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Neuruppin In Neuruppin begann die Karriere von Max Rothbart
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00:34 21.05.2018
Max Rothbart in der Rolle des Erhart Borkman in Ibsens Drama „John Gabriel Borkman“ am Theater Basel – hier mit Schauspielkollegin Nicola Kirsch. Quelle: Reinhard Maximilian Werner
Neuruppin/Berlin

Max Rothbart ist auf dem Sprung zum Flughafen. Sein Flieger nach Berlin geht bald. Für ein kurzes Telefongespräch nimmt der Schauspieler sich dennoch Zeit. Zeit ist für ihn kostbar, vor allem mit seiner kleinen Familie. „Für eine Nacht war ich zuhause in Basel. Gestern bin ich aus Wien zurück. Das Theater Basel hat dort mit dem Burgtheater Wien eine Co-Produktion“, erzählt der junge Mann. Seit drei Jahren wohnt der Neuruppiner in der Schweiz und ist Ensemblemitglied am Theater Basel.

Mit diesem steht er nun beim 55. Berliner Theatertreffen, das noch bis zum 21. Mai läuft, auf der Bühne. Für Schauspieler eine hohe Auszeichnung, wenn sie denn jemals im Leben dorthin eingeladen werden. Max Rothbart hat bereits zum dritten Mal die Ehre und das mit gerade mal 28 Jahren. Jedes Jahr ermittelt eine Jury die zehn bemerkenswertesten Aufführungen der Saison im deutschsprachigen Raum. Georg Büchners Woyzeck, inszeniert vom Theater Basel, gehört 2018 dazu. Zweimal dürfen Max Rothbart und sein Ensemble das Stück im „Haus der Berliner Festspiele“ zeigen.

Franz Woyzeck ist ein kleiner Soldat, der von seinem Hauptmann und einem Doktor gedemütigt wird. Seine geliebte Marie begibt sich zudem in die Arme des schneidigen Tambourmajors und die Stimmen im Kopf des von Eifersucht und Verzweiflung getrieben Woyzeck werden immer lauter. „Ich spiele den besten und einzigen Freund von ihm“, sagt Rothbart. Und das macht er überzeugend und mit ganzem Körpereinsatz. Regisseur Ulrich Rasche hat das Mörderdrama, das 1913 am Residenztheater München uraufgeführt wurde, neu interpretiert, arbeitet mit spartanischen Mitteln und schafft eine exzentrische, düstere Stimmung. Die Verzweiflung von Woyzeck steigert sich auf der Bühne ins Unermessliche.

Max Rothbart hat seine Schauspiellust im Neuruppiner „Theater ohne Bühne“ entdeckt

„Ulrich Rasche hat einen sehr eigenen Stil. Wir sind alle schwarz gekleidet, tragen Stiefel und sind ständig in Bewegung“, fasst es Rothbart zusammen. Im dunklen Bühnenraum dreht sich eine monumentale Stahlscheibe in Schieflage, unaufhörlich, über drei Stunden lang. Eine Meisterleistung allein schon, sich darauf zu halten. „Wir sind angegurtet mit Klettergeschirr wie beim Bergsteigen. Es ist eine riesige Maschinerie, wir gehen im Takt zur Live-Musik, in einem bestimmten Abstand zum Kollegen, alles unter hoher Anspannung. Dazu sprechen wir den Original-Text.“

So euphorisch, wie Max Rothbart redet, merkt man, Theater ist genau sein Ding. Auch im Fernsehen war der Neuruppiner schon zu sehen, wiederholt bei SOKO Leipzig. „Ich würde auch noch mehr drehen, muss viele Angebote aber absagen, weil es zeitlich nicht funktioniert.“

Dass er beruflich einmal soweit kommt, hätte er sich nicht träumen lassen. Geboren in Ostberlin, anfangs aufgewachsen im Prenzlauer Berg, zog er als Zehnjähriger mit seiner Mutter nach Dorf Zechlin bei Rheinsberg. Später wohnte er mit ihr und Stiefvater Peter Böthig, dem Leiter des Rheinsberger Tucholsky-Museums, in Neuruppin. Rothbart kam ans Evangelische Gymnasium.

Er ist derzeit im Theater Basel engagiert

In seiner Freizeit trommelte er in der Bigband der Musikschule, entdeckte dann das „Theater ohne Bühne“ für sich, eine Theater AG der Jugendkunstschule. „Das war der Wegweiser. Ich habe gemerkt, dass Theaterspielen das ist, was ich beruflich machen möchte“, erzählt er. „Sebastian Eggers hatte die Gruppe geleitet. Von ihm habe ich viel gelernt. Im Vergleich zu anderen Amateurgruppen bekommt man bei ihm einen ungewöhnlich professionellen Zugang zur Schauspielerei.“

Die Arbeit mit Lehrer Eggers sei hart gewesen, gesteht Rothbart – dieser hätte viel gefordert: „Das war für mich eine gute Schule für später. Noch heute mache ich übrigens ähnliche Atemübungen zum Warmwerden, wie Sebastian Eggers sie uns gezeigt hat. Zum Beispiel wenn ich laut und roh eine Rolle einsprechen muss.“ Wie die des Andres in Büchners Woyzeck. Auf Berlin freut sich Max Rothbart. Unter den Zuschauern werden einige Freunde und Verwandte sitzen. Auch Zeit für einen Abstecher nach Neuruppin hat er. „Meine Mutter, meine Brüder und mein Stiefvater wohnen nach wie vor dort.“

Nach dem Abi war für Rothbart damals klar gewesen: Er wollte weg. „Ich habe kurz Medizin studiert, dann wieder abgebrochen. 2011 wurde ich an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig genommen“, erzählt er. „Nach dem Studium habe ich einfach Glück gehabt, dass ich in Basel engagiert wurde.“ Er sei zum zentralen Vorsprechen gegangen, nach München, Berlin und Neuss. „Dort saß Chefdramaturgin Almut Wagner und hat mich nach Basel eingeladen. Ich bin dorthin und fand es schön am Rhein.“

Max Rothbart gibt gestrandeten Flüchtlingen auf der Insel Chios Schauspielunetrricht

Alles richtig gemacht, könnte man sagen. Bis auf eins, meint der Neuruppiner: „Das Jahr nach dem Abi hätte ich ins Ausland gehen sollen. Mal raus, um was anderes zu sehen. Das rate ich jedem, egal wie strikt die Karriereplanung ist.“ Basel zählt er nicht als Auslandserfahrung, da „die Kultur ähnlich ist und deutsch gesprochen wird“. Dann wohl schon eher seine Sommer in Griechenland, wohin er wiederholt fliegt. Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan, die auf der Insel Chios stranden, gibt er Schauspielunterricht.

Die Basler Organisation BAAS („Be aware and share“) steht hinter all dem, und Max Rothbart ruft gerne dazu auf, sie zu unterstützen: „Wir müssen den jungen Leuten dort eine Chance geben. Mittlerweile gibt es eine Grundschule, eine Mittelschule und ein Jugendzentrum. Studenten, die in den Semesterferien Lust haben, können kommen und mitarbeiten.“ Jetzt müsse er aber wirklich los zum Flieger, sagt Rothbart. Immerhin wird er auf dem Theatertreffen in Berlin erwartet.

Wer „Woyzeck“ live verpasst, kann sich eine Aufzeichnung in der 3sat-Mediathek ansehen.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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