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„Gestorben wird nicht nach Plan“

Interview „Gestorben wird nicht nach Plan“

Kurt Konrad ist seit über 40 Jahren Bestatter in Langen bei Fehrbellin. Er leitet inzwischen ein stattliches Familienunternehmen. Im MAZ-Interview erklärt er den schlechten Ruf einiger Bestatter und warum eine Beerdigung auch schön sein kann.

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Kurt Konrad fühlt sich zum Bestatter berufen. Er möchte den Angehörigen von Verstorbenen helfen.

Quelle: Peter Geisler

Langen.
Warum wird man freiwillig Bestatter? Jeden Tag mit dem Tod zu tun zu haben, ist für Kurt Konrad sein Leben lang normal gewesen. Er hat das Bestattungshaus Konrad von seinem Vater übernommen und wird es eines Tages an seine Tochter weitergeben. Er ist Bestatter aus Überzeugung.

Herr Konrad, warum sind Sie Bestatter geworden?

Ich habe zuerst Tischler gelernt und bin dann nach der Wende bei meinem Vater ins Unternehmen eingestiegen. Ich will den Menschen helfen, wenn es ihnen schlecht geht. Das ist für mich kein Job, sondern eine Berufung. Meine Familie und ich sind 365 Tage im Jahr erreichbar. Als Familienunternehmen sind wir alle füreinander da und helfen uns gegenseitig. Gestorben wird nun mal nicht nach Plan.

Redet unsere Gesellschaft zu wenig über den Tod?

Leider ja. Ich hab das Gefühl, dass das vor ein paar Jahren noch anders war. Noch zu Ostzeiten haben sich die Menschen besser um ihre Angehörigen gekümmert. Ich glaube nicht, dass sich die Situation jetzt bald wieder ändern wird. Ich kann es den Leuten immer nur vorschlagen. Ich biete Ihnen an herzukommen und von den Verstorbenen Abschied zu nehmen.

Können Beerdigungen schön sein?

Wenn nach einem Begräbnis Angehörige auf mich zukommen und mir erzählen, dass wir ihnen helfen konnten, dann weiß ich, dass es schön war. Es kommt bei einer Beerdigung darauf an, die richtigen Worte und Töne zu treffen. Meine Tochter, die mit im Familienunternehmen arbeitet, schafft das. Sie bringt etwas rüber mit ihrer Stimme. Sie spendet Trost.

Es kommt vor, dass mich Angehörige noch Tage später anrufen und sich bedanken für das, was wir ihnen gegeben haben.

Familienbetrieb Bestattungshaus Konrad

Der Bestatter Kurt Konrad wurde am 6. Juni 1954 in Neuruppin geboren. Er ist gelernter Tischler und arbeitet seit mehr als 40 Jahren im Familienbetrieb in Langen bei Fehrbellin. Seine Frau Sabine und seine Tochter Marilyn unterstützen ihn tatkräftig in seinem Geschäft. Das Bestattungshaus Konrad besteht in dritter Generation seit 1946.

In Deutschland sind Bestattungen Sache der Bundesländer. Brandenburg regelt Begräbnisse mit dem Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen. Im Ersten Paragrafen heißt es dort: „Die würdige Bestattung von verstorbenen Personen ist eine öffentliche Aufgabe.“

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Nein, für mich ist mit dem Tod alles zu Ende. Aber natürlich arbeiten wir häufig mit der Kirche zusammen. Und meine Tochter sieht das auch schon ganz anders.

Können Sie bei Beerdigungen mitfühlen oder die Trauer der Angehörigen verstehen?

Ja natürlich. Ich habe selbst auch Menschen verloren, die mir nahe standen. Ich verstehe die Angehörigen in ihrer Lage genauso, wie ich meine eigene Familie verstehe. Als Bestatter ist man auch ein normaler Mensch.

Wissen Sie schon, wo Sie später einmal begraben werden?

Ich möchte auf meinem Grundstück beerdigt werden, das habe ich schon lange geplant.

Warum hat der Bestatter oft einen schlechten Ruf in der Bevölkerung?

Einige Kollegen nutzen die Situation des Sterbens einfach aus und nehmen da richtig viel Geld für. Aber mir ist das Geld nicht so wichtig. Ich pflege ein gutes Verhältnis zu den Menschen und das danken mir die Angehörigen auch. Ein Kollege von weiter weg war neulich ganz erstaunt, als ich mit ihm gemeinsam durch den Ort gefahren bin, denn die Leute grüßen mich hier auf offener Straße. Das ist bei ihm gar nicht üblich.

Wie finden Sie Zombiefilme?

Das ist wirklich nichts für mich (lacht). So etwas gucke ich nicht und das finde ich auch nicht lustig. Ich habe es auch noch nie erlebt, dass im Kühlhaus jemand wieder wach geworden wäre oder so. Es steht keiner wieder auf. Und ich weiß auch übrigens von keinem Kollegen, der etwas in der Art erlebt hat.

Würden Sie auch Haustiere begraben?

Nein, dafür gibt es Tierbestatter. Ich arbeite nur mit Menschen. Aber lächerlich finde ich Tierbestattungen auch nicht. Das muss jeder selbst entscheiden.

Von Jonas Nayda

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