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Neuruppin Die Kyritz-Ruppiner Heide wird nach Streubomben abgesucht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Die Kyritz-Ruppiner Heide wird nach Streubomben abgesucht
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01:15 18.02.2019
Eine der Sonden neben zwei kleinen Kugelbomben (oben) in der Kyritz-Ruppiner Heide Quelle: Archiv Bundesforst / Bearbeitung: MAZ
Neuruppin

Es ist eine gefährliche und eine äußerst mühselige Arbeit: Damit die Kyritz-Ruppiner Heide zwischen Wittstock, Rheinsberg, Neuruppin und Kyritz endlich frei von sogenannten Streuwaffen wird, muss eine ausgemachte Verdachtsfläche von 1100 Hektar von geschulten Kräften Meter für Meter mit speziellen Sonden abgesucht werden. Rund 100 sind derzeit in der Heide im Einsatz, 120 sollen es werden, sagt Rainer Entrup vom Bundesforst.

Entrup hat Erfahrung mit den Vorgängen. Der Förster kümmert sich mit seinen Kollegen seit dem Abzug der Bundeswehr im Jahr 2011 im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) um die rund 12.000 Hektar große Kyritz-Ruppiner Heide.

Um die Verdachtsfläche abschnittsweise mit den Sonden absuchen zu können, muss das Areal möglichst frei von Bewuchs sein. Deshalb wird jedes Jahr ein Teil der Verdachtsfläche gezielt in Brand gesetzt, um diese ein Jahr später unter die Lupe nehmen zu können. Die Sonden müssen dabei flach über den Boden geführt werden. Nur so lassen sich – je nach eingestellter Signalstärke – bis zu einer Tiefe von 30 oder 50 Zentimetern in der Erde liegende Bomben, Granaten und Minen aufspüren.

Die Bima lässt jedes Jahr in der Heide Feuer legen, um Streuwaffen zu finden. Quelle: Bima/BF Westbrandenburg

Das Problem dabei: Die Sonden geben auch bei Schrott oder einem erhöhten Erzanteil im Boden ein Signal. „Der Störkörper muss dann ausgegraben werden“, sagt Entrup. Erst dann ist klar, ob es sich bei dem „Störkörper“ um einen alten Helm oder um eine Kugelbombe handelt. Letztere sind zwar nur so groß wie ein Tennisball, aber der tödliche Radius liegt bei knapp 100 Metern.

Denn jede Kugelbombe enthält gut 100 Stahlkugeln sowie 100 Gramm Sprengstoff. Wegen dieser Gefahr wird die zuvor eingegrenzte Verdachtsfläche in Zweier-Teams abgesucht, die von einem Experten angeleitet werden. Aus Sicherheitsgründen darf der Fachmann (Truppführer) nur eine begrenzte Anzahl vom Bombensuchern betreuen, nämlich zehn so genannte Räumarbeiter.

Eigentlich drängt die Zeit: Denn Deutschland ist der sogenannten Osla-Konvention beigetreten. Deren Mitglieder hatten sich 2010 darauf geeinigt, dass es in ihren Ländern bis zum Jahr 2020 keine gefährlichen Streuwaffen wie Kugelbomben geben wird. Mehr als 100 Staaten haben sich darauf verständigt.

Zudem wird durch das Feuer die Heide verjüngt. Quelle: Bima/BF Westbrandenburg

Doch es ist ungewiss, ob Deutschland es schaffen wird, bis zum nächsten Jahr wirklich die gesamte Verdachtsfläche in der Kyritz-Ruppiner Heide auf Streuwaffen abzusuchen. Denn bis zum Jahresbeginn konnte erst für zehn Prozent der Fläche Entwarnung gegeben werden – auch weil die Bima nicht genügend Fachleute für die gefährliche Aufgabe findet. „Der Markt ist leer gefegt“, so Entrup.

Derzeit ist die Bima dabei, die Flächen für das Abbrennen in den nächsten Wochen vorzubereiten. Zusätzlich geht es dabei auch um ein Areal, das die Sielmann-Stiftung in der Heide betreut. Denn die Stiftung will weite Teile der Heide erhalten. Doch das geht nur, wenn der Mensch regelmäßig Feuer legt. Sonst wächst die Heide zu und wird Wald. Um das zu verhindern, wird jedes Jahr neben der Verdachtsfläche auch ein Teil Heide „geflämmt“.

Beim Brennen ist auf Tier- und Brandschutz zu achten

Dabei müssen die Experten auf ganz andere Reglementierungen achten. Schließlich sollen durch das Brennen keine Vögel, die am Brüten, aus der Heide vertrieben werden. Deshalb darf nur bis Ende März „geflämmt“ werden. Außerdem sollen sich die Feuer nicht einfach ausbreiten dürfen – schon weil die Feuerwehr wegen der Gefahr durch Blindgänger nicht aufs Gelände darf. „Das Feuer muss von allein ausgehen“, sagt Entrup.

Damit das nicht nur ein frommer Wunsch ist, hat die Bundesforst rings um die Heide einen Brandschutzstreifen angelegt. „Eine gute Vorbereitung ist alles“, betont Entrup. Der Bundesförster hofft, dass in den nächsten Tagen das „richtige Wetter“ herrscht, damit die im Vorjahr vorbereiteten Flächen jetzt auch wie geplant in Brand gesetzt werden können. Ideal wäre, so Entrup, zehn Tage kein Regen, recht kalte, klare Luft und wenig Wind.

Von Andreas Vogel

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