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Neuruppin Kampf ums Überleben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Kampf ums Überleben
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00:18 01.08.2018
Die Mitglieder des Arbeitskreises Heuschrecken vom Naturschutzbund Berlin-Brandenburg beim Kartieren in den Zechower Bergen. Quelle: Tom Kirschey
Neuruppin

Die Insekten kämpfen um ihr Überleben. Ein Aktionsprogramm der Bundesregierung soll sie nun retten. Viele Menschen werden das als übertrieben ansehen, denn sie sind oftmals froh, wenn sie im Sommer in Ruhe ihren Kuchen verspeisen können, die Windschutzscheibe sauber bleibt und sie beim abendlichen Grillen nicht von den Mücken geplagt werden.

Aber nicht nur der Naturschützer und Biologe Tom Kirschey sieht das etwas anders: „Wenn die Insekten verschwinden, ist auch unser Überleben gefährdet“, sagt er. Der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbands Gransee ist selbst Insekten zählend in der Region unterwegs und er kennt die Ergebnisse der Krefelder Studie, die in Deutschland die öffentliche Diskussion um das Insektensterben auslöste.

Sie summen und brummen auf der ganzen Welt

Über 30 Jahre haben Hobbyforscher des Entomologischen Vereins Krefeld Insektenbiomassen an Hand von so genannten Malaise-Fallen ermittelt. Sie sind zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Die Insektenbiomasse ist in manchen Regionen Deutschlands um bis zu 80 Prozent zurück gegangen.

Es gibt mehr als eine Million verschiedene Insektenarten und sie summen und brummen auf der ganzen Welt. Über die Hälfte aller weltweit bekannten Organismen sind Insekten, mehr als alle anderen Tiere, Pflanzen, Pilze, Einzeller und Bakterien zusammen. Und nur von einer Hand voll der Insektenarten haben die Menschen gesichertes Wissen über ihre vielfältigen Wirkungen im Ökosystem, wie etwa Bestäubung von Pflanzen. Wenn die Insekten sterben, fehlen die von ihnen erbrachten Leistungen für das Funktionieren der Ökosysteme.

Geheimnisvoll – Raupe des Mittleren Weinschwärmers, ein Schmetterling aus der Familie der Schwärmer. Quelle: Tom Kirschey

Denn nicht nur Bienen, auch Fliegen, Käfer, Wespen und Motten werden gebraucht, um Pflanzen in der Natur und auch in der Landwirtschaft zu bestäuben. Der Naturschutzbund startet deshalb in diesem Sommer die erste bundesweite Insektenzählung in Deutschland um auf das Problem aufmerksam zu machen. Naturfans wurden im Juni dazu aufgerufen, in ihrer Umgebung Insekten zu zählen und online zu melden. Vom 3. bis zum 12. August erfolgt ein zweiter Durchgang.

Beim Insektensommer soll jeder Sechsbeiner gemeldet

„Wenn die Leute mit ihrem Handy die Insekten fotografieren und Daten erfassen, beginnen sie auch automatisch, sich für das Thema zu interessieren“, sagt Nabu-Mann Tom Kirschey. Egal ob Blattlaus, Fliege oder Schmetterling ­– beim Insektensommer soll jeder Sechsbeiner gemeldet werden. Dabei geht es nicht um besondere oder seltene Arten, sondern auch um weit verbreitete wie die Ackerhummel, den Schwalbenschwanz, das Grüne Heupferd und den Siebenpunkt-Marienkäfer. Die Meldeaktion ist die erste Zählung dieser Art.

Vor allem für die Fachleute interessant ist natürlich der Bestand der seltenen und bedrohten Arten. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sowie im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land sind das unter anderem die Zweipunkt-Dornschrecke, die Hochmoor-Mosaikjungfer – eine Libellenart – und die Zwerglibelle. „Die Zweipunkt-Dornschrecke ist gerade einmal so groß, wie der kleine Fingernagel“, sagt Tom Kirschey. „Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin liegen die meisten bekannten aktuellen Funde dieser vorwiegend in Sandtrockenrasen-Gebieten vorkommenden Art.“

Die Zartschrecke gehört zu den Langfühlerschrecken und vermag wie alle Heuschrecken auffallend gut zu springen. Quelle: Tom Kirschey

Für die Hochmoor-Mosaikjungfer sind, wie schon der Name sagt, die Moore der ideale Lebensraum. Die Moorseen der Rheinsberger Region sind eine Hochburg für diese Art im deutschlandweiten Vergleich. Auf der Roten Liste steht auch die kleine Zwerglibelle. Sie ist bereits vom Aussterben bedroht.

Die Ursachen für das Insektensterben sind vielfältig. Doch der Hauptverursacher ist nach Meinung des Nabu die industrielle Landwirtschaft mit ihren Giften, der Überdüngung und der Monotonie. Neonicotinoide und Herbizide wie Glyphosat haben einen großen Anteil an der Entwicklung. Und sie werden nicht nur auf dem Acker sondern auch in Kleingärten und auf vielen Freiflächen angewendet.

Tom Kirschey wünscht sich eine naturnähere und giftärmere Landwirtschaft. „Ich kann es sogar verstehen, wenn die konventionellen Landwirte einmal im Frühjahr spritzen, um Feldfrüchte zu schützen. „Das Spritzen zur Reifebeschleunigung ist hingegen für mich keine gute landwirtschaftliche Praxis.“ 18 000 chemische Substanzen sind derzeit in Deutschland zugelassen. Kein einziges Zulassungsverfahren hat dabei die Langzeitwirkung auf die Natur umfänglich betrachtet“, so Kirschey.

Auch als Gartenbesitzer kann man viel für die Insekten tun

Aber auch als Gartenbesitzer kann man einiges tun. Heimische Pflanzen, die wunderschön blühen, gibt es ausreichend. Holunder und Hundsrosen, sind eine gute Alternative zu englischem Rasen und Thujahecke. Und der Holunder trägt auch noch sehr gesunde Früchte.

Brennnesseln – die Futterpflanze für eine ganze Reihe von Schmetterlingsraupen sollten ihren Platz im Garten bekommen, denn einige von ihnen sind Futterspezialisten und fressen nur Brennnesseln. Zu ihnen gehören das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und der Admiral.

Mit den Temperaturen ändern sich auch die Blühzeiten

Bezüglich des Klimawandels gibt es auch bei den Insekten Gewinner und Verlierer. So hat die Feuerlibelle ihren Siegeszug vor etwa 20 Jahren angetreten. „Anfang der 2000er Jahre entdeckten wir sie im Rheinsberger Gewerbegebiet, dann ging es Schlag auf Schlag. An 17 Gewässern wurde sie nachgewiesen, dann an der Ostsee und jetzt in Schweden.“

Mit den Temperaturen ändern sich auch die Blühzeiten und der Charakter der Jahreszeiten. Das wirkt sich unterschiedlich auf die Arten aus. Insekten, die kalte Temperaturen zur Fortpflanzung benötigen, damit ihre Eier in der Erde reifen können, werden es schwer haben, wenn der Winter ausfällt.

Von Cornelia Felsch

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