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Neuruppin Nach jedem Einbruch beim Opfer entschuldigt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Nach jedem Einbruch beim Opfer entschuldigt
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15:56 08.10.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Neuruppin

Es gibt etliche, die schon so ihre Erfahrungen mit dem Angeklagten gemacht haben. Seine Mutter, seine Schwester, ein ehemaliger Schulkamerad, Freundinnen: Alle haben mit dem 31-Jährigen aus Fehrbellin Vorfälle erlebt, die ihn schließlich vor Gericht brachten.

Derzeit muss sich der gelernte Servicetechniker vor dem Landgericht Neuruppin unter anderem wegen räuberischen Diebstahls und Bedrohung verantworten.

Laut Anklage soll der Angeklagte wegen einer psychischen Erkrankung im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit gehandelt haben. Deshalb hat das Gericht seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zu prüfen. Zurzeit lebt er in einer psychiatrischen Einrichtung.

Ohne Drogen ist der „der liebste Junge“

Drogen und Alkohol – darauf führte seine Mutter seine Probleme zurück. „Ohne Drogen ist er der liebste Junge“, sagte sie am ersten Verhandlungstag. Die Auseinandersetzungen zwischen ihr und dem Sohn gingen so weit, dass sie die Polizei rief. Der ist sie, wie sie sagte, heute noch dankbar. Denn „Wenn er zugekifft war, hat er auch zugeschlagen. Wenn er dann zur Besinnung kommt, weint er“, sagte sie.

Dass der Angeklagte später bereut, was er getan hat, diese Erfahrung haben auch andere gemacht. Seine Schwester und sein Schwager kamen im Januar vergangenen Jahres nach Hause und stellten fest, dass bei ihnen eingebrochen worden war. Der Möbeltresor mit 10 000 Euro Geld, Schmuck und ein altes Handy waren weg. Vom Einbrecher keine Spur, Drei Wochen später kam der Angeklagte und brachte reumütig das Diebesgut zurück.

„Das habe ich ihm hoch angerechnet“, sagte der Schwager, ein 48-jähriger Unternehmer. Der Angeklagte habe ihm gesagt, er habe ein schlechtes Gewissen und es tue ihm Leid, so der 48-Jährige.

Die eigene Schwester findet ihn „crazy“

Seine Schwester wollte zu dem Vorfall nichts sagen, beschrieb ihren Bruder als „ein bisschen crazy“ aber er sei ein „Netter“. Ihr gegenüber sei er nie handgreiflich geworden, auch gegenüber der Mutter nicht, jedenfalls nicht in ihrem Beisein. Deutlich zutage kam aber, dass die Geschwister wohl ein eher problematisches Verhältnis zur Mutter haben.

Eine seiner ehemaligen Freundinnen leidet noch heute unter dem, was ihr der Angeklagte angetan hat. Im Oktober vorigen Jahres war er an einem Tag zwei Mal bei ihr eingebrochen, einmal war sie nicht zu Hause, einmal schlief sie bereits.

Dafür hat er sich bei ihr entschuldigt. Getan hat er ihr nichts, sie auch nicht bedroht. Aber seitdem hat sie Angst vor ihm, sagte die 28-Jährige vor Gericht. In ihrer Gegenwart habe er auch nie Drogen genommen. Sie habe es aber an seinen Augen gesehen und an seinem Verhalten gemerkt.

Sein ehemaliger Schulfreund, bei dem der Angeklagte für drei Monate untergekommen war, war auch nachhaltig traumatisiert. Er hatte die Sachen des Angeklagten einbehalten, weil dieser sich nicht wie abgesprochen an der Miete beteiligt hatte. Daraufhin war der Angeklagte mit Verstärkung angerückt und hatte eine weitere Gelegenheit genutzt, einzubrechen, als der Wohnungsinhaber im Krankenhaus lag.

Unter Alkohol eine Frau gewürgt und getreten

Dafür sitzt der Fehrbelliner derzeit auf der Anklagebank. Sein Vorstrafenregister weist etliche ähnliche Delikte auf. So hatte er in einer Diskothek in Walsleben einen Mann derart provoziert, dass es in eine Schlägerei ausartete. Dafür hatte er sich anschließend bei dem Opfer entschuldigt. Damals war er alkoholisiert.

Ebenfalls unter Alkohol kam es in Fehrbellin mit einer damaligen Freundin zu einer verhängnisvollen Auseinandersetzung, in deren Verlauf er die Frau würgte, sie mit der Faust mehrfach ins Gesicht schlug und ihr in den Bauch trat. Wie es in dem Urteil damals hieß, drückte der Angeklagte ihr anschließend sein Bedauern aus. Die Frau entwickelte durch dieses Geschehen eine posttraumatische Belastungsstörung. Morgen wird weiter verhandelt.

Dann soll die psychiatrische Sachverständige gehört werden.

Von Dagmar Simons

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