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Jeder Span ist goldwert

Neuruppin Jeder Span ist goldwert

MAZ macht mit: Der Goldschmied Bodo Knauer aus Neuruppin zeigt unser Reporterin Lisa Neumann sein Handwerk. Bei der Arbeit ist sehr viel Fingerspitzengefühl und Genauigkeit gefordert. Am Ende ist die Reporterin überrascht wie viel Kraft auch vonnöten ist.

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In der Walze wird der Draht zuallererst bearbeitet. Er soll länger und schmaler werden.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Filigrane Elemente herstellen, kleinste Teile zusammenfügen und am Ende ein wundervolles Schmuckstück in den Händen halten. So stellte ich mir die Arbeit eines Goldschmieds vor. Hauptsächlich repariert und arbeitet Goldschmiedemeister Bodo Knauer jedoch Schmuckstücke um, fertigt aber auch selbst welche an.

Heute werden zwei Eheringe geschmiedet. Wir trafen uns für die Serie „MAZ macht mit“ in seiner Werkstatt, die zugleich auch das Geschäft ist. Durch die große Fensterfront ist der Raum lichtdurchflutet. Ein großer Werktisch mit allerlei Werkzeugen, einem kleinen Schweißgerät und einem unter dem Tisch gespannten Schafleder dominiert den Raum. Seit 2006 betreibt er die kleine Schmiede.

Reporterin Lisa Neumann muss sich anstrengen den Draht zu teilen

Reporterin Lisa Neumann muss sich anstrengen den Draht zu teilen.

Quelle: Peter Geisler

Geöffnet ist das Geschäft von Bodo Knauer noch nicht. So kann er mir alles in Ruhe zeigen- so seinen wuchtigen Arbeitstisch. Ein Werktisch mit einer Einbuchtung, an dem ein abgewetztes und eingeritztes Stück Buchenholz montiert ist. Wofür das gebraucht wird, werde ich später erfahren. Ich bin überrascht, wie viele verschiedene Werkzeuge, vor allem Zangen und Feilen auf dem Tisch liegen. „Die Zangen sind wie die Hände eines Goldschmieds“, sagt Bodo Knauer. Elefantenzange, Ringschiebezangen, Zangen mit Polsterung und Zangen, die so aussehen wie eine große Nagelschere.

Um einen Ring zu fertigen, muss zuallererst ein Vierkant-Draht durch die Walze geschoben werden. Es ist ein Stück 585er-Gold. Nach dieser Legierung wird am häufigsten gefragt. Am liebsten würde der 35-Jährige jedoch mit 750er-Gold arbeiten. Das sei hochwertiger, so der Goldschmied.

Mit der Zange bekommt der Ring seine typische Form

Mit der Zange bekommt der Ring seine typische Form.

Quelle: Peter Geisler

Ein Schmuckstück, das den Stempeldruck „750“ trägt, besteht zu drei Vierteln aus Gold. 750 Gewichtsteile von 1000 sind Gold, wie sein Ehering, den er bei der Arbeit aber nicht trägt. „Ich arbeite hier mit Werkzeugen, aus denen ich den Ring hergestellt habe“, sagt er und schüttelt den Kopf. Der Ring würde bei der Arbeit nur leiden.

Eingeklemmt zwischen zwei Walzen wird der zwei Millimeter dicke Draht nach mehrfacher Bearbeitung ein wenig flacher, breiter und länger. Der erste Arbeitsschritt fällt mir noch leicht. Ich muss lediglich ein wenig in die Knie gehen, damit ich die Kurbel vernünftig drehen kann. Diese gekrümmte Haltung ist nicht gut für den Rücken – ich muss mich bereits strecken. Zwischendurch überprüft Bodo Knauer die Maße. 2,3 mal 4,2 Millimeter muss das Stück breit sein. Das ist Feinstarbeit. Je genauer gearbeitet wird, umso weniger muss später abgefeilt werden. „Spanen ist prinzipiell ­Verlust“, erklärt der Meister. Jedes Gramm Gold, das als Staub zu ­Boden fällt, ist etwa 35 Euro wert. Aus diesem Grund ist unter dem Ausschnitt am Werkbrett ein Leder gespannt, das die Partikel auffängt.

