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Neuruppin Ein Kreuz aus Licht in der Herz-Jesu-Kirche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Ein Kreuz aus Licht in der Herz-Jesu-Kirche
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00:20 14.02.2019
Das Kreuz aus Licht, das der Künstler Ludger Hinse schuf, hängt zurzeit in der Herz-Jesu-Kirche. Quelle: Cornelia Felsch
Neuruppin

Ein Kreuz in der Kirche, das ist nichts Außergewöhnliches. Seit dem 4. Jahrhundert ist es das Zeichen des Christentums, das in vielfältigen Formen – aus Holz, ­Metall oder Marmor erscheint.

Farblos und transparent ist das Kreuz, das der Künstler Ludger ­Hinse geschaffen hat. Es hängt hoch über den Köpfen der Gläubigen – fast unsichtbar. Es wirkt schlicht und bescheiden, das Kreuz aus Plexiglas, das derzeit als temporäre Kunstinstallation in der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Neuruppin seinen Platz gefunden hat.

Das wechselnde Tageslicht sorgt für neue Farbspiele

Betrachtet man es jedoch genauer und aus unterschiedlichen Perspektiven, so entdeckt man immer neue Farbspiele – der Himmel, die Kirchenfenster und das Licht, das durch sie in den Raum dringt, spiegeln sich dort wider. Selbst der Betrachter, der unter dem Kreuz steht, ist Bestandteil des Kunstwerkes, das mit dem wechselnden Tageslicht immer neue Farbspiele hervor bringt.

Der Künstler Ludger Hinse (l.) im Gespräch mit dem Jesuiten-Pater Georg Maria Roers. Quelle: Cornelia Felsch

Für seine Kreuze verwendet der Recklinghausener Künstler ein Material, das sich Radiant nennt. „Leider hat die Herstellerfirma ihre Produktion vor fünf Jahren eingestellt und ich musste nun sehen, wo ich künftig neues Material herbekomme.“ Jetzt bezieht er den Rohstoff aus China.

Im vergangenen Jahr hing das Lichtkreuz bis zum April in der Berliner Hedwigskathedrale, dann wanderte es weiter zu verschiedenen Kirchen des Erzbistums Berlin. Bis zum 4. März ist es nun in der Neuruppiner Herz-Jesu-Kirche zu sehen.

Ein Künstlergespräch im Wichmannsaal

Am Sonntag lud die katholische Gemeinde in den Wichmannsaal zu einem Künstlergespräch ein, das der Jesuiten-Pater Georg Maria Roers mit Ludger Hinse führte. Als Mütter verschwundener Söhne in Santiago de Chile mit Kreuzen gegen die Militärjunta demonstrierten, begann der Recklinghausener sich mit Kreuzen zu beschäftigen. „Sie trugen einfache Holzkreuze. Das hat mich so tief bewegt, dass ich noch in der Nacht angefangen habe, Kreuze zu zeichnen“, erzählt Ludger Hinse. „Meine Freunde sagten damals, ,jetzt bist du verrückt geworden’.“

Seitdem wandern seine Kreuze durch die Kirchen. Die Menschen reagieren auf die modernen Kreuze recht unterschiedlich, denn temporäre Kunst in der Kirche, das ist nicht selbstverständlich. „Es gab Pfarrer, die mir mitteilten, dass sie unter diesem Kreuz nicht predigen können“, erzählt der Künstler.

Viele Künstler meiden heute die Gotteshäuser

Dabei ist es gerade Ludger Hinse, der mit seiner Kunst spannende religiöse Fragen aufwirft. „Revolutionär war es nicht, dass Christus am Kreuz gestorben ist, es ist wichtig, dass er wieder auferstanden ist. Deshalb sind Kreuze für mich Lebens- und Segenszeichen“, sagt er.

Kunst in der Kirche war in früheren Zeiten selbstverständlich, doch viele Künstler meiden heutzutage die Gotteshäuser. Fühlen sie sich eingeengt oder bevormundet? Sätze wie „Bist du jetzt in die klerikale Kunst abgerutscht?“ oder „Du kommst doch aber irgendwann zurück zur Kunst“ erfüllten Ludger Hinse damals mit Entsetzen.

Für ihn ist klar, dass er sich keineswegs vor den Menschen verantworten will, auch wenn sie ihn manchmal als katholischen Anarchist bezeichnen. „Der Einzige, vor dem ich mich verantworten muss, ist Gott“, sagt er. „Man muss als Künstler seinen eigenen Weg gehen, denn die Freiheit der Kunst ist universell und für mich umfassend.“

Die Kirche ist immer sonntags geöffnet

Auch wenn er mit seinen hellen, lichtdurchfluteten Kreuzen manchmal auf Widerspruch stößt, überwiegt die Begeisterung; so wie am Sonntag bei den 80 Besuchern der Matinee.

Vom 10. Februar bis 3. März ist die Herz-Jesu-Kirche sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Um 18 Uhr findet jeweils eine Vesper mit Weihrauch am Lichtkreuz statt.

Von Cornelia Felsch

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