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Neuruppin Die Durstlöscher-Branche boomt
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01:15 06.08.2018
Wasser hat bei der derzeitigen Hitze Hochkonjunktur. Aber auch der Absatz anderer Getränke ist deutlich gestiegen. Quelle: Peter Geisler
Rheinsberg

Hitze macht durstig. Macht mehr Hitze noch durstiger? Definitiv ja, so die einhellige Meinung der Gastwirte, aber auch der Getränkeproduzenten und -händler in und rund um Neuruppin. Die Durstlöscher-Branche gehört eindeutig zu den Profiteuren des hochsommerlichen Sahara-Wetters, das in der Region seit Wochen das Regiment führt. Sie hat aber auch mit Problemen zu kämpfen.

Hochbetrieb im Getränkehaus

Hochbetrieb herrscht vor allem bei denen, die Kaltgetränke in Massen an den Kunden bringen. „So heftig, wie es jetzt ist, war es schon lange nicht mehr“, sagt Astrid Stüber. „Wasser geht massig. So viel können wir kaum ranschaffen, wie gerade weggeht.“ Auch Bier und Brause sind gefragt.

Astrid Stüber arbeitet im Getränkehaus, jetzt in Neuruppin, sonst in Wittstock. Für ein Schwätzchen hat sie keine Zeit. Kaum fängt sie einen Satz an, schon kommt der nächste Käufer bei ihr an. Die meisten fragen, warum ihr Lieblingsgetränk nicht da ist. „Wir können da nichts machen“, erklärt sie geduldig. Außer eine Alternative anzubieten. „Es gibt schon Engpässe bei den Produzenten.“ Bei manchen seit Wochen.

Radeberger bestätigt regionale Engpässe

Tobias Netta kennt auch das Problem. Der Chef im „River-Café“, idyllisch direkt am Rhinufer in Molchow gelegen, berichtet von Lieferproblemen beim Radeberger Bier. Er hat gehört, dass das Unternehmen keine Flaschen mehr zum Abfüllen hat.

Birte Kleppien von der Radeberger Gruppe bestätigt das. Allerdings sei das Phänomen lokal begrenzt und betreffe ebenfalls andere Getränkehersteller, die wegen der langen Hitzeperiode an der Auslastungsgrenze arbeiten. Ihre Firma habe sich eigentlich gut auf den Sommer vorbereitet und frühzeitig viele Pfandflaschen gekauft. „Trotzdem gilt natürlich: Jede Brauerei freut sich, wenn sie ihr Leergut so schnell wie möglich wieder auf den Hof bekommt.“ Birte Kleppien appelliert deshalb, leere Kisten und Flaschen nicht zu bunkern, sondern möglichst schnell abzugeben.

Auch der deutsche Brauerbund spricht von einer „besonders ausgeprägten“ Mehrwegflaschenknappheit.

Nicht mehr alle Spezialitäten da

Ein anderes Problem ist Antje Borkenhagen von der Neuruppiner Gaststätte „Seegarten“ bekannt. Sie hat gehört, dass neben dem Leergutdilemma viele Produzenten derzeit auch mit zu wenigen Mitarbeitern fürs Abfüllen, fehlenden Fahrern und einer zu kleinen Lkw-Flotte kämpfen.

Sie selbst hat aber vor allem Probleme die bei ihren Kunden die im Sommer besonders beliebte Holunderblütenbrause zu bekommen. Seit vier Wochen gibt es keinen Nachschub. „Es heißt, dass sie sich jetzt auf die Grundversorgung konzentrieren müssen und sich nicht um Spezialitäten kümmern können.“

Auch Säfte gehen gut weg

Ja, die Besonderheiten. Mit denen hat auch Regine Scholz-Berg von der Mosterei und Hofladen „Linumer Landhof“ derzeit ein Problem. Allerdings aus einem anderen Grund. Im verregneten vergangenen Jahr gab es deutlich weniger Äpfel als sonst. „Es war ein katastrophales Fruchtjahr“, so die geschäftsführende Gesellschafterin. „Deswegen müssen wir jetzt ein bisschen jonglieren.“

Schwierigkeiten bereiten dem Familienunternehmen vor allem die reinsortigen Säfte. „Da können wir in diesem Jahr nicht mehr das volle Sortiment anbieten.“ Den Ausfall mache der ausgesprochen gute Absatz aber wett. Sie habe rund 25 Prozent mehr Flaschen verkauft als 2017, sagt Regine Scholz-Berg.

