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Neuruppin A24: Heftige Kritik am Autobahnbau
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin A24: Heftige Kritik am Autobahnbau
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01:15 17.06.2018
Die Brücke, die bei Dabergotz über die Autobahn führt, wird 2019 abgerissen. Im Sommer beginnen zunächst die Arbeiten für eine neue. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Mit der Autobahn 24 werden in den kommenden Jahren auch etliche Brücken neu gebaut. Betroffen ist auch die Überführung der B 167 an der Abfahrt Neuruppin. Bei Dabergotz soll bis 2019 eine völlig neue Brücke gebaut werden. Das sagte Thomas Stütze, technischer Geschäftsführer der privaten Havellandautobahn-Gesellschaft am Mittwoch in Neuruppin.

Das private Unternehmen soll die A24 und die A10 zwischen Neuruppin und Dreieck Pankow bis Ende 2022 völlig neu bauen und bis 2048 dann betreiben; der Bund bleibt weiter Eigentümer der Strecke.

Die Strecke bis zum Dreieck Havelland hat das Unternehmen in fünf Bauabschnitte unterteilt, jeder etwa sechs Kilometer lang. Bei Neuruppin, bei Fehrbellin und bei Kremmen beginnen die Bauarbeiten in diesem Sommer und sollen 2020 beendet sein. Dazwischen liegen zwei Abschnitte, in denen von 2020 bis 2022 gebaut wird.

Im Abschnitt 1 zwischen Neuruppin und Neuruppin Süd sollen die Arbeiten in den nächsten Wochen an der eigentlichen Fahrbahn beginnen. Zeitgleich starten auch die Bauarbeiten an der Brücke, mit der die B167 über die A24 geführt wird.

Während die Bauarbeiten an der Fahrbahn für etliche Behinderungen sorgen werden, sollten Autofahrer vom Brückenbau nicht allzu viel mitbekommen, sagt Thomas Stütze: „Wir bauen eine neue Brücke neben der alten.“ Erst wenn die neue 2019 fertig ist, wird die Fahrbahn dorthin verlegt und die bisherige Überführung abgerissen.

Bei anderen Brücken läuft das nicht ganz so einfach. Auch am Mittwoch blieb offen, ob Stöffins Ortsvorsteher Harald Krumhoff in den nächsten Monaten mit seinen großen Landwirtschaftsmaschinen unter der Autobahn hindurch weiter zu seinen Feldern kommen wird.

Die Ortszufahrt nach Stöffin führt unter der A24 hindurch. Landwirte sind auf diese Durchfahrt angewiesen. Allerdings muss auch diese Brücke erneuert werden. Quelle: Peter Geisler

Die Ortszufahrt, die unter der A24 hindurch führt, soll zwar die gesamte Bauzeit über benutzbar bleiben, versicherten die Autobahnbauer. Allerdings wird die Ortszufahrtsstraße eingeengt werden. Reicht das für die Traktoren und Mähdrescher? Die Vertreter der Baufirmen versichern, dass sich eine Lösung findet.

Es waren am Mittwochabend nur etwa 30 Interessierte ins Neuruppiner Rathaus gekommen, die meisten von Feuerwehr, Polizei oder anderen Behörden. Unternehmenssprecher Steffen Schütz hatte mit deutlich mehr Gästen gerechnet. Bei der ersten derartigen Veranstaltung im Mai in Marwitz (Oberhavel) waren es doppelt so viele.

In der Baustelle bei Kremmen gilt Tempo 60

Für Claudia Hamann war es dagegen nicht verwunderlich, dass die meisten Stühle im Ratssaal leer blieben: „Die Leute stehen alle noch im Stau. Die haben es einfach noch nicht hierher geschafft“, war sie überzeugt. Sie muss selbst mehrmals in der Woche zwischen Neuruppin und Berlin pendeln und hat die Bauarbeiten schon selbst zu spüren bekommen, obwohl eigentlich an der A 24 noch gar nicht wirklich gearbeitet wird.

Seit Montag gilt zwischen Kremmen und Linumer Bruch in Richtung Hamburg Tempo 60, weil die Fahrbahnen eingeengt sind. Schon am Montag gab es dort lange Staus. „Ich hab zweieinhalb Stunden vom Dreieck Havelland bis Neuruppin gebraucht“, sagt Claudia Hamann.

Landrat Ralf Reinhardt glaubt, dass die Bauarbeiten, wie jetzt geplant, gegen geltendes Recht verstoßen. Über Jahre hatte der Bund für den Ausbau der A 24 ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren betrieben. Das sieht vor, dass die Autobahn auf sechs Spuren verbreitert werden soll.

Statt dreispurig – wie einst geplant – soll die A24 auch nach dem Umbau nur vier Fahrspuren haben, zwei in jede Richtung. Sie wird nur wenig breiter. Quelle: Peter Geisler

Tatsächlich ist jetzt aber nur von einem Neubau mit vier Spuren die Rede, nur zwischen Fehrbellin und Kremmen soll zusätzlich bei Bedarf der Seitenstreifen nutzbar sein. Für Reinhardt ein Unding: „Sie verstoßen eindeutig gegen den Planfeststellungsbeschluss“, echauffierte er sich. „Was sie bauen, weicht zu 100 Prozent davon ab.“

„Die Festlegung, dass es hier nur eine grundhafte Erneuerung gibt, lag in der Entscheidungsmacht des Bundes“, sagt Sven Tesanovic von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges). Die Deges ist ein gemeinsames Unternehmen des Bundes und der Bundesländer und wurde mit der Betreuung des privaten Investitionsvorhabens betraut.

Als Vertreter des Bundes war Sven Tesanovic in der Rolle, ein Projekt verteidigen zu müssen, von dem er selbst nicht überzeugt schien. Auch der Landesstraßenbetrieb Brandenburg sei mit der Entscheidung unglücklich, sagte Abteilungsleiterin Kerstin Finis-Keck.

Anwohner fordert: Autobahnbau stoppen und später „richtig“ bauen

Für Landrat Reinhardt steht fest: So wie sie jetzt ausgebaut werden soll, gibt es nach vier Jahren massiver Behinderungen am Ende auf der A 24 mehr Probleme als vorher. Joachim Ganz aus Langen bringt das auf die Palme. „Ich fühle mich getäuscht“, sagt er.

Er sei vor allem wegen der guten Verkehrsanbindung nach Langen gezogen und hatte fest mit einem sechsspurigen Ausbau der A 24 gerechnet. „Wem nützt denn ein grundhafter Ausbau?“, wollte Ganz wissen: „Am besten setzen sie das Projekt zehn Jahre aus und machen es dann richtig.“

Dazu wird es kaum kommen. Die Havellandautobahn-Gesellschaft hat einen Vertrag mit dem Bund, wie sie bauen soll, und an den ist sie gebunden, so Geschäftsführer Thomas Stütze. Sein Unternehmen sei der falsche Adressat für die Kritik.

Von Reyk Grunow

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