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Ein alter Hase als Trendsetter

Seit fast 20 Jahren engagiert sich Bert Krsynowski für Neuruppiner Azubis – nun wurde er ausgezeichnet Ein alter Hase als Trendsetter

Als Wohltäter will Bert Krsynowski nicht dastehen, für ihn geht es ums Geschäft. Seit nunmehr 20 Jahren engagiert sich der Neuruppiner Gastronom für Azubis in der Region.

NEURUPPIN. . Gestern wurde er vom Jobcenter als „Trendsetter“ ausgezeichnet.

„Viel Geld ist als Auszubildender im Gastgewerbe nunmal nicht zu holen“, sagt der Geschäftsführer des Alt Ruppiner Hotels „Am Alten Rhin“. Daher müsse man die jungen Leute anders locken. Zum Beispiel mit der Möglichkeit, für eine Weile ins Ausland zu gehen.

Schon seit Jahren organisiert der gelernte Koch und studierte Ökonom für Lehrlinge Praktikumsplätze im Ausland: früher vor allem in Frankreich, seit 2009 auch in Schweden und Italien. Aber nicht nur seine eigenen Lehrlinge profitieren von dem Einsatz: Über die Jahre hat Krsynowski eine Art Ausbildungs-Netzwerk aufgebaut. Eine gute Hand voll Gastronomiebetriebe in Neuruppin gehört dazu.

Seine Partnerunternehmen – Cafés, Pensionen und Restaurants – sind teilweise so klein, dass sie ihren Lehrlingen gar nicht alles beibringen können: „In einer Herberge wird man kaum lernen, wie man ein festliches Dinner auf die Beine stellt“, sagt Bert Krsynowski. „Unser Netzwerk bietet den Azubis die Möglichkeit, auch andere Betriebe kennenzulernen.“

Mittlerweile steht aber die Vermittlung von Auslandspraktika für die angehenden Köche, Hoteliers oder Fleischer im Vordergrund. Vieles läuft dabei über die Industrie- und Handelskammer (IHK): „Die Angebote gibt es ja alle, aber es ist immer ein bürokratischer Aufwand, den vor allem die kleinen Betriebe scheuen“, sagt Bert Krsynowski.

Dass die Azubis ihren Horizont erweitern können, ist für ihn ein schöner Nebeneffekt. Aber sein Motiv ist rein geschäftlich: „Ich habe teilweise monatelang keine Bewerbungen auf dem Schreibtisch gehabt. Wenn man den Leuten nichts bieten kann, kommen sie halt nicht.“

Für seine Nachwuchspolitik ist Bert Krsynowski nun ausgezeichnet worden. Fehlende Fachkräfte und immer weniger junge Leute: Vor diesem Hintergrund sei sein Engagement wegweisend, sagte gestern Cornelie Schlegel, die Chefin der Neuruppiner Arbeitsagentur.

Über die Jahre dürften es Hunderte von Schülern und Azubis gewesen seien, die Bert Krsynowski ins Ausland vermittelt hat. Nun will er dort selbst gezielt nach jungen Fachkräften suchen.

Im vergangenen Jahr war er in Polen unterwegs, um an Berufsschulen für eine Ausbildung in Neuruppin zu werben. Ohne Erfolg: „Die haben selbst keine jungen Leute mehr, die sind alle schon in andere EU-Länder abgewandert, die ihre Grenzen früher geöffnet hatten.“ Nun hofft Krsynowski auf Spanien und andere krisengebeutelte Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Die zentrale Ausbildungsstelle in Berlin soll ihm zwei Bewerber vermitteln.

Eine junge Amerikanerin ist schon an Bord. Seit Juni lernt Evelyn Wing in der Hotelküche des „Alten Rhin“n. Eigentlich wollte die 25-Jährige aus Kalifornien Ärztin werden. Nach einem Italienbesuch packte sie der Wunsch, Köchin zu werden. Über private Kontakte fand sie ihren Weg nach Neuruppin. (Von Martin Küper)

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