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Neuruppin Achtung, Gefahr durch Wildwechsel!
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Achtung, Gefahr durch Wildwechsel!
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16:44 08.11.2018
toter Fuchs, Wildwechsel, Verkehrssicherheit, überfahrenes Tier, Wildunfall Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Immer wieder sichtet man jetzt Rehe auf weiter Flur. Doch sie bleiben nicht nur in der Ferne, sondern kommen Straßen gefährlich nahe, so wie andere Wildtiere auch. Wie aus dem Nichts tauchen Reh, Wildschwein, Fuchs, Waschbär oder Dachs an der Fahrbahn auf und überqueren sie. Warum gerade im Herbst so häufig?

„Sie sind auf der Suche nach Nahrung und verlassen dafür auch ihr Revier“, sagt Polizeisprecherin Dörte Röhrs, „jetzt da das Angebot knapper wird.“ Doch nicht nur deswegen. „Im Moment ist Brunftzeit bei Schwarzwild, also Wildschweinen. Bei Dam- und Rotwild ist sie schon vorbei", erklärt Jäger Horst-Uwe Hasse aus Fehrbellin und fügt hinzu: „In diesem Herbst hat es in unserem Jagdrevier schon fünf Kollisionen mit Wildschweinen gegeben und drei mit Rehen.“

230 000 Wildunfälle jährlich

Um die 230 000 Wildunfälle ereignen sich in Deutschland jedes Jahr. Hinzu kommen die Beinahunfälle, bei denen Autofahrer mit einem Schrecken davonkommen. In der gesamten Polizeidirektion Nord, die sich von der Prignitz, über Ostprignitz-Ruppin bis nach Oberhavel erstreckt, waren im vergangenen Jahr von 13 860 gemeldeten Unfällen 3 342 auf Kollisionen mit Wild zurückzuführen, liest Dörte Röhrs die Statistik vor: „2016 gab es 13 205 Unfälle, 3 243 davon mit Wild. Allein in Ostprignitz-Ruppin waren es in jenem Jahr 964 Wildunfälle von den insgesamt 3 334 Verkehrsunfällen, 2017 waren es 967 von insgesamt 3 395 gemeldeten Unfällen.“

Damwild auf einem Feld. Quelle: Peter Geisler

Nicht gerade wenig. „Das stimmt“, bestätigt Dörte Röhrs. „Wild ist mit die häufigste Unfallursache in unserer Region. Wir haben damit erhebliche Probleme, weil es riesige Waldgebiete gibt und etliche Alleen mit großen Bäumen.“ Genau sie werden zum Verhängnis. „Viele Autofahrer sind tierlieb, weichen aus. Doch ein Baum ist härter als ein Tier und damit gefährlicher.“ Besser sei draufzuhalten, empfiehlt die Polizeisprecherin, auch wenn beispielsweise ein Wildschwein eine ziemlich massive Kugel sei.

Besser: Auf Wild draufhalten

Auf größere Tiere draufzuzusteuern birgt dennoch ein Risiko, das nicht zu unterschätzen ist: Schon bei einem Aufprall mit 50 Kilometer pro Stunde entwickelt ein Wildtier das 25-fache seines Eigengewichts an Aufprallenergie. Ein 25 Kilo schweres Reh drückt sich mit 625 Kilo ins Blech. Das Gewicht ist in etwa vergleichbar mit dem einer Kuh.

Nicht immer bliebe es nur beim Sachschaden am Auto, meint Röhrs: „2017 gab es 52 Verletzte bei Wildunfällen, das Jahr zuvor waren es 34 Personen.“ Tote sind in der Polizeistatistik nicht verzeichnet.

Damit erst gar nichts passiert, sollten Warnschilder unbedingt ernst genommen werden! „Jeder hat es eilig, aber es ist wichtig, sich daran zu halten“, appelliert Dörte Röhrs an Autofahrer. „Alles andere kostet noch mehr Zeit.“ Besonders viele Unfälle gibt es in der Dämmerung. Also zwischen vier und sieben Uhr morgens und ab fünf Uhr nachmittags, weil dann die meisten Tiere die Straßen kreuzen. Oft kommen sie im Rudel. „Das Leittier geht vor, alle anderen gehen nach. Auf den Straßen sind sie dann geblendet vom Licht der Scheinwerfer und geraten in Panik“, sagt der Jäger Horst-Uwe Hasse.

Sicherungspflicht nachkommen

Zur Brunftzeit ist das Wild ohnehin außer Rand und Band. „Hormongesteuert laufen die Wildschweine umher“, so Hasse. Daher: Unbedingt an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, egal ob auf Landstraße oder Autobahn, vom Gas gehen und Straßenränder im Auge behalten. Bei auftauchendem Wild abbremsen, aufblenden, hupen.

Was tun, wenn doch etwas passiert ist? „Der Sicherungspflicht nachkommen: Unfallstelle absichern, Verletzte versorgen, einen Notruf absetzen und den Standort durchgeben. An Leitpfosten stehen die Kilometrierungen“, sagt Polizeisprecherin Dörte Röhrs. Die Kollegen träfen dann ein, um den Sachverhalt aufzunehmen. „Ist das Fahrzeug noch fahrtüchtig, können Betroffene auch die nächste Polizeidienststelle aufsuchen.“ Eines sei zuvor aber noch wichtig: „Tote Tiere mit Einweghandschuhen von der Straße ziehen.“

Getötetes Damwild. Quelle: Peter Geisler

Um verletztes Wild kümmert sich der Jagdpächter des Reviers. „Die Polizei informiert ihn umgehend, damit er nach dem Tier sucht“, erklärt Röhrs. Zur Not erlöst die eintreffende Polizei stark verletztes Wild auch an Ort und Stelle. So geschehen vor wenigen Tagen: Ein 26-Jähriger fuhr mit seinem Pkw Nissan gegen 20.45 Uhr die Bundesstraße 167 aus Richtung Wulkow kommend in Richtung Alt Ruppin. Ein Reh überquerte die Fahrbahn und kollidierte mit dem Auto. Das Tier musste mit einem Schuss aus der Dienstwaffe von seinen Qualen erlöst werden, der zuständige Jagdpächter wurde benachrichtigt. Am Pkw entstand ein Sachschaden von etwa 2 000 Euro.

Entsprechende Versicherung zahlt bei Nachweis

Je nachdem, um welche Art Tier es sich handelt, ist bei einem Wildunfall vom leichten Blechschaden bis zum Totalschaden des Fahrzeugs alles drin. Die Teilkasko springt dafür ein. Sie kommt auch für Schäden durch Ausweichmanöver auf, damit das Wild unversehrt bleibt und schlimmere Folgen vermieden werden. Gegebenenfalls sind dafür Augenzeugen nötig.

Höhere Beiträge hat die Regulierung des Wildschadens in der Teilkasko nicht. Es erfolgt keine Herabstufung der Schadenfreiheitsklasse. Die Kfz-Versicherung wird weiterhin so berechnet, als wäre kein Schaden gemeldet worden.

„Damit die Teilkasko zahlt, müssen Betroffene den Unfall bei der nächsten Leitstelle melden“, erklärt Polizeisprecherin Dörte Röhrs. „Diese bestätigt den Unfall.“ – „Auch ein Jagdausübungsberechtigter des Reviers kann das übernehmen“, ergänzt Jäger Horst-Uwe Hasse, der sich allerdings eher wünscht, dass sich Autofahrer den Gegebenheiten anpassen. Bevor überhaupt etwas passiert.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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