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Neuruppin Dietmar Wischmeyer mit der Vorspeise zum Jüngsten Gericht im Stadtgarten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Dietmar Wischmeyer mit der Vorspeise zum Jüngsten Gericht im Stadtgarten
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14:14 04.11.2018
Herr Deutschmann am Spießbürger-Gartenzaun ist nur einer der Charaktere, die Dietmar Wischmeyer im Stadtgarten ausreizte. Quelle: Foto: Buddeke
Neuruppin

„Ergötzt euch am Splitter in eures Nachbarn Auge und vergesst den Balken in eurem eigenen“, donnert Dietmar Wischmeyer und legt schon mal das Motto des Abends vor. „Vorspeise zum jüngsten Gericht“ heißt es und – ja – es wird noch schlimmer als nur ein Gruß aus der Küche. Was der bekannte Comedian in seinem zweistündigen Pointentrommelfeuer zelebriert, ist weit mehr als nur Vorspeise. Das Gericht ist eher ein opulentes Vier-Gang-Menü.

Dietmar Wischmeyer ist ein Autor, Kolumnist und Satiriker

Kein Wunder, dass auch an diesem Freitagabend – Wischmeyer ist nicht zum ersten Mal im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten zu Gast – kein Platz leer bleibt. Mehr als 600 Fans hängen an den Lippen des Meisters, die dieser zwar kaum verzieht, jedoch auch in aller Trockenheit vermag alle Fifty Shades of Ironie, Sarkasmus, bitterbösem Zynismus und rasiermesserscharfem Humor herauszuspeien, dass es eine Lust ist. Nicht selten schrappt er haarscharf an die Grenzen der politischen Korrektheit.

Etwa wenn es um die nicht mehr ganz taufrischen Frauen geht, die in Jamaica ganz andere Dinge suchen, als eine schwarz-gelb-grüne Koalition. Wobei: Um Koalition geht es in gewisser Weise schon – als Pendant zu ihren gleichaltrigen Artgenossen, die sich „was nettes für untenrum“ in Thailand gönnen. Frau, Mann – ihr Fett kriegen sie bei Wischmeyer alle weg.

Er ist bekannt aus Funk und Fernsehen

Genüsslich warm macht sich der bekannte Kabarettist mit Politik. Er lästert über die Wulffs, ätzt über Mega-Mutti-Merkel, die sich für ihr Tagwerk mit Stacheldraht-Marmelade und Rotweinessig dopt, um fürs Schlachtefest im Kabinett fit zu sein. Er donnert über Söder, schwingt die Keule über Lindner und lässt eine lyrisch-süffige Schilderung des wilden Friedrich folgen, der ja jetzt in aller Munde sei.

Köstlich, wie er Merz auf dem mörderischen Zweiradaggregat – einer Einzylinder-Zündapp – durch den Wahlkreis brausen lässt, um als CDU-Desperado alte Merkel-Plakate mit Hitlerbärtchen zu verschandeln. „Zu brutalen Metalklängen der Les-Humphrie-Singers der Ost-Schlampe mal was in die Visage zu würgen.“ Wischmeyer überzieht gnadenlos – er bellt und verbeißt sich in der SPD.

Mit dem kleinen Tierfreund wurde er berühmt

Das jüngste Gericht – ist es das Ende der Groko? Krampi nur ein Ablenkmanöver von Supermutti? Krrrramp-Karrrenbauer, donnert Wischmeyer. Ein Name, wie die Briten ihn gern in ihren Filmen für die bösen Nazi-Deutschen verwenden.

Wischmeyer zieht vom Leder, dass es eine Lust ist. Er wärmt die vergessenen Aufreger auf: Glyphosat, Wölfe, die afrikanische Schweinepest. „Aus Polen – warum kommt die nicht wie alle anderen übers Mittelmeer?“ Er nennt Seehofer den selbst ernannten Abschiebeminister, brandmarkt die Idee, Guttenberg zum Wissenschaftsminister zu machen, als härteste Eingliederungsmaßnahme seit Jesu Geburt. Womöglich hat der Mann nicht nur seine Doktorarbeit sondern auch seinen Geburtsurkunde gefälscht.

In Neuruppin gastierte er nicht zum ersten mal

Das Publikum kringelt sich immer wieder vor Lachen auf den Stühlen, wenn Wischmeyer in seine Paraderollen schlüpft, die er in allen Stimmen, Zungenschlägen und Dialekten bis ins i-Tüpfelchen auswalzt: Den „kleinen Tierfreund“ blubbert er genüsslich, stülpt mühevoll die Konsonanten aus sich heraus wie ein Stotterer beim Logopäden.

Er gibt den prölligen Treckerfahrer Günther, den biestigen Spießer Willi Deutschmann und den abgefackten Weiberheld Big Mike. Wo er hinlangt, wächst kein Gras mehr. Bis zum Ekel walzt er Campingplatz-Romantik aus. Seine Fans sind hart im Nehmen. Wischmeyer auch.

Von Regine Buddeke

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