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Ein Stück Heimat an der Wand

Iserlohner schenkt Linum Bilder der Malerin Albertine Mangelsdorf Ein Stück Heimat an der Wand

Die Görlitzer Haushälterin von Albertine Mangelsdorf sagte immer: „Malen Sie ma’, ich kümmere mich schon um alles.“ Die großzügigen Sätze könnten verwundern, zumal sie in den 1930er Jahren ausgesprochen worden sein sollen. Allerdings: Das Gehalt der Hauskraft hing direkt von den Einkünften der Künstlerin ab, denn sie wurde an deren Umsätzen beteiligt.

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Idyllische Bilder aus der Luchregion wie das Linumer Fischerhaus malte Albertine Mangelsdorf.

Quelle: Repro/MAZ

Linum. So ungewöhnlich wie diese Anekdote war Albertine Mangelsdorf wohl überhaupt. „Sie war ein Unikat – und in Linum bekannt wie ein bunter Hund“, erzählt Almut Dupont über die Malerin, die zu ihrer Familie gehörte und mehr als ihr halbes Leben in dem Luchdorf verbracht hatte. „Schön, dass wir jetzt einige Bilder mehr von ihr wieder hier haben.“ Uwe Kuhfahl, der früher ebenfalls in Linum gewohnt hatte, bevor er mit seiner Familie 1957 ins sauerländische Iserlohn auswanderte, schenkte der Gemeinde die Werke. „Weil sie nach Linum gehören“, sagt der 70-Jährige. „In welchen Dörfern gibt es schon solche Leute, die so malen können?“

Geboren wurde Albertine, damals noch Köster, Anfang des vorigen Jahrhunderts in Görlitz. Ihr Vater war ebenfalls Maler, seine Tochter lernte bei ihm – und stellte bald schon ihre Werke in Görlitz und sogar Amerika aus. In ihrer Heimatstadt arbeitete sie meistens in ihrem Dachgarten. Dann kam der Zweite Weltkrieg – und die persönliche Katastrophe der damals Überdreißigjährigen: die Untreue ihres Ehemannes. Da kam ihr die Liason mit dem Offizier Alwin Mangelsdorf aus Linum, der bei ihr einquartiert war, zupass. Die beiden heirateten noch im Krieg, die Tochter aus der guten Gesellschaft zog in das märkische Dorf – und malte weiter. „Meistens waren es Landschaften, aus dem Luch. Wunderschön“, schwärmt Almut Dupont, die Cousine von Alwin Mangelsdorf. Auch die Linumer Kirche, in der sie lange Zeit Organistin war und deren Fenster sie restauriert hatte, habe sie auf vielen Bildern verewigt. Einige davon schickte sie Familien, die nach dem Bau der Mauer ihre Heimat verlassen haben – darunter der Familie Kuhfahl in Iserlohn.

„Es war ein Stück Heimat, das dadurch bei uns zu Hause an der Wand hing“, erzählt Uwe Kuhfahl, der sich an die Malerin selbst nicht mehr erinnert. Heimatpflege betreibt der Iserlohner heute noch: Seit einem Klassentreffen in den 1990er Jahren, als er das erste Mal seit Jahrzehnten wieder in Linum war, schaut er in der Region öfter vorbei und tauscht sich gern mit Alt-Linumern über alte Zeiten aus. Er schenkte dem Dorf auch einen Abzug seines Einschulungsfotos von 1949, der nun in der früheren Schule hängt, in der heute das Landesumweltamt untergebracht ist. Er nehme Anteil an der Entwicklung des Dorfes, die er insgesamt als positiv betrachtet, so der Buchbinder. Das Fischerhaus allerdings, an das er sich noch lebhaft erinnert und das auf einem der Mangelsdorf-Werke zu sehen ist, die nun das Gemeindezentrum schmücken sollen, gebe es so nicht mehr. „Es steht leer und die Teiche davor sind zugewuchert. Das ist schade“, sagt Uwe Kuhfahl, der das Fischerhaus-Bild zuvor jeden Tag betrachten konnte, da es in seinem Büro hing.

Auch Almut Dupont entsinnt sich des Fischermeisters Heise, bei dem sie immer Karpfen geholt hatte. „Da hatte das Haus noch einen Vorbau wie auf dem Bild“, sagt die 86-Jährige. „Das gibt es heute nicht mehr, genauso wenig wie Fische in den Teichen. Leider. Schön aber, dass wir uns durch das Bild jetzt wieder an die alten Zeiten erinnern können.“

Gestorben ist Albertine Mangelsdorf in den 1980er Jahren. Einige ihrer Werke dürften aber noch bei den Linumern an der Wand hängen – ob in dem Dorf selbst, in Iserlohn oder anderswo. „Ich habe auch welche“, sagt Almut Dupont. „Und ich liebe sie, denn man merkt, dass da Kunst drinsteckt.“

Von Celina Aniol

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