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Neuruppin Warum die Luft in Neuruppin so wenig Feinstaub enthält
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Warum die Luft in Neuruppin so wenig Feinstaub enthält
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14:15 15.01.2019
Feinstaub entsteht bei Verbrennungsprozessen, zum Beispiel bei Kraftfahrzeugen. Doch auch Industrie und Häuserbrände können die Feinstaubkonzentration in der Luft erhöhen. Quelle: Ina Fassbender/dpa
Neuruppin

Fast nirgendwo im Land Brandenburg ist im Jahr 2018 die Feinstaubbelastung so niedrig gewesen wie in Neuruppin. Das geht aus Daten des Landesamts für Umwelt (LfU) hervor, die Anfang Januar veröffentlicht wurden.

Sie zeigen, dass der Jahresmittelwert im vergangenen Jahr bei 18 Mikrogramm je Kubikmeter (µg/m³) gelegen hat. Es ist der zweitniedrigste Wert im gesamten Bundesland. Nur im Bad Belziger Ortsteil Lütte (Potsdam-Mittelmark) war die Feinstaubbelastung in 2018 mit 16 µg/m³ niedriger.

„Das freut uns und ist wohl auch ein Ergebnis unseres kombinierten Lärmminderungs- und Luftreinhalteplans“, sagt Jens-Peter Golde, Bürgermeister von Neuruppin. Verschleißarme Straßenbeläge, jede Menge Bäume und Grünanlagen sowie die verkehrsberuhigten und Tempo-30-Zonen in der Innenstadt mache er als Hauptfaktoren fest, warum die Luft in Neuruppin so feinstaubarm ist.

Feinstaubwerte in Neuruppin vier Mal überschritten

Doch auch dem früheren Stadtarchitekten Bernhard Brasch macht Bürgermeister Golde ein Kompliment: „Nach dem Stadtbrand von 1787 wurden Häuser und Straßen deutlich großzügiger angelegt, weiter und breiter gebaut, so dass die Luft gut zirkulieren kann“, sagt der 63-Jährige.

Trotz der im Vergleich mit anderen Standorten in Brandenburg geringen Feinstaubbelastung wurde der von der Europäischen Union seit Januar 2005 vorgeschriebene Tagesmittelwert von höchstens 50 µg/m³ vier Mal überschritten.

Am 10. Februar sowie am 4., 5., und 6. März hat die Messstation in der Gerhard-Hauptmann-Straße die höchsten Tagesmittelwerte für Neuruppin gemessen.

„Schadstoffbelastung in Neuruppin wirklich gering“

Insgesamt 35 Überschreitungen pro Jahr sind zulässig. Auch hier schneidet der Standort Lütte am besten ab: Dort hat es 2018 nur eine Überschreitung gegeben, während die Messstation in der Neuendorfer Straße in Brandenburg an der Havel an 22 Tagen erhöhte Feinstaubbelastungen gemessen hat.

Die Messstation in der Gerhard-Hauptmann-Straße in Neuruppin. Seit 1998 misst sie Stickstoffoxid-, Stickstoffmonoxid-, Stickstoffdioxid- und Ozonwerte. Seit 2001 wird auch die Feinstaubbelastung sowie seit 2017 die Feinststaubbelastung erfasst. Quelle: Peter Geisler

„Im Vergleich mit anderen deutschen Städten ist die Schadstoffbelastung in Neuruppin wirklich gering“, sagt Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Dennoch plädiere die DUH für maximal drei statt der bisherigen zulässigen 35 Überschreitungen pro Jahr und orientiert sich an den Maßgaben der Weltgesundheitsorganisation.

Südosten von Brandenburg besonders von Feinstaub belastet

„Die Feinstaubbelastung lässt sich nicht vermeiden. Es fehlen aber die rechtlichen Grundlagen, um sie weiter zu senken, zum Beispiel durch Partikelfilter an Fahrzeugen“, sagt DUH-Mitarbeiterin Saar.

Darum könne auch ein Reduzieren der Überschreitungstage eine Möglichkeit sein, die Belastung zu senken, die Luft sauberer zu machen.

Dabei fällt auf, dass die Luft im Nordwesten Brandenburgs durchschnittlich weniger feinstaubbelastet ist als der Südosten. Warum das so ist, kann Wiebke Theuer-Glamann vom Umweltamt Brandenburg erklären: „Südöstliche Windströme sorgen im Spätherbst und Winter an kalten Tagen dafür, dass mit Feinstaub vorbelastete Luft aus dem Südosten und Osten Europas bis in den Osten Brandenburgs transportiert wird und die örtliche Luft zusätzlich belasten.“

Feinstaub schadet der Gesundheit

Diese vorbelasteten Luftmassen würden dann auf die lokale Luft treffen, die durch Schadstoffe von Industrie, Straßenverkehr und sonstigen Verbrennungsprozessen für zeitweilig hohe Feinstaubbelastungen sorgen. „Davon ist der Nordwesten Brandenburgs nicht betroffen, der stärker maritim beeinflusst ist“, so Theuer-Glamann.

Neuesten Studien zufolge steht Feinstaub im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verursachen. An vielbefahrenen Straßen kann es dazu kommen, dass Feinstaubpartikel zusammen mit Stickoxiden und dem entsprechenden Lärm der Gesundheit schaden.

Partikel dringen bis in Lunge und Blutbahn vor

Bei Feinstaub handelt es sich um Partikel, die kleiner als ein Hundertstel Millimeter sind. Sie bestehen aus Staub, Chemikalien, Ruß oder auch Metallpartikeln, die Menschen einatmen.

Diese können bei einer Partikelgröße bis 2,5 Mikrometer bis in die Lungenflügel vordringen und sich dort festsetzen. Zu viel Feinstaub in der Lunge führt wiederum zu chronischen Entzündungen, die das Krebsrisiko erhöhen. Feinstaubpartikel, die kleiner als 0,1 Mikrometer sind, können auch ins Blut des Menschen gelangen und das Risiko für Ateriosklerose, Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Wie sich Feinstaub langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirkt, wird derzeit noch erforscht.

Anmerkung: Die Aussage „Es fehlen aber die rechtlichen Grundlagen, um sie weiter zu senken, zum Beispiel durch Partikelfilter an Fahrzeugen“ von Dorothee Saar (DUH) wollte ein aufmerksamer MAZ-Leser nicht so stehen lassen. Er verwies darauf, dass es durchaus bereits eine gesetzliche Grundlage bei Fahrzeugen gebe, die in der Rahmenrichtlinie 2007/46/EG festgeschrieben wurden.

Von Fabian Lamster

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