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Neuruppin Der Paragraph 218 brachte das Aus
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20:00 31.01.2013
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Die Stapel mit den Unterlagen, die sie zu Hause durcharbeitet, sind deutlich kleiner als vor 20 Jahren. Damals war sie Abgeordnete im Bundestag, jetzt ist sie, obwohl sie das Rentenalter bereits erreicht hat, noch in der Stadtverordnetenversammlung. Der Politik blieb sie also all die Jahre treu. Aber angefangen hat das alles in der Wendezeit.

Damals war Rosemarie Priebus bei den Landwirten in der Wittstocker Gegend bekannt wie der berühmte bunte Hund, dabei nahm sie es durchaus mit ausgewachsenen Kühen auf und so manches Mal eckte sie auch bei anderen „hohen Tieren“ an. Die Tierärztin galt zu DDR-Zeiten als „aufmüpfig“. „Ich bin nach dem Massaker auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ im Juni 1989 aus der Bauernpartei ausgetreten“, erzählt sie. Kurz vor der ersten freien und ansonsten allerletzten Volkskammerwahl, die im März 1990 stattfand, wurden sie und ihr Ehemann Gerhard Priebus von der CDU angesprochen. Sie wollte aber nicht die eine Partei verlassen, um unmittelbar danach in die nächste einzutreten und dann noch zu kandidieren. Es war klar, dass die CDU gewinnen würde. Aber dann wurde ihr die Möglichkeit angeboten, auch ohne Parteibuch für die Volkskammerwahl anzutreten. Sie sagte schließlich zu und kam auf Anhieb in das letzte frei gewählte Parlament der DDR, das nur noch bis zur Wiedervereinigung am Oktober 1990 existierte. Vor der ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember des selben Jahres – inzwischen hatte sie sich dann zu einer Mitgliedschaft in der CDU entschlossen – gehörte die Wittstockerin zur Gruppe jener ehemaligen Volkskammer-Abgeordneten, die auch noch im 11. Bundestag einen Sitz erhielten. Und dann wurde sie mit Direktmandat des Wahlkreises Neuruppin-Kyritz-Wittstock-Pritzwalk-Perleberg für vier Jahre in den 12. Bundestag (1990 bis 1994) gewählt.

Spätestens seit Sommer 1992 wusste sie, dass es bei dieser einen Wahlperiode bleiben würde. Der Paragraph 218, das ist der berühmte Abtreibungsparagaph, hat ihr das „politische Genick“ gebrochen. Sie stimmte gegen die Mehrheit in ihrer eigenen Fraktion für eine Fristenregelung, nach der unter bestimmten Bedingungen die Abtreibung bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei bleibt. Ihre Begründung damals: „Nur die Frau allein kann die Entscheidung treffen, ob sie ein Kind auf die Welt bringt.“ Und sie sagt noch heute: „Ich konnte doch nicht gegen mein Gewissen stimmen.“

Als dann die Listenplätze für den 13. Bundestag vergeben wurden, fand sie sich ziemlich weit hinten wieder. Das war ihr Aus im Bundestag, denn 1994 standen die Zeichen zugunsten der SPD – jedenfalls im Land Brandenburg und im hiesigen Wahlkreis.

Da die Tierärzte zu DDR-Zeiten Angestellte des Rates des Kreises waren und ihr Arbeitsverhältnis während ihrer Abgeordnetentätigkeit geruht hatte, war ihr der Arbeitsplatz in der Kreisverwaltung sicher und sie nahm nach ihrer Zeit im Bundestag im Veterinäramt in Neuruppin eine Tätigkeit auf. Die Viehbestände, die sich in den ersten Jahren nach der Wende nahezu halbiert hatten, waren längst unter den anderen Tierärzten aufgeteilt. Für eine weitere praktizierende Tierärztin hätte es in der Wittstocker Region auch gar keine Arbeit mehr gegeben.

Bis 2004 arbeitete Rosemarie Priebus in der Kreisverwaltung, dann ging sie in den „Unruhestand“, denn anders kann man ihren jetzigen Status wohl nicht beschreiben. Sie ist aktiv wie eh und je.

Seit mehreren Wahlperioden gehört sie der Wittstocker Stadtverordnetenversammlung an. „Das Schöne hier in Wittstock ist, dass wir wirklich ohne Gezänk und böse Auseinandersetzungen an Sachfragen arbeiten können und dass hier nicht danach geschaut wird, wer welches Parteibuch hat“, lobt sie ihre Mitstreiter in den Ausschüssen und den anderen Fraktionen.

Ansonsten hilft sie ihrem Mann Gerhard Priebus, der ebenfalls Tierarzt ist, beim Bürokram in dessen Praxis. Das große Hobby der kurzzeitigen Berufspolitikerin ist es, außergewöhnliche Reisen zu organisieren.

Auch wenn das Ehepaar zuweilen die typischen Urlaubsregionen ansteuert, hat Rosemarie Priebus eher eine Vorliebe fürs Ungewöhnliche. Kamtschatka zum Beispiel, viel weiter weg in Richtung Osten geht’s kaum, dahinter kommt schon Alaska. Oder eine Flussfahrt auf einem Lastkahn auf der Mosel und dem Rhein. Oder per Fahrrad die 500 Kilometer von Hamburg nach Bad Schandau immer an der Elbe entlang.

Der Tipp von Rosemarie und Gerhard Priebus an Nachahmer: Bloß nicht elbabwärts fahren, da hat man immer den Wind von vorne. (Von Uta Köhn)

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