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Neuruppin Drei Brüder der Tschetschenenfamilie vor Gericht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Drei Brüder der Tschetschenenfamilie vor Gericht
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17:23 17.07.2018
Die tschetschenische Hochzeit auf dem Wittstocker Marktplatz lief aus dem Ruder – und ist nun ein Fall fürs Gericht. Quelle: Christian Bark
Neuruppin

Eine 68-jährige Rentnerin kam am 21. Oktober vorigen Jahres von einer Veranstaltung aus dem Wittstocker Rathaus, beschwingt von dem gerade Erlebten.

Da wurde sie Zeugin einer Prügelei auf dem Marktplatz. Ein alkoholisierter Mann störte eine muslimische Hochzeitsfeier. Als er den Tanzkreis partout nicht verlassen wollte, soll ihn der Bruder des Bräutigams mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

„Der Mann lag, betrunken wie er war, auf dem Boden und drei oder vier Leute traten auf ihn ein“, erinnerte sich die Rentnerin.

Zehn Straftaten sind angeklagt

Unter anderem wegen dieser Tat müssen sich seit gestern drei Brüder vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Ihnen werden zehn Straftaten in unterschiedlicher Beteiligung zur Last gelegt.

Die 18, 20 und 21 Jahre alten Mitglieder einer Tschetschenischen Familie schweigen. Allerdings zeigten sie sich teilweise während der Verhandlung sichtlich amüsiert.

Die Erinnerungen vieler Zeugen waren größtenteils lückenhaft.

Gleich zwei Mal hatten ein Onkel und sein Neffe 2016 in Kyritz mit den Brüdern zu tun. Angeklagt ist jedoch nur ein Vorfall vom 25. Juli 2016. „Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich bin zu Boden gegangen, mehr weiß ich nicht“, sagte der 19-jährige Zeuge.

Ohne Ankündigung kam es zur Prügelei

Ohne Ankündigung sei es zu einer Prügelei gekommen. Warum, konnte er nicht sagen.

Sicher war er sich, dass es die drei Angeklagten waren und Magomed M., der älteste, angefangen habe. Ein 44-Jähriger, der beherzt eingegriffen und sie getrennt hatte, sprach vor Gericht von zwei, die sich schlugen.

Bei der Polizei hatte er ausgesagt: „Es war ein Knäuel. Einer lag am Boden, einer saß auf ihm und schlug, zwei andere machten mit.“ Vor Gericht konnte er sich nur an zwei Personen erinnern.

Ebenso unergiebig gestalteten sich die Aussagen mehrerer Jugendliche, die am Bahnhof in Neustadt im Dezember 2016 in eine Prügelei mit den Angeklagten verwickelt gewesen sein sollen.

Dabei ging es um ein Mädchen, die Ex-Freundin eines 16-Jährigen und damalige Freundin von Magomed M.

„Dann habe ich eins auf die Fresse gekriegt“

Ausgemacht, so ein Zeuge, war ein Kampf zwischen den beiden. „Im Endeffekt waren es fünf gegen einen. Dann habe ich auch eins auf die Fresse gekriegt.“ Nämlich, nachdem er von dem Angeklagten aufgefordert worden war, den Mund zu halten.

Was er sinngemäß mit den Worten „in meinem Vaterland lasse ich mir nicht den Mund verbieten“ beantwortete. Das spätere Opfer erinnerte sich an einen Schlag, dann an eine Prügelei, in deren Verlauf er zu Boden ging. Dann seien mehrere auf ihn losgegangen.

Der 16-Jährige erlitt einen Nasenbeinbruch, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Unterkieferprellung. Er musste zwei Tage im Krankenhaus bleiben. „Wer mich geschlagen und getreten hat, weiß ich nicht. Ich war bewusstlos.“

Zeugen haben Erinnerungslücken

Auch die anderen Zeugen beriefen sich auf Erinnerungslücken.

Eindeutig Magomed M. zuordnen kann die Polizei mehrere Fahrten ohne Fahrerlaubnis. Der 21-Jährige fuhr in Kyritz, in Wittstock und in Neuruppin herum, wohl wissend, dass er nicht fahren durfte, so die Anklage. In Neuruppin geriet er in eine Verkehrskontrolle.

Das hinderte ihn offensichtlich nicht, sich wieder ans Steuer zu setzen. Bei einer Fahrt durch Kyritz beging er eine Unfallflucht, nachdem er in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und ein Verkehrsschild umgefahren hatte.

Zudem sollen die Brüder am 20. Dezember 2016 im Ruppiner Einkaufszentrum Turnschuhe gestohlen haben – 20 Minuten, nachdem sie bei der Polizei zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung vernommen worden waren.

Nach der Polizei direkt zum Ladendiebstahl

Dort wurden ihre Schuhe sicher gestellt. „Alle haben nagelneue Schuhe bekommen. Sie haben Gesichter gezogen, weil es keine Markenschuhe waren“, so der Polizeibeamte.

Einen Monat zuvor soll Magomed M. in Neuruppin in einem Linienbus Richtung Reiz mit einem Messer einen Sitz auf der Rückbank aufgeschlitzt haben.

Und dann die in Prügelei ausgeartete Hochzeitsfeier am 21. Oktober auf dem Wittstocker Marktplatz, bei der der ungebetene Gast Prellungen im Gesicht und eine blutende Nase davon getragen haben soll.

„Er gehörte nicht zu der Hochzeitsgesellschaft. Ihn wegzuschicken, war ja korrekt“, sagte die Rentnerin. Was dann folgte, hat sie erschüttert, dass mehrere auf einen am Boden liegenden Mann eintraten.

Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

Von Dagmar Simons

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