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Neuruppin Kampf gegen Lehrermangel: So funktioniert es
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16:53 07.02.2018
Ignacio Ross ist Lehrer am Evangelischen Gymnasium in Neuruppin, er ist einer von derzeit sieben Quereinsteigern, die an einer Qualifizierungsphase teilgenommen haben. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Ignacio Ross spricht fließend vier Sprachen: Englisch, Spanisch, Deutsch und Schwedisch. Beim Deutsch muss man allerdings Abstriche machen, denn das lernte er in der Schweiz. Die 15 Jahre, die Ignacio Ross zuletzt in Hamburg gelebt hat, haben ihm den Schweizerischen Akzent allerdings ausgetrieben.

Ross ist gelernter Dolmetscher. Er liebt Grammatik, wie er selber sagt. Seit ein paar Jahren arbeitet er nun als Lehrer an der Evangelischen Schule in Neuruppin.

Ignacio Ross unterrichtet gerne Sprachen. Als gelernter Dolmetscher kennt er sich in seinem Fach bestens aus. Quelle: Peter Geisler

Die ländlichen Regionen in Brandenburg klagen seit Jahren über einen immer größer werdenden Lehrermangel. Ignacio Ross, der als Quereinsteiger zum Lehrer wurde, ist ein Beispiel dafür, wie dem Problem zu begegnen ist.

Eigenes Qualifizierungsprogramm

Die Evangelische Schule in Neuruppin verfolgt seit dem Jahr 2013 gemeinsam mit dem Schulträger, der Evangelischen Schulstiftung, eine eigene Strategie, neue und gut ausgebildete Lehrkräfte zu gewinnen. Mit einem eigenen Qualifizierungsprogramm, das zwei Jahre dauert, werden Quereinsteiger zu Lehrern ausgebildet, die nach bestandener Prüfung direkt an der Schule arbeiten können. So bekommen Menschen wie Ignacio Ross eine Chance, obwohl sie kein klassisches Lehramtsstudium abgeschlossen haben.

Heiko Haschke, Bereichsleiter für Fremdsprachen an der Evangelischen Schule Neuruppin und Mitorganisator des Ausbildungsprogrammes erklärt, warum es sinnvoll für seine Schule ist, Quereinsteiger selbst auszubilden: „Wir besitzen gemeinsam mit unserem Träger ein großes fachliches Potenzial, das wir nutzen können. So gelingt es uns beispielsweise, Lehrer mit einem evangelischen Hintergrund auszubilden, was von staatlicher Seite in der Form nicht möglich wäre.“ Auch die Didaktik und eine besondere Schüler-Lehrer-Beziehung könne durch die eigene Ausbildung besser auf die Schule abgestimmt werden, so Haschke weiter.

Perfekt zum Lehrer geeignet

Ignacio Ross ist einer von derzeit sieben Lehrern, die das Quereinsteiger-Programm der Schule durchlaufen haben. Der einundvierzigjährige unterrichtet seit zwei Jahren die Fächer Englisch und Spanisch. Er eignet sich quasi perfekt für diese Sprachkombination, weil er als Kind italienischer und britischer Eltern in Argentinien aufgewachsen ist.

„Ein Lehrer muss lieben, was er unterrichtet und ich habe mich schon immer für Sprachen begeistert“, sagt Ross. Nach seiner Schulzeit in Buenos Aires lebte er in Schweden und dann eine Zeit lang in der Schweiz. Dabei lernte er sowohl die Schwedische, als auch die Deutsche Sprache.

Durch Freunde auf Stelle in Neuruppin gekommen

Ignacio Ross arbeitete viele Jahre als Übersetzer in Hamburg. In Abendkursen brachte er damals bereits Erwachsenen Spanisch oder Englisch bei. Die Idee, es als Lehrer in Vollzeit an einer Schule zu versuchen, sei während dieser Zeit langsam gewachsen, erzählt er. Freunde hätten ihn letztlich mit einer Stellenanzeige in Neuruppin überzeugt.

Seit 2015 lebt Ignacio Ross nun schon in Brandenburg und fühlt sich wohl in der Fontanestadt. „Ich bin hier angekommen und erfahre viel Unterstützung von netten Kollegen“, sagt er. Dass er an einer Schule in freier Trägerschaft nicht verbeamtet wird, stört ihn nicht. Die Arbeit sei seine Motivation gewesen, keine Verbeamtung.

Quereinsteiger sind keine Notlösung

Für ihn stellen Quereinsteiger als Lehrer auch keine Notlösung gegen den Lehrermangel dar. Die Schüler würden stark von seinen Lebenserfahrungen profitieren.

Auch Fremdsprachenbereichsleiter Heiko Haschke bestätigt dieses Motiv: „Die Menschen, die sich entschließen, als Quereinsteiger Lehrer zu werden, wissen um die einmalige Chance, die sie dadurch bekommen. Sie sind oft hervorragende Motivatoren und Enthusiasten, die das Niveau an der Schule steigern können.“

Missgunst von Kollegen

Allerdings hat Ignacio Ross auch schon Missgunst von anderen Kollegen gegenüber seiner fehlenden akademischen Laufbahn erlebt. Schlimm sei das für ihn aber nicht gewesen. Er habe von Anfang an seinen eigenen Weg gehen wollen, so Ross.

Bevor ein Quereinsteiger an der Evangelischen Schule unterrichten darf, wird er von erfahrenen Kollegen bei mehreren Probestunde beobachtet. „Ein Abschluss allein macht noch keinen guten Lehrer“, sagt Fremdsprachenbereichsleiter Heiko Haschke.

Von Jonas Nayda

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