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Frachtverkehr auf der Schiene beleben

Montagsinterview mit Wirtschaftsförderer Dieter Herm Frachtverkehr auf der Schiene beleben

MAZ: In nichtöffentlicher Sitzung haben die Stadtverordneten über einen „Grundstücksflächenerwerb der ehemaligen Bahnlinie Wittstock-Mirow“ beraten.Dieter Herm: Die Bahnlinie befindet sich in privater Hand.

eten über einen „Grundstücksflächenerwerb der ehemaligen Bahnlinie Wittstock-Mirow“ beraten. Diese Linie ist doch verpachtet, welches Interesse hat die Stadt daran?

Dieter Herm: Die Bahnlinie befindet sich in privater Hand. Gleis und Schotterbett sind weitestgehend zurück gebaut. Die Bahnlinie ist jedoch nicht „entwidmet“, das heißt, sie kann für Bahnbetriebszwecke nach einer grundlegenden technischen Erneuerung, wieder in Betrieb genommen werden.

Das Unternehmen und der Bürgermeister haben daran gedacht, mit Unterstützung der Stadt und mit weiteren Investoren sowie mit Fördermitteln eine kombinierte Skater-/Radwegebahn bis Kuhlmühle zu bauen. Dieses Vorhaben ist bisher nicht finanziell untersetzt. Für die Eigentümer, die auch Eigentümer weiterer Bahnnetze sind, haben zurzeit andere Bahnstrecken für Frachtverkehr eine höhere Priorität.

Da die Bahntrasse nicht nur für Skaterbahn und Radweg interessant ist, sondern auch für andere Infrastrukturprojekte Platz bieten könnte, haben die Stadtverordneten den Bürgermeister und die Verwaltung bevollmächtigt und beauftragt, Kauf- oder Vertragsverhandlungen zu führen, um die Bahntrasse für öffentliche Interessen über einen mittel- bis langfristigen Zeitraum zu sichern.

Kann Wittstock seinen Güterbahnknoten wiederbeleben oder ist diese Infrastruktur bereits auf einem toten Gleis abgestellt?

Herm:Vieles ist auf einen Bahnbetrieb ohne Güterverkehr eingestellt. Beim Ausbau des Prignitzexpress konnten keine belastbaren Zahlen für einen Güterverkehrsbedarf auf der Schiene auf den Tisch gelegt werden. Darum wurden Gleise und Anlagen teilweise zurück gebaut. Die Flächen und viele Einrichtungen dienen ohne „Entwidmung“ trotz fehlender Nutzungen weiterhin dem Bahnbetrieb, so dass noch nicht alle Signale auf unumkehrbar gestellt sind. Aktuellen Umfragen zufolge würden unter den heutigen Bedingungen nur wenige Betriebe auf den Schienentransport umstellen.

Doch die Bedingungen ändern sich ständig. In der Initiative Hub 53/12, in der für die Kooperationsgemeinschaft die Stadt Pritzwalk die Interessen vertritt, arbeitet man angestrengt für eine Wiederbelebung des Frachtverkehrs auf der Schiene und versucht dafür Bypässe zum Personenverkehr von Nord (Rostock oder Wismar) nach Süd zu finden. Dafür müssen jedoch Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt werden. Der Ost-Westverkehr (hier Pritzwalk-Wittstock-Neuruppin und weiter) spielt dabei eine nachgeordnete Rolle, wird aber nicht vergessen. Gas, Schotter und Holz werden dem derzeitigen Bedarf entsprechend in Wittstock oder Heiligengrabe angeliefert oder umgeschlagen. Eine Einrichtung eines Anschlussgleises wäre bei Übernahme der Investitionskosten, so auf Nachfrage bei der Deutsche Bahn AG Cargo, auch heute noch zum Beispiel im Industriegebiet Fretzdorf möglich.

Die Stadtverwaltung und die Gebäude- und Wohnungsverwaltung Wittstock haben die beiden Bahnhofsgebäude und den Güterschuppen erworben. Macht jeder für sich damit „sein Ding“?

Herm: Der Ankauf von Güterschuppen und altem Bahnhofsgebäude durch die Stadt ist noch nicht abgeschlossen, weil sich die Vertragsgestaltung als sehr kompliziert erweist. Die Stadt und die GWV sind sich darüber einig, nur gemeinsam diese Projekte zu stemmen.

