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Neuruppin Zu Fuß lernt man den andren schätzen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Zu Fuß lernt man den andren schätzen
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00:22 03.08.2018
Ein Bild voller Eintracht: Junge Leute aus allen möglichen Ländern bei der Frans-Wanderung 2017 in den Alpen. Quelle: privat
Neuruppin/Lindow

Dass sie für Aufsehen sorgen werden, dürfte gewiss sein. Dabei geht es ihnen gar nicht darum. Das Ziel ihrer Wanderung ist ein einfacheres. Die Teilnehmer sollen sich kennenlernen, Verständnis füreinander entwickeln, vielleicht sogar neue Freunde finden.

Etwa 150 Menschen aus verschiedenen Teilen Syriens begeben sich am Sonnabend von Neuruppin aus zu einer Wanderung der besonderen Art und laden alle Ruppiner ein, mit ihnen mit zu wandern.

„Das ist keine politische Veranstaltung und auch keine religiöse“, sagt die junge Syrerin Yara Khalil. Die Frans-Wanderung soll genau das sein, was der Name suggeriert: eine Wanderung, keine Demonstration und auch kein Pilgerweg.

Frans van der Lugt hatte die Idee

Das gemeinsame Wandern geht auf eine Initiative des Jesuitenpaters Frans van der Lugt zurück. Er hat über Jahrzehnte in Syrien gelebt und sich dort für behinderte Menschen, Arme und Obdachlose eingesetzt. Frans van der Lugt hat unter anderem einen großen Landwirtschaftsbetrieb für behinderte Menschen aufgebaut.

Immer wieder hat er bemerkt, wie gespalten das Land ist. „In Syrien leben viele Menschen der verschiedensten Kulturen“, sagt Yara Khalil. Die Kulturen und Religionen haben nicht immer Verständnis für einander. Das wollte Frans van der Lugt ändern: mit einem gemeinsamen Marsch, bei dem die Menschen Gelegenheit bekommen sollten, sich auszutauschen, sich zuzuhören und sich verstehen zu lernen.

Der „Frans’ Hike“ war viele Jahre lang sehr erfolgreich. Pater Frans wurde 2014 ermordet. Seine Anhänger, die ins Exil gingen, nahmen seine Idee aber mit.

Junge Syrer haben den Marsch nach Deutschland gebracht

In der neuen Heimat geht es den Menschen aus Syrien nicht nur darum, sich gegenseitig kennenzulernen. Sie wollen auch den Menschen dort näher kommen, wo sie jetzt leben – und sie wollen den Menschen dort Gelegenheit geben, sie verstehen zu lernen.

In Berlin gab es bereits mehrere dieser Frans-Wanderungen, in den Niederlanden eine und im vergangenen Jahr in den Alpen. Jetzt haben sich die Organisatoren erstmals für Brandenburg entschieden. Die katholische Gemeinde Herz Jesu in Neuruppin unterstützt das Projekt mit besten Kräften. Walter Pauly hat zum Beispiel bei der Suche nach geeigneten Unterkünften für so viele Menschen geholfen.

Der Plan sieht vor, dass die Wanderer in mehreren Gruppen am Sonnabend von Neuruppin aus aufbrechen, über Alt Ruppin und Molchow nach Stendenitz wandern, in Rottstiel eine Mittagspause einlegen und von dort zurück nach Neuruppin laufen. Rund 30 Kilometer Weg sind dafür zu Fuß zurückzulegen – reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Flüchtlinge wollen etwas tun für die Integration

Übernachten können die Wanderer – auch schon am Freitagabend – in der Evangelischen Schule in Neuruppin. Von dort geht es am Sonntagmorgen weiter nach Lindow, wo Stadt und Amt für die Aktion die Turnhalle der Schule zur Verfügung stellen. Bis Dienstag finden Gespräche und Workshops zu diversen Themen statt, bevor die Wanderung am Abend mit einer Abschlussparty zu Ende geht.

„Die Aktion ist so besonders, weil sie das stereotype Bild vom Flüchtling durchbricht“, findet Klaudia Höfig vom Erzbistum Berlin, das die Wanderung ebenfalls unterstützt. Die jungen Leute würden eben nicht zu Hause sitzen und warten, bis jemand auf sie zukommt, um sie zu integrieren, wie man es oft von Flüchtlingen erwartet. „Sie werden selbst aktiv“, sagt Klaudia Höfig. „Das ist etwas, was uns mitnehmen könnte“, hofft sie: „Gastfreundschaft betrifft immer beide Seiten.“

Jeder ist eingeladen mitzuwandern

„Es wäre schön, wenn sich viele Menschen dieser Wanderung anschließen“, sagt Walter Pauly. Wer will, kann von Samstag ab 8 Uhr von der Evangelischen Schule aus mitlaufen – einige Stunden lang, einen ganzen Tag oder auch die ganze Zeit über.

Auch die Stadt Neuruppin steht hinter dem Projekt. Bürgermeister Jens-Peter Golde will die Wanderung am Sonnabend eröffnen und wird selbst ein Stück weit mitlaufen.

Auch für seinen Stellvertreter Arne Krohn ist das ein sehr bewegendes Thema. „Wer den Hintergrund kennt, dem wird es schwer fallen, nicht begeistert zu sein“, sagt er.

Die Frans-Wanderung beginnt am Sonnabend, 4. August, um 8 Uhr an der Evangelischen Schule und führt über 30 Kilometer dorthin zurück. Am Sonntag geht es ab 8 Uhr ähnlich weit nach Lindow.

 

Von Reyk Grunow

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