Deutliche Steigerung gibt es auch bei den Saft-to-go-Portionen, die an die Laufkundschaft im Laden ausgereicht werden. „Den nehmen die hitzegeplagten Leute wirklich sehr gern.“ Dass Saft in der Wärme Hochkunjunktur hat, wundert die Linumerin nicht. „Es ist das Getränk der Wahl, zu dem die Menschen in der Hitze instinktiv greifen.“ Und das dann tatsächlich gegen die durchs Schwitzen hervorgerufene Unterzuckerung helfe.

Weniger Alkohol, mehr Wasser

Dass die Menschen ihr Trinkverhalten in der Hitze ändern, stellen viele Getränkevermarkter und -verkäufer in der Region fest. Die Haupttrends: Es wird weniger Alkohol getrunken und viel mehr Wasser als sonst. Auch Süßgetränke wandern jetzt öfter über die Ladentheken und auf die Tische der Lokale.

„Bei uns ist die Apfel-Rhabarber-Schorle derzeit der Renner“, erzählt Tobias Netta, der im Moment seit dem Frühjahr Woche für Woche mehr Getränkekisten bestellt als in den vergangenen Jahren. Wenn das Thermometer aber wieder ein bisschen runtergeht und im Bereich zwischen exakt 27 und 29 Grad stehen bleibt, dann wird vor allem eins gekauft: Berliner Weisse. „Dann ist unsere ganze Terrasse rot-grün.“

Absatzsteigerung bei Preussenquelle

Den Drift zum Wasser in der derzeitigen dürreähnlichen Periode merkt auch die Rheinsberger Preussenquelle. Die Absatzsteigerung betrug bis Ende Juni rund 32 Prozent, berichtet Jacqueline Redepenning vom Kundenservice. 2017 waren es knapp 20 Prozent. Und in den aktuellen Zahlen ist die zweite Hitzewelle des Jahres im Juli noch nicht inbegriffen.

Gut bestücktes Lager

Dass die Bilanz so positiv ausfällt, habe mit der Wärme, vor allem aber mit Lieferschwierigkeiten anderer Brunnen zu tun. „Die füllen jetzt 24 Stunden am Tag ab – und kommen trotzdem nicht hinterher.“ Derart verbiegen müsse sich ihr Unternehmen nicht. „Unser Lager ist so gut bestückt, dass wir auch zusätzliche Lkw problemlos vollmachen können.“ Auch mit dem Flaschenrücklauf gebe es keine Probleme.

Produktion Preußenquelle Rheinsberg, Mineralwasserfabrik Rheinsberg, Schichtleiter Christian Grimm an Abfüllstrecke Quelle: Peter Geisler

Dass es durch die Hitze mehr Bewegung auf dem Markt gibt, habe ihr Unternehmen vor allem im Spätfrühjahr gemerkt. „Da wurden aus einem angekündigten Laster plötzlich drei, die bei uns die Paletten abholten.“ Jetzt habe sich die Lage wieder normalisiert. Für wie lange, sei allerdings offen. Denn die Preussenquelle liefert an den Berliner Bio-Großhändler Terra Naturkost, dem sie auch gehört. „Und wie voll dessen Lager ist, das wissen wir nicht genau.“

Konzentration auf das Wesentliche

Auch wenn die Temperaturen hoch bleiben, werde nicht mehr viel passieren, meint indes Frank Stieldorf. Klar sei das Wetter bombastisch für seine Branche, so der Leiter der Preussenquelle. Aber die Berliner seien massenhaft im Urlaub. Und potenzielle Gäste überlegen es sich dreimal, ob sie bei über 30 Grad in eine Betonwüste fahren. Frank Stieldorf, dessen Unternehmen nicht nur das erfrischende Nass fördert, sondern auch als Wasserbotschafter auftritt, freut sich dennoch über die Hitze. „Da fällt einem plötzlich wieder ein, was das Wesentliche ist.“ Sprich: Wie wichtig Wasser ist. „Wenn man jetzt die Menschen fragt, was sie in einer Wüste wählen würden, einen Goldbarren oder ein Glas Wasser, dann fällt die Antwort eindeutig aus. Wenn die Hitze vorbei ist, vergessen sie es aber leider ganz schnell wieder.“ Das sei der Wermutstropfen.

Von Celina Aniol

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