Als erste Stufe sollen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie Möglichkeiten geprüft werden, Gebäude und ihr Umfeld in den städtebaulichen Entwicklungsprozess einzubinden und wirtschaftlich sinnvoll wieder mit Leben zu erfüllen. Die Ausschreibung zur Interessensbekundung/Bewerbung der Firmen für diese Aufgabe läuft gerade und wird vom Bauamt begleitet. Die Ausrichtung eines Nutzungskonzeptes vor Untersuchung der technischen Voraussetzungen, einer überschlägigen Ermittlung des Investitionsbedarfs und vor der Abwägung vieler Ideen wäre die falsche Herangehensweise.

Spielt auch das stillgelegte kleine Bahnbetriebswerk in städtischen Konzepten eine Rolle für eine Übernahme und neue Verwendung oder sind mit den Bahnhofs-Übernahmen alle gemeinsamen Interessenlagen zur Bahn-Immobiliengesellschaft nun vollends ausgeschöpft?

Herm: Den angesprochenen Gebäudebestand von Güterschuppen, altem und neuen Bahnhofsgebäude sinnvoll zu nutzen, um dem sehenswerten und viel gelobten Stadtbild zu entsprechen, ist eine gewaltige und uns in den nächsten Jahren ganz umfänglich in Anspruch nehmende Aufgabe. Für eine Stadt wie Wittstock und seine Bürger, die in den zurückliegenden Jahren viel zum sehenswerten und anerkannt schönen Stadtbild geleistet haben, ist es wichtig, dem mit Zug und Bus (und auch mit dem Auto) Ankommenden ein ansprechendes „Eingangstor“ anzubieten. Nicht erst seit EUROPAN 11, einem europäischen Wettbewerb zur Gestaltung von Stadtbereichen, machen wir uns Gedanken zur Umgestaltung des Bahnhofsgeländes. Diesbezüglich wird das Bahnbetriebswerk auch ohne beabsichtigte Übernahme durch die Stadt weiterhin im Fokus städtebaulicher und konzeptioneller Maßnahmen stehen. Dass wir die Deutsche Bahn AG nicht dabei außen vor lassen, ist selbstverständlich.

Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse steht für den abgestimmten Auftritt der regionalen Wirtschaft und Kommunalpolitik. Konnten der Verein und die Kooperationsgemeinschaft inzwischen Infrastrukturverbesserungen bei der großen Politik für die Prignitz erreichen und welche sind zählbar?

Herm: Die Zeichen des demografischen Wandels früh erkennend erarbeiteten die Bürger und Verwaltungen der Kommunen Pritzwalk, Meyenburg, Heiligengrabe und Wittstock in Zusammenarbeit mit dem Verein Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse“ ein Konzept, wie wir die Zukunft in unserer Region gestalten wollen. Zu dem im Jahre 2009 erarbeiteten „Fahrplan“ fanden wir sowohl im eigenen Land als auch in der Bundespolitik Zustimmung und Aufmerksamkeit. Letztendlich resultiert daraus auch die Bewilligung von Fördermitteln über das KLS-Programm (Kleine Städte und Gemeinden) aus dem Bundesbauministerium.

Mit diesem Programm können wir zukunftssichernde Infrastrukturmaßnahmen für unsere Region anpacken. Beispiele für bereits begonnene Maßnahmen sind der Ausbau des Bahnhofes in Pritzwalk, wichtige Umbaumaßnahmen an der Kita und Schule in Meyenburg, der Ausbau der alten Tuchfabrik in Pritzwalk zum wichtigen regionalen Berufsausbildungszentrum und der Umbau des Eingangsbereiches der Wittstocker Schwimmhalle.

Die Machbarkeitsstudien für die städtebauliche Entwicklung des Bahnhofsareals und Teile der ehemaligen Tuchfabrik bilden die Grundlagen für zukünftige Investitionen, also Arbeit für Bau- und Nebengewerke, und Infrastrukturmaßnahmen, die der Region und der Stadt Wittstock zu Gute kommen sollen. Andere Maßnahmen sind in der Abstimmung oder finanziellen Untersetzung.

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