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Neuruppin Ein neuer Trabi für die Störche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Ein neuer Trabi für die Störche
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00:38 20.05.2018
Vor Jahren war das Trabidach bei Störchen beliebt. Kevin Schönberg (l.) und Daniel Jankowska hoffen, dass die Vögel nach dem Autotausch des Autos bald wiederkommen. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Matthias Rogge will sich nichts entgehen lassen. Akribisch filmt er jede Szene mit dem Handy: wie der alte Trabi am Kranhaken hängt, wie er vorsichtig von seinem Sockel auf dem Strommast gehoben wird, wie der neue Trabbi angehoben wird, wie Daniel Jankowska und Kevin Schönberg ihn auf dem Strommast ausrichten.

Kein anderes Bild hat Neuruppin weltweit bekannter gemacht als der Storchentrabi an der alten Mühle bei Bechlin. Weltweit wurde das Motiv verbreitet: Zeitungen in Kanada, Japan, Australien haben es gedruckt, hunderte Touristen haben spontan an der B 167 angehalten, weil sie unbedingt dieses eine Foto wollten.

Es ist aber auch zu skurril: Ein Storchennest auf dem Dach eines alten Trabant, der auf einem alten Metallmast mitten in einem Feld steht. Die Idee dazu hatte Artur Jänsch Ende der 90er Jahre. Jänschs gehörte die alte Mühle in Bechlin damals. Matthias Rogge kann sich noch daran erinnern, wie sein Onkel Artur 1998 den Trabant dort aufgebaut hat, wie die ersten Störche dorthin kamen und wie die Besucher scharenweise anhielten für einen Schnappschuss. „Bei solchen Sachen war Artur genial“, sagt Rogge.

Der alte Mühlenbesitzer lebt schon eine ganze Weile nicht mehr. Seine Frau Erika hat so lange wie möglich versucht, Haus und Hof in Schuss zu halten. 2015 haben sich Daniel Jankowska und Kevin Schönberg dann einen Traum erfüllt und die ehemalige Mühle von Bechlin gekauft. Samt Storchentrabi.

Vor zwanzig Jahren hat Müller Artur Jänsch in Bechlin bei Neuruppin sein in aller Welt berühmt gewordenes Trabant-Storchennest auf einen alten Stahlgittermasten gehievt. Das war jedoch in die Jahre gekommen. Daniel Jankowska und Kevin Schönberg restaurieren die alte Mühle und haben jetzt einen neuen, alten Trabi auf den Mast gestellt. Jetzt müssen sich nur noch die Störche ins gemachte Nest setzen.

Im mühevoller Arbeit haben sie im Inneren der Mühle nach und nach Ordnung geschaffen. Am Mühlentag 2017 hatten die Bechliner zum ersten Mal seit langem wieder die Tore für jedermann geöffnet. Auch in diesem Jahr wollen sie sich Pfingstmontag am Deutschen Mühlentag beteiligen. Rechtzeitig vorher haben sie jetzt noch das Wahrzeichen ihres Hofes erneuert.

Nur eine halbe Stunde hat es am Donnerstag gedauert, dann war der alte, völlig vergammelte Trabi samt Dachgepäckträger und Storchennest ausgetauscht. Was so einfach wirkte, bedurfte monatelanger Vorbereitung. Dass der alte Trabi nicht bleiben kann, war den beiden Mühlenbesitzern eigentlich von Anfang an klar. Das aufgebockte Gefährt schien nach 20 Jahren in luftiger Höhe fast auseinanderzufallen.

Ein neuer alter Trabant in Atlasweiß

Einen anderen hatte sie schon 2017 besorgt. „Den konnten wir von einem älteren Herren aus Panketal günstig bekommen“, sagt Daniel Jankowska. Über ein Kleinanzeigenportal im Internet war der Vorbesitzer auf die beiden aufmerksam geworden. Sein Trabi hatte sogar die passende Farbe: Atlasweiß, wie der erste Trabi auf dem Mast.

Richtig toll sah der potenzielle Nachfolger allerdings auch nicht aus. Also haben die beiden ihn noch einmal neu angestrichen. „Die Farbe gibt es heute wieder zu kaufen“, sagt Jankowska.

Den alten Dachgepäckträger, auf dem einst das Nest der Störche montiert war, wollten die beiden eigentlich behalten. Aber auch er war völlig marode. Per Facebook-Aufruf haben sie ganz schnell noch einen neuen gesucht; der kam ganz aus der Nähe, aus Wildberg. Die Firma Gema aus Neuruppin fand die Idee so gut, das sie sich spontan bereit erklärt hat, mit einem Kran beim Trabiwechsel zu helfen.

Das neue Nest ist etwas größer als das alte

Schönberg und Jankowska haben sich bei Nabu erkundigt, worauf es beim Bau einer Nisthilfe für Störche ankommt. Der vorbereitete neue Horst ist deshalb auch ein bisschen größer als der alte.

Der war schon seit einigen Jahren verwaist. „Es waren zwar jedes Jahr Störche da“, sagt Jankowska. „Aber die haben immer nur etwas vom alten Horst weggeholt.“ So richtig wollte sich zuletzt keiner mehr auf dem halbmorschen Trabidach niederlassen.

Die beiden Horstsanierer haben sich bei der früheren Mühlenbesitzerin Erika Jänsch erkundig, woran das liegen könnte.Vielleicht am Futterangebot? Früher wurden auf den Feldern rundherum verschiedene Dinge angebaut, seit einigen Jahren gibt es nur noch Getreidemonokultur.

Kamen die ersten Störche wirklich freiwillig?

Ganz freiwillig sind auch die ersten Störche vor 20 Jahren nicht gekommen, sagt Matthias Rogge. Sein Onkel hatte sich Jungvögel wohl aus einem anderen Horst in der Nähe besorgt und neben den Mühle angesiedelt, erinnert er sich. Daniel Jankowska und Kevin Schönberg hoffen, dass im nächsten Jahr neue Adebare kommen, allein weil die Wohnung jetzt renoviert ist.

Zum Mühlentag am Pfingstmontag, 21. Mai, ist die Mühle in Bechlin von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Reyk Grunow

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