleich in alle Richtungen, dass dem Geschäftsmann an der Bar fast das Bier aus dem Mund fällt. Er reißt die Augen tellergroß auf. Nur der Mann am Klavier spielt ungerührt weiter perlenden Jazz. Das folgende Liebespaar lässt Diabolos über die Bühne schnellen, dass man es zischen hört – erst als die rote Diva durchs Foyer schreitet und der Junge ihr nachstarrt, fällt das Teil vom Seil.

Seit mehr als 20 Jahren steht der Chinesische Nationalzirkus für einen besonderen Kulturaustausch

Jetzt muss man spätestens ein Loblied auf den fantastischen Pianomann singen, der den ganzen Abend nicht weniger Schwerstarbeit verrichtet als die Artisten. Mit zarten Takten aus Beethovens Fünfter auftrumpft, die er später virtuos variiert und improvisiert, um sie dann hemmungslos zu verjazzen. Das ist grandios. Zur Musik lässt die rote Lady diverse Schirme auf ihren Händen und Füßen tanzen.

Wenig später ist die Mädels-Clique in den Pyjamas dran. Auf einem Bett verbiegen sie ihre Körper ins Unglaubliche und bilden surreale Wesen aus Armen, Beinen und Köpfen, wo man sie laut Anatomie gar nicht verorten würde. Bettgymnastik der anderen Art. Dann werden Bänke gedrückt. Ganze 14 Böcke – aufeinandergestapelt gleichen sie einem Riesendrachen – balanciert ein einzelner Artist auf seiner Stirn. Chapeau.

Eine flirrende Hutnummer, dann ein Clowneriestück des Zirkus-Chefs Raoul Schoregge: „Hit the Road, Jack“ spielt das Piano, hit the boy (schlag den Jungen) wird gezeigt – eine Slapstick-Nummer zum Ablachen. Bei der Leuchternummer verbiegt sich eine Artistin selbst zum vielarmigen Kerzenständer. Vasen, groß wie WC-Becken, werden auf dem Kopf balanciert und durch die Luft geschnellt. Aufgefangen wird wahlweise mit Nacken oder Kopf der schmalen Artisten. Echte Meister des Fachs erkennt man – kein Scherz – an der Hornhaut am Kopf.

Bis zu 160 Gastspielstädte werden pro Show bereist

Zwei Uniform-Mädels mit dem roten Stern auf der Kappe manövrieren sich in enge Metallröhren gucken quasi in die Röhre. Ein Kung-Fu-Meister gibt eine Lektion in martialischem Kampfgeschrei, während der Clown sich zum Dirigenten aufschwingt und das Publikum nach seinem Taktstock klatschen lässt. Eine atemberaubende Körperjonglage, schön wie ein Pas de deux. Der Muskelmann in der Latzhose wirft die weiße Elfe wie eine Feder durch die Luft, bis sie – einfüßig und auf Spitze – auf seiner Schulter steht.

Dann wird die Bühne zu klein – in schwindelnder Höhe auf sechs Stühlen turnt eine Artistin – obschon sie angeseilt ist, stockt dem Publikum der Atem. Dann schwirren unzählige Tellerchen auf Stöcken. Das ganze Ensemble tollt noch einmal final über die Bühne.

Der Applaus ist überwältigend. „Zugabe?“, fragt der Direktor. „Ja“, ruft die Menge. Der Koffer wird erneut geholt und auch die starke Lilith aus der ersten Reihe, die kurzerhand – kaum merkt sie, wie ihr geschieht – zur Spitze einer Menschenpyramide wird. „Jetzt bin ich mit sieben Jahren schon berühmt“, gluckst die kleine Berlinerin hinterher glücklich. Nun, ein wenig muss sie noch üben, bis ihr so etwas gelingt wie dem absolut grandiosen Ensemble im Hongkong Hotel.

Von Regine Buddeke

Wer kein Auto hat, ist zumeist darauf angewiesen: den öffentlichen Personennahverkehr. Die Teilnehmer des 10. Betriebsausfluges von MAZ und REG ließen sich in der Neuruppiner Leitstelle der ORP hinter die Kulissen und direkt unter einen Bus führen.

30.04.2018

Der Konzern Total will seit Jahren bei Neuruppin einen Autohof mit Wasserstofftankstelle bauen. Das Projekt gibt es weiter, bestätigt Total jetzt. Es fehlen nur noch Genehmigungen.

29.04.2018

Nach langem Drängen baut Neuruppin für seine Feuerwehr in Treskow ein eigenes Trainingsgelände. Bis zu Herbst soll es fertig sein. Allerdings wird es deutlich teurer als erwartet

29.04.2018
Anzeige