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Daumen runter für Bewegungsmuffel

Ex-Vizekanzler Franz Müntefering war Gastredner beim Pflegefachtag in Rheinsberg Daumen runter für Bewegungsmuffel

Die hohe Stufe zur Bühne ist für ihn ein Klacks. Franz Müntefering macht einen großen Schritt, schon steht er am Mikrofon. „Der Mensch braucht Aktivität“, sagt der einstige Vize-Kanzler. Er war am Dienstag Gastredner beim Pflegefachtag in Rheinsberg. Und der 74-Jährige, der seit einem Jahr Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) ist, hatte einiges zu sagen.

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Franz Müntefering (r.) im Gespräch mit Dietrich Werner, dem langjährigen Chef des ASB in Neuruppin.

Quelle: Andreas Vogel

Rheinsberg. „Die Bewegung der Beine ernährt das Gehirn, und ein ernährtes Gehirn bleibt länger fit“, so der ehemalige Bundessozialminister. Der Sauerländer spricht von einer „Bewegungsverhinderungsgesellschaft“ und nennt dafür immer wieder Beispiele: Rolltreppen an den Bahnhöfen, die das Treppensteigen ersetzen; verschiedenste Rollatoren im Haushalt, damit man sich nicht mehr bücken und strecken muss. Forscher haben sogar schon ein Bett entwickelt, dass sich dem Körper so anpasst, dass man aufstehen kann, ohne sich dafür bewegen zu müssen. „Aber das ist zum Glück zu teuer“, sagt Müntefering. Er hält diese Entwicklung für die meisten der immer älter werdenden Leute für falsch. „Der Körper ist darauf ausgelegt, dass er sich bewegt.“ Müntefering plädiert dafür, gemeinsam mit anderen zu wandern, zu schwimmen oder Rad zu fahren. „Das schafft soziale Kontakte“ – und es hält die Menschen länger fit.

„Bewegung und Mobilität verringern das Risiko, pflegebedürftig zu werden“, sagt auch Michael Ranft. Der Abteilungsleiter im Sozialministerium vertritt in Rheinsberg Minister Günter Baaske (SPD), den Schirmherrn des Pflegefachtages, der vom ASB, von der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe Neuruppin (Agus) und der Medizinischen Bildungsakademie Neuruppin (MBN) organisiert wurde. Ranft weiß, dass das Land vor großen Herausforderungen steht: Bis zum Jahr 2030 werden etwa 250.000 Menschen weniger in Brandenburg leben. Die Zahl der über 80-Jährigen steigt indes von 115.000 auf 250.000, während es in der Mark 2030 wohl 30 Prozent weniger Erwerbstätige als jetzt geben wird. Wer also soll die vielen Pflegebedürftigen betreuen? „Wir müssen pflegende Angehörige besser unterstützen, die Fachkräfte im Land halten, sie besser ausbilden und bezahlen“, sagt Ranft. Derzeit laufen Gespräche zu einem allgemein verbindlichen Tarifvertrag in der Pflege. Hinzu kommt, dass das Gros der Pfleger eine Teilzeitbeschäftigung hat. Die Vollzeitquote liegt laut Ranft nur bei gut 30 Prozent.

Auch Angelika Zegelin (62), Pflegewissenschaftlerin von der Uni Witten-Herdecke (Nordrhein-Westfalen), hält Bewegung für die beste Therapie, um nicht so schnell pflegebedürftig zu werden. Zegelin glaubt, dass Ärzte und Pflegeheime viel zu oft und viel zu schnell Bettruhe verordnen. Dabei habe das Liegen schon nach 24 Stunden „dramatische“ Auswirkungen. Das hat Zegelin bei Studien für die US-Raumfahrtbehörde NASA herausgefunden. Die Weltraumorganisation wollte wissen, wie sich die Schwerelosigkeit auswirkt: Die Muskulatur zieht sich zurück. Bei der Bettruhe kommen Gelenk-, Herz- und psychische Veränderungen hinzu. „Die Leute sind traurig, weil sie abhängig von anderen sind“, sagt Zegelin. Sie setzt deshalb wie Müntefering auf die Heilkraft der Bewegung.

Von Andreas Vogel

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