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Neuruppin Historischer Verein: 70 Forscher für Ruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Historischer Verein: 70 Forscher für Ruppin
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14:06 17.04.2019
Der Vorstand des Vorstand Historischen Vereins mit dem Vorsitzenden Peter Schmidt (Mitte). Quelle: Dagmar Simons
Neuruppin

Als Wahrer von Tradition und Geschichte – so sehen sich die Mitglieder des historischen Vereins der Grafschaft Ruppin. „Dabei geht es um Historisches aus dem Ruppiner Land, was nicht in der Schule behandelt wird, was man aber auch nicht googeln kann“, sagt der Vereinsvorsitzende Peter Schmidt.

Der promovierte Historiker hat lange Jahre als Bilderbogenexperte im Neuruppiner Museum gearbeitet. Jetzt, im Ruhestand, widmet er sich seiner eigentlichen Passion: der Erforschung der Geschichte Neuruppins.

Aus Liebe zur Regionalgeschichte

Der Historische Verein, der sich 1990 neu gegründet hat, steckt voller solcher Enthusiasten. Aus Liebe zur Regionalgeschichte forschen sie, unterstützen das Museum, halten Vorträge, übernahmen Führungen und verfassen Bücher und Broschüren über Heimatgeschichte.

Seit drei Jahren ist der neue Vorstand unter seinem Vorsitz nun im Amt. Er ist angetreten, die jüngere Generation an die Neuruppiner Stadtgeschichte heranzuführen. „Wir informieren über Ruppiner Themen, die andere nicht anbieten“, sagt Schmidt.

Die Vereinsmitglieder haben sich mit André Stellmacher (l.) einen Experten zum Vortrag geholt. Rechts: Vereinsvorsitzender Peter Schmidt. Quelle: Dagmar Simons

Dazu holen sie sich hochkarätige Experten zu den jeweiligen Gebieten an Bord. So referierte im März André Stellmacher vom brandenburgischen Landeshauptarchiv über die Grafen von Arnstein beim Ausbau und bei der Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft über das Land Ruppin, das Thema seiner Doktorarbeit.

Immerhin war es den Arnsteinern gelungen, ihre Herrschaft in Ruppin über bald drei Jahrhunderte aufrecht zu erhalten. Das Adelshaus starb 1524 aus. Die Arnsteiner waren nicht auf territoriale Ausbreitung, sondern auf Absicherung und Erhaltung des Friedens bedacht, sagt André Stellmacher.

Volles Haus in der Stadtbibliothek

Zu seinem Vortrag sind 50 Interessierte in die Stadtbibliothek gekommen – volles Haus. Er freue sich, auch mal über jemand anderen als Fontane sprechen zu dürfen, sagt er mit Augenzwinkern. Auch er will, dass die Ruppiner wieder mehr erfahren über ihre eigene Geschichte.

Das ist auch das Anliegen der derzeit 70 Mitglieder des Vereins. „Wir bemühen uns, Dinge ins rechte Licht zu rücken“, sagt Ulrich Gäbler, der in der Kleidung des Geheimen Oberbaurats Berson Interessierte durch Neuruppin führt.

Gäbler stellt klar, dass nicht, wie immer behauptet Stadtbaudirektor Bernhard Brasch federführend für den Wiederaufbau Neuruppins nach dem großen Stadtbrand war, sondern eben Philipp Bernard Francois Berson.

Neuruppin kennt nicht alle großen Söhne

„Der Oberbaurat ist für das Aussehen der Stadt nach dem Brand verantwortlich, doch er spielt in der Stadtgeschichte keine Rolle“, so Gäbler. Es gebe neben Fontane und Schinkel viele berühmte Personen, die in Neuruppin geboren wurden oder in der Stadt gewirkt haben, aber nie als große Söhne der Stadt erwähnt würden, beklagt er.

Etwa der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz, der 1792 mit zwölf Jahren als Fahnenjunker in das Regiment „Fritz Ferdinand“ in Neuruppin eintrat.

Nicht zu vergessen Generalmajor Ferdinand von Bredow, der 1884 in Neuruppin geboren wurde, oder der Erfinder Carl Friedrich Bückling. Der 1756 in Neuruppin Geborene konstruierte die erste Dampfmaschine wattscher Art im Königreich Preußen. „Es kommen erstaunlich viele Persönlichkeiten zusammen“, sagt Gäbler. Nur das wüssten nur die wenigsten.

Zu Fontane gibt es genug Veranstaltungen

Fontane ist in diesem Jahr, seinem 200. Geburtstag, in aller Munde. Nicht so beim Historischen Verein. Der macht keine Veranstaltung zum Fontanejahr. Die Mitglieder finden, dass es genug Fontane-Veranstaltungen gibt.

Der Verein hat im Vorfeld des Fontanejahres einen Flyer zu Fontane herausgebracht. Dort sind Stätten aufgeführt wie der alte Friedhof, auf dem seine Mutter und seine Schwester begraben wurden. „Uns ging es, darum zu zeigen, wo Fontane war“, sagt Ulrich Gäbler.

Heute befindet sich auf dem alten Friedhof ein kleines Areal, auf dem unter anderem an die beiden Frauen erinnert wird. Aber beim großen Fontane-Umzug durch die Stadt ist der Verein vertreten. Fest steht, dass in einer Kutsche Gründungs- und Ehrenmitglied Monika Adomeit und Wolfgang Trenkler als das Ehepaar Fontane mitfahren werden.

Stammtisch Ruppiner Geschichte will Fontane vom Sockel holen

Nicht der Historische Verein, sondern der Stammtisch „Ruppiner Geschichte“, der sich regelmäßig in der Gaststätte „Klosterhof“ trifft, erarbeit derzeit zusammen mit dem Wirt Marco Leppin eine Ausstellung.

„Wir wollen Fontane etwas vom Sockel holen“, sagt Ulrich Gäbler. Fontanes Arbeitszimmer wird nachgebaut und eine Original-Apotheke aus dem Jahr 1850 wird zu sehen sein.

Dass sie mit ihrem Interesse an Neuruppin und seiner Umgebung nicht allein auf weiter Flur sind, zeigt ihnen die Anzahl an jährlichen Stadtführungen, wobei sie bedauern, dass Schulklassen die Ausnahme sind. „Das Interesse an Geschichte wird nie ganz verloren gehen“, ist sich Vorstandsmitglied Ulrich Bredow sicher.

Verein wünscht sich mehr Beachtung durch die Stadt

Was die Vereinsmitglieder ebenfalls bedauern, ist, dass sie von der Stadtverwaltung nicht genug beachtet und als Partner aktiv eingebunden werden. Mit den Geschichtsexperten wäre es wohl nicht zu dem jetzigen Ortseingangsschild gekommen, auf dem sich Neuruppin als Fontane- und Universitätsstadt präsentiert.

Also eine Stadt, die Sitz einer Universität ist und nicht nur einer Hochschule mit zwei Fakultäten. „Sie suchen das universitäre Leben und finden es nicht“, sagt Schmidt. Aber wie sagte schon Fontane über seine Geburtsstadt mit ihren langen, breiten Straßen und stattlichen Plätzen: „Sie gleicht einem auf Auswuchs gemachten großen Staatsrock, in dem sich der Betreffende, weil er von Natur aus klein ist, nie hineinwachsen kann.“

Wer Interesse an der Arbeit des Vereins hat, kann sich per Mail unter hvgruppin@gmx.de an den Verein wenden. Am 11. April wird Frank Riedel in der Neuruppiner Stadtbibliothek über die „Edlen von Plotho und Edlen Gänse“ referieren.

Von Dagmar Simons

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