Beim Schweißen wird die Öffnung versiegelt

Beim Schweißen wird die Öffnung versiegelt.

Quelle: Peter Geisler

Vor das Werkbrett setze ich mich jetzt und drapiere das Schafleder auf meinen Oberschenkeln. „So entstehen Rückenschmerzen“, rügt mich Bodo Knauer. Die Beine sollte ich nicht im 90-Grad-Winkel zum Boden aufrichten, sondern weiter ausgestreckt, damit der untere Rücken an der Stuhllehne anliegt. Bodo Knauer muss es wissen. Seinen ersten Bandscheibenvorfall hatte er mit 26 Jahren. Trotz der gesundheitlichen Belastungen wollte Bodo Knauer nie etwas anderes werden. „Ich liebe Gold“, sagt er und schmunzelt verschmitzt. „Das habe ich immer schon“.

Mit einer speziellen Laubsäge zersäge ich nun den Golddraht. Gar nicht so einfach. Die Säge muss mit leichtem Druck geführt werden und schneidet nur von oben nach unten. Mein Daumen, der den Draht auf dem Buchenholzstück fixiert, wird nach kurzer Zeit weiß. Der Meister kommt mir zu Hilfe. Nachdem nochmals die Länge gemessen wurde, muss noch ein Stück abgesägt werden. „Das geht ja schon viel besser“, lobt mich der Neuruppiner. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er als Goldschmied, lernt aber auch immer wieder dazu, wie er erzählt.

Hier bekommt er seine endgültige Form

Hier bekommt er seine endgültige Form.

Quelle: Peter Geisler

Trotz aller Sorgfalt muss gefeilt werden. Die Enden der Goldstücken müssen so abgeschrägt werden, dass ein ’Y’ entsteht, wenn der Draht zu einem Ring gebogen wird. Mit dem Draht und der Feile in der Hand setze ich mich erneut an den Werktisch. Bodo Knauer tippt mir auf die Schultern und ich korrigiere meinen Sitz. „Das ist genau die Haltung, die Rückenschmerzen verursacht“, sagt Bodo Knauer. „Da kann man mit Sport was gegen machen, aber ich bin ein wenig faul und bei dem Wetter macht das auch keinen Spaß“, sagt der Goldschmied.

Der Ring bekommt den letzten Schliff

Der Ring bekommt den letzten Schliff

Quelle: Peter Geisler

Auch das Abschrägen der Kanten fällt mir nicht leicht. Die Feile muss exakt geführt werden, damit von dem bleistiftdicken Draht nicht zu viel und primär an den richtigen Stellen gefeilt wird. Ein wenig Goldstaub rieselt auf meine Finger und meine Kuppen glitzern.

Jetzt reicht mir Bodo Knauer eine Ringschiebezange. Der Ring wird endlich als solcher zu erkennen sein. Das Gold zu biegen ist bislang meine schwierigste Aufgabe. Der Draht weist einen Widerstand auf, der meine Hände schmerzen lässt. Ich reiche dem Meister die Zange. Bei ihm sieht das viel leichter aus. Nach dem Zusammenbiegen ist auch das ’Y’ zu erkennen. Jetzt spannt der Profi den Ring ein und versiegelt die offene Stelle. Nach kurzer Zeit ist der Ring abgekühlt und Bodo Knauer schiebt das Schmuckstück über einen langgezogenen Zylinder, um ihn in die endgültige Form zu hämmern.

Der Ring ist beinahe fertig. Nach dem Abbeizen, dem Reinemachen, fehlt nur noch der letzte Schliff. ­Bodo Knauer setzt sich an die Schleifmaschine und poliert den Ring zusätzlich. „Es ist ein doch sehr technischer Beruf“, sagt Bodo Knauer und reicht mir das Goldstück. „Gute handwerkliche Arbeit“, sagt er mit hörbarem Stolz in der Stimme. Etwa drei Stunden Arbeitszeit braucht er, bis aus einem Stück Draht ein Ring für die Ewigkeit entstanden ist.

Tadaa

Tadaa! Fertig ist der Ring.

Quelle: Peter Geisler

Fasziniert schaue ich auf den Ring in meiner Hand. Ein schlichter, glänzender Ring. Einfach wunderschön.

Von Lisa Neumann

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