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Neuruppin Lebensader und Grenzfluss
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Lebensader und Grenzfluss
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17:04 14.06.2013
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Dieser See war nicht sehr tief und versumpfte nach und nach. Heute stellt sich dieser ehemalige See als große Grünlandfläche dar, die im Norden bei Lögow/Kantow beginnt und sich im Süden bis Küdow/Lüchfeld hinzieht. Es ist das heutige Temnitztal. Die Temnitz durchfloss schlangenförmig den Netzmar-See und fließt, gespeist durch ihre Quelle bei Dünamünde und allerhand Grabenzuflüsse, noch aktiv, aber nicht mehr so kräftig wie damals. Heute besteht ihre Hauptaufgabe darin, Vorfluter zu sein, der für die Be- und Entwässerung des Grünlandes verantwortlich ist.

Als sich 1992 siebzehn Dörfer ein gemeinsames Verwaltungsamt zulegten, suchte man dafür einen Namen. Der neu geschaffene Amtsbereich gleicht auf der Karte einem Faustkeil, der in der ganzen Länge vom Norden bis zum Süden von der Temnitz durchflossen wird. Sie verbindet territorial fast alle Gemeinden miteinander. Damit war der Name gefunden.

Im 7. bis 9. Jahrhundert ließen sich am Temnitzufer die Slawen vom großen Volksverband der Lutizen mit seinem Stamm der Zamcici nieder. Sie suchten hier den Schutz des Sumpfes, denn der galt als unüberwindlich. So bauten sie sich einen Ringwall, der heute noch als Wildberger Burgwall nachweisbar ist.

Theodor Fontane schreibt dazu: „Wir sehen hier, nicht wie man baute, sondern wo; welches Terrain man aussuchte und wