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Neuruppin Günter Rieger verlegt seit Jahrzehnten Bücher über die Region
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19:17 17.10.2018
Günter Rieger wird 70 - seit vielen Jahren gibt er in seiner Edition Bücher über die Geschichte und Kultur der Region heraus Quelle: Regine Buddeke
Karwe

Wenn es um Ruppiner Geschichte geht, ist Günter Rieger eine der wichtigsten Instanzen in der Region. Man kommt an ihm nicht vorbei: Er ist Mitglied im historischen Verein der Grafschaft Ruppin und dem der Prignitz, der Fontane- sowie der Schinkelgesellschaft, der landesgeschichtlichen Vereinigung der Mark Brandenburg, im Rheinsberger Kunst- und Kulturverein, überdies im Gnewikower und im Wustrauer Kulturverein und im Tempelgartenverein.

Die Themen, die er dort findet, sind mannigfaltig – Günter Rieger setzt sie nicht selten in Bücher um. In seiner Edition Rieger hat er in 28  Jahren rund 200 Bücher herausgegeben – ganz genau hat er nicht mitgezählt, sagt er. An Ruhestand denkt er noch längst nicht – auch wenn er langsam etwas kürzer treten will. Günter Rieger wird am Donnerstag 70 Jahre alt.

Günter Rieger wird 70 - seit vielen Jahren gibt er in seiner Edition Bücher über die Geschichte und Kultur der Region heraus. Quelle: Regine Buddeke

Dass ihn Bücher und das Schreiben faszinieren, wurde dem gebürtigen Bitterfelder schon als Kind klar – bereits als Schüler textete er für die Betriebszeitung des Bitterfelder Chemiekombinates und machte auch eigene Fotos – „mit einer Pouva Start – was es damals halt so gab“, sagt er schmunzelnd. Die Kamera galt als der Trabi unter den Fotoaparaten – ein einfaches Modell.

Die Chefredakteurin habe junge Menschen gefördert und zu Texten angeregt. „Nicht nur über die sozialistische Planwirtschaft.“ Wenig später studierte der junge Günter Rieger Geschichte. „Da hatte ich noch keinen Schimmer von Fontane und Neuruppin“, erinnert er sich. Klar, Fontane hat er in der Schule gelesen, welches Buch, weiß er schon gar nicht mehr.

In der Schulzeit fand er Fontane nicht besonders

Fontanes Stil habe ihn damals nicht berührt: „Er war nichts Besonderes. Wie die Neuruppiner Bilderbögen – ich hatte davon gehört, aber mehr auch nicht“, sagt er. Das änderte sich erst, als er auf Walter Kuphal stieß.

Das Bild des bekannten Heimatmalers hing in der guten Stube seiner Schwiegereltern – Rieger hatte beim Studium seine Frau kennengelernt, eine Neuruppinerin, und war seit Mitte der Siebziger Jahre naturgemäß oft im Ruppiner Land.

„Ich sah dieses Bild und spürte: Das ist keine pure Heimatmalerei sondern etwas Tiefergehendes.“ Das Werk Kuphals wurde in den 1980er Jahren sein erstes eigenständiges Büchlein – er arbeitete zu dieser Zeit schon in Berlin, als stellvertretender Direktor im Zentrum für Kunstausstellungen der DDR. Er war mit diversen Ausstellungen betraut.

Kontakt zu in- und ausländischen Künstlern

Vor allem in der Zeit, als er von 1977 bis 1982 in Rumänien arbeitete – für ihn eine wichtige Zeit, sagt er, in der er viel mit in- und ausländischen Künstlern zu tun hatte und jede Menge Kontakte knüpfen konnte. Auch solcherart künstlerisches Interesse lebt er nach wie vor weidlich aus – in seinen Gemälden und Fotografien.

„Ich musste dort viele Reden halten“, erzählt er. Auch das eine Sache, die Rieger kann: Er ist auch heute noch ein gefragter Referent und schafft es locker, ein historisches Thema auch schon einmal unvorbereitet aus dem Stegreif zu erzählen. Dazu kommen viele Vernissagen und Laudationes.

In dieser Zeit des Pendelns – die beiden Riegers hatten sich ein Häuschen in Karwe gekauft und bauten es über Jahrzehnte aus – habe er oft auch Ausstellungen nach Neuruppin geholt. „Ich habe viel mit Lisa Riedel zusammengearbeitet“, sagt er über die langjährige Leiterin des Neuruppiner Heimatmuseums.

Das Kuphal-Buch war die Initialzündung für den Verlag

Sie war es auch, die das Kuphal-Büchlein anregte. Es war die Initialzündung für seinen Verlag. 1990 – „noch bevor alles zu Ende war“ – kehrte er Berlin den Rücken und Karwe wurde seine Heimat.

„Der Mauerfall war meine Chance, länger schwelende Ideen in die Praxis umzusetzen“, sagt er. Das Kuphal-Bändchen hatte ihn hungrig gemacht. „Schon damals hatte ich den Traum, etwas über die Gegend hier zu machen – so a la Werte-der-Heimat-Touristenhandbuch mit allem, was man gesehen haben muss.“ Quasi Fontanes Wanderungen mit frischem Blick neu ins Bild setzen. „Wie es heute aussieht.“

Rieger legte los. 1990 gründete er die Edition, schrieb selbst und scharte Autoren um sich, die in sein Thema passten: Geschichte und Kultur des Ruppiner Landes. Sein Verlags-Erstling war ein Neuruppin-Stadtführer, der seitdem diverse Neuauflagen erlebte.

„Inzwischen ist das dünne Ding von einst zu einem 100-Seiten-Buch gewachsen“, sagt er stolz. Es folgte einer über Rheinsberg. Ungefähr ein halbes Jahr dauert es, bis aus dem Manuskript ein Buch wird – Bildbeschaffung, lektorieren, layouten, Titelgestaltung, Druckereiabstimmung, Korrekturlesen, Feinschliff. „Dem Buch sieht man nicht an, wie viel Arbeit drinsteckt. Das Schreiben ist nur der allererste Schritt.“

Nur zu 50 Prozent verlegt er Fremdautoren

Wenn er selbst schreibt – zu 50 Prozent nur verlegt er Fremdautoren – dauert es noch länger. Rieger recherchiert gründlich. Er reist viel umher – „gern noch mehr“, gesteht er. Etwa für sein derzeitiges Buch über Schlösser und Herrenhäuser in Oberhavel muss er noch eine ganze Liste an Architektur fotografieren.

Etwas, was er gut kann – oft genug hat er schon eigene Fotoausstellungen in der Region gezeigt. Und die von ihm verlegten Kunstbände über Künstler der Region liegen ihm auch am Herzen, gesteht er. Da will er gern noch mehr machen.

Wenn ihm ein Thema einfällt – die Ideen kommen zu 90 Prozent von ihm – spricht er auch schon gezielt Autoren an, von denen er weiß, dass diese am Thema dran sind. Etwa von Hildegard Baumgart, einer Spezialistin für derer von Arnims, habe er einen Fachartikel gelesen. Oder Fontane-Experte Gottfried Erler – auch da gibt es eine langjährige Zusammenarbeit.

Genau wie mit Dirk Fahlenkamp – ein einst in Neuruppin beschäftigter Urologie-Professor, der sich unter anderem mit der Medizin-Historie in der Zeit Friedrich des Großen befasst und in Rheinsberg schon oft darüber referierte. Fünf Bücher hat Rieger mit ihm editiert.

Die freie Arbeit mag Rieger sehr

Die freie Arbeit mag er sehr. „Ich habe natürlich immer das komplette verlegerische Risiko“, erzählt Rieger, der für die Buch-Produktion stets in Vorkasse geht. Nicht jedes Buch verkauft sich wie ein Harry Potter. Glücklicherweise waren die Momente, wo er alles habe hinschmeißen wollen, sehr selten gewesen.

„Es ist ein Beruf, der viel Geduld erfordert. Es gibt weder schnellen Erfolg noch garantierten Umsatz“, sagt er. Er freue sich über jedes verkaufte Exemplar, nicht zuletzt Dank der guten Zusammenarbeit mit den beiden Neuruppiner Buchhandlungen.

Das Jahr ist für ihn noch nicht zu Ende: Derzeit ist ein Buch der Edition Rieger über Otto von Bismarck in Druck – es wird am 13. Dezember in Neuruppins Bibliothek vorgestellt. Am 11. November hält er einen Vortrag über August Ferdinand, „den unbekannten Prinzen“, den Erben Prinz Heinrichs.

Fontane trifft Knesebeck im Fontanejahr

Und das Fontanejahr 2019 wird ein volles, das weiß er jetzt schon. Er wird Fontane-Reisen leiten, eine Gemeinschafts-Ausstellung „Fontane trifft Knesebeck“ in Karwe mitkuratieren. „Wer weiß, ob ich da zum Büchermachen komme“, grübelt Rieger.

Zum 70. wünscht er sich selbst, noch lange weiter im Ruppiner Kulturleben mitmischen zu dürfen. Zur Langen Nacht der Künste am 10. November in Rheinsberg wird im Rheinsberger Tucholsky-Museum seine Ausstellung über die Edition Rieger eröffnet: „Zwischen zwei Buchdeckeln und rundherum“ heißt sie. „Mal keine Kunstausstellung“, sagt Günter Rieger und schmunzelt.

Günter Rieger hält am Sonntag, 11. November, um 16 Uhr im Tempelgarten Neuruppin einen Vortrag über August Ferdinand Prinz von Preußen, den Erben Prinz Heinrichs.

Von Regine Buddeke

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