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Neuruppin Junge Soldatin strebt Offizierslaufbahn an
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21:32 06.01.2017
Christina Kobylasch in voller Montur während der Abschlussübung der Grundausbildung. Der Rucksack war ihn ihren Augen so schwer, wie sie selbst. Quelle: Julian Stähle
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Neuruppin/Beelitz

Am frühen Abend regt sich hinter den Zäunen der Hans-Joachim-von-Zieten-Kaserne in Beelitz nicht mehr viel. Schimmernde Straßenlaternen werfen ein fahles Licht auf die Gehwege. Einsam bewegen sich zwei Personen über das leere Gelände auf das Eingangstor zu – Major Möller, Kompaniechef der Grundausbildungskompanie des Logistikbataillons, und die Rekrutin Christina Kobylasch. Bei der Begrüßung steht sie mit verschränkten Armen und dem Rücken zur Wand an der Wache. Ihr Blick ist stur geradeaus gerichtet, ihr ganzes Auftreten ist die personifizierte Disziplin.

„Wir müssen noch zum Oberstleutnant“, sagt Major Möller. Oberstleutnant Lindemann ist der stellvertretende Bataillonskommandeur. Einen Augenblick lang vibriert die Nervosität in der jungen Soldatin. Das erzählt sie jedenfalls später – in dieser Situation merkt man es ihr überhaupt nicht an.

Auch im Büro des Oberstleutnants nicht. Still und in Ehrfurcht verfolgt sie das Gespräch. Erst nachdem der Major und der Oberstleutnant den Raum verlassen haben, huscht ein Lächeln über die schüchtern dreinblickende junge Frau.

Ganz leger: offenes Haar und Alltagskleidung. Quelle: Julian Stähle

„Die Kameradschaft ist unglaublich“, schwärmt sie und blüht immer mehr auf. „Man ist nie allein, wir halten immer zusammen und wenn man mal kein Bock hat, bauen die anderen einen wieder auf!“

Mitte Dezember schloss sie bei einem zweitägigen Biwak ihre dreimonatige Grundausbildung ab. „Auch wenn es kalt und nass war, bin ich trotzdem richtig froh, das gemacht zu haben. Ich kann das nur empfehlen. Und ich bereue nichts“, unterstreicht sie ihre Entscheidung, als Soldatin ihrem Land zu dienen.

Der Abschluss der Grundausbildung

Zum Abschluss der zwölf Wochen dauernden Grundausbildung haben die Soldaten mehrere Geländetage und zwei Biwaks bestritten. Dazu gehörte ein Nachtmarsch durch den Wald, bei dem alles Gelernte abgefordert wurde.

Die Rekruten mussten nachts in voller Montur und bei Minusgraden elf Kilometer durch ein Gebiet laufen, in dem auch der „Feind“ aktiv ist. Dabei mussten sie einen Verwundeten tragen und ein provisorisches Lager errichten.

Während des Manövers kam es außerdem zu einem „Feuergefecht“ mit anschließender Evakuierung und Eilmarsch.

Am Ende der dreitägigen Feuertaufe erhielten die Rekruten ihre blauen Schulterlitzen – die Waffenfarbe der Logistiktruppe.

Seit Anfang Januar tragen Christina Kobylasch und ihre damaligen Mitre­kruten den ersten Dienstgrad und werden, dank Beförderung, als Gefreite angesprochen.

Rückhalt bekommt sie dafür auch von ihrer Familie in Neuruppin, zu der sie jedes Wochenende nach fährt. „Die sind total stolz auf mich“. Das wiederum macht die junge Soldatin stolz.

Sie wollte schon immer zur Bundeswehr, erzählt Christina Kobylasch. Ob Luftwaffe oder Heer – das war ihr egal. „Mein Papa war Offizier, mein Onkel und mein Opa waren auch bei der Armee“, sagt sie. Sie will es genauso machen wie ihr Vater. „Ich habe ja nicht umsonst mein Abitur gemacht“, sagt die 20-Jährige. Christina strebt die Laufbahn eines Offiziers an. Jedoch hat sie auf Anraten des Karrierezentrums der Bundeswehr erst einmal den freiwilligen Wehrdienst über zehn Monate angetreten.

Ein Job, der sie fordert

Die junge Frau wollte gern einen Beruf, der sie auch körperlich fordert. Mit dem Befehlston hat sie kein Problem. Sie merkte schon in der Schulzeit, dass sie ab und zu in ehr bestimmten Ton gesprochen habe, wie sie erzählt. „Ich wollte mir auch was beweisen und wissen wo meine Grenzen sind“, sagt die gerade einmal 1,64-Meter große Soldatin.

Die ersten zwei Wochen bei der Bundeswehr waren dennoch gewöhnungsbedürftig. „Der Ton war so anders – es wird auch mal laut geschrien und man wird rumkommandiert“. Aber trotz der Strenge, die die Ausbilder an den Tag gelegt haben, gab es auch Zeiten, wo alles ein wenig lockerer war, verrät Christina Kobylasch. Dabei haben sie aber nie den Respekt verloren, beteuert sie.

Auch eine Nacht verbrachten die Rekruten im Wald. Quelle: Julian Stähle

Dass sie Soldatin sein kann, hat sie sich bei der Abschlussübung bewiesen. „Bei dem eineinhalb Kilometer langen Eilmarsch mit Gepäck habe ich definitiv meine Grenze erreicht“, gibt sie offen zu. Zwischendurch, so verrät sie entwaffnend offen, habe sie keine Lust mehr gehabt. Doch war sie am Ende froh, durchgehalten zu haben. „Meine Kameraden haben mich wieder hochgezogen“. Die mehrheitlich männlichen Kollegen wundern sich zuweilen, dass Christina den Rucksack schleppt. Sie teilt sich mit anderen zwei Frauen aus dem Zug eine Viererstube. Ein Zug besteht im Regelfall aus 36 Rekruten.

Der Umgang mit der Waffe

Elementar bei der Bundeswehr ist der Umgang mit der Waffe. „Das Schießen war toll. Sonst hatte ich das nur auf dem Rummel gemacht“. Mit ihren vier Kilo Gewicht ist jedoch das G-36-Gewehr anfangs nicht leicht zu tragen – geschweige denn, dass es bequem war, darauf zu schlafen. „Beim ersten Biwak schliefen wir in einer Kuhle, die Waffe im Rücken. Das war ungemütlich“, erzählt Christina Kobylasch. „Ich habe gefroren und geträumt, ich würde auf jemanden schießen“. Das zweite Biwak war besser und durch das Lagerfeuer auch wärmer. „Da hab ich mich irgendwann umgedreht und mit der Waffe gekuschelt“ sagt sie.

Bei der Abschlussübung robbten sich die Rekruten durch den Wald. Die Waffe immer dabei. Quelle: Julian Stähle

„Die Bundeswehr härtet ab, auch emotional“, sagt die Soldatin. Inzwischen kann sie sich auch vorstellen, zum Auslandseinsatz in ein Gebiet geschickt zu werden, „wo es richtig knallt.“ „Und wenn es sein muss“, fügt die junge Neuruppinerin hinzu „würde ich auch auf Menschen schießen, um meine Kameraden zu beschützen“. Das gehöre eben zum Beruf des Soldaten dazu.

Das Soldat-Sein ist Christina Kobylasch nach drei Monaten Dienst bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Das merken vor allem ihre Freunde und Familie – häufig antwortet sie inzwischen mit „Jawohl“.

Von Lisa Neumann

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