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Neuruppin Die Geschichte der Siechenhauskapelle in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Die Geschichte der Siechenhauskapelle in Neuruppin
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00:23 06.12.2018
Die Siechenhauskapelle in Neuruppin liegt in der Siechenstraße – zwischen Neuem Markt und Klosterkirche. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Diesmal: Die Siechenhauskapelle.

Die Neuruppiner Siechenhauskapelle ist eines der ältesten Bauwerke der Stadt. Die spätmittelalterliche Siechenhauskapelle Sankt Lazarus wurde 1491 erbaut, noch bevor Columbus Amerika entdeckte. Die Laurentiuskapelle, wie sie damals hieß, gehörte zum sogenannten Siechenhaus, das der Neuruppiner Schwertfeger Klaus Schmidt der Stadt stiftete.

Leben und beten an einem Ort

Das Siechenhaus war das letzte im Mittelalter gegründete Hospital in Neuruppin und schloss ursprünglich direkt an die Kapelle an. Im Siechenhaus wurden hunderte Jahre nur kranke Stadtbewohner und Reisende gepflegt.

Der vermögende Handwerker wollte wohl mit dem Bau sein und das seiner Familie Seelenheil im Jenseits sichern, indem er kranken Menschen, die kein Dach über dem Kopf und keine Arbeit hatten, Obdach und Pflege bot.

Kapelle fürs Seelenheil

Nach einem Reglement von 1824 durften dann auch arme Frauen und Familien aufgenommen werden, die Kranken, die nicht mehr arbeiten konnten, sowieso. Zwei Jahre nach der Gründung bestätigte der Havelberger Bischof Busso von Alvensleben das Hospital als christliche Einrichtung – die Bewohner konnten die eigens errichtete Kapelle nutzen, um für ihr Seelenheil zu beten.

Der einschiffige Backsteinbau hat im Laufe der Jahrhunderte viele Nutzer gesehen.

Viele unterschiedliche Nutzer über die Jahrhunderte

Von 1699 bis 1702 feierte die Reformierte Gemeinde dort ihre Gottesdienste, da ihre eigene Kirche einem Standbrand zu Opfer gefallen wurde. Auch den großen Stadtbrand von 1787, dem fast ganz Neuruppin zum Opfer fiel, überlebte das Kirchlein in der Nähe des Ruppiner Sees.

1845 haben die Deutschen Katholiken ihre erste Messe in Neuruppin gelesen. Seit 1853 gab es in der Siechenhauskapelle auch öffentliche Silvestergottesdienste, weil der Superintendent der Evangelischen Kirche dachte, damit die Gläubigen in die Kirche locken zu können. Heute finden dort übrigens auch zu Silvester kleine, feine Konzerte statt, für die man sich die Karten besser rechtzeitig besorgt.

Aus Siechen- wurde Altersheim

Seit der Gründung war das Siechenhaus samt Kapelle in den Händen der Stadt Neuruppin. 1940 ging die städtische Stiftung Siechenhaus in der Hospitalstiftung St. Georg auf und die Stiftung bestimmt das Siechenhaus zum Altersheim. Frauen finden ab 55 Jahren dort Aufnahme, Männer ab 60. Bis etwa 1970 war zumindest das Uphus – das heutige Hotel und Restaurant „Uphusidyll“, noch bewohnt.

Im August 1994 kaufte die Neuruppiner Bauingenieurein Gabriele Lettow das Uphus, Jahre später auch die kleine Kapelle, beides befand sich zum Zeitpunkt des Besitzübergangs in beklagenswertem Zustand. Sie baute das Uphus zum Hotel um und träumte davon, die kleine Kapelle herzurichten und für Veranstaltungen zu nutzen. Die ersten Konzerte fanden noch im unfertigen Kirchlein statt, was dem Erfolg aber keinen Abbruch tat. Die 100 Plätze waren fast immer ausverkauft.

Umfassende Sanierung

Nach 2002 begann die umfangreiche Renovierung. Heute ist die Siechenhauskapelle ein Schmuckstück in der Altstadt, in der man Konzerte genießen und sogar heiraten kann – das Haus ist offizielle Außenstelle des Standesamtes Neuruppin. Dort ist auch der Geburtsort des kleinen, feinen Aequinox-Festivals der barocken Musik, das seit 2009 immer im März und im September zur Tag- und Nachtgleiche stattfindet.

Silvesterkonzert in der Siechenhauskapelle „Barock meets Jazz“ am Montag, 31. Dezember, 19 Uhr. Karten für 22 Euro gibt es unter Tel. 03391/39 88 44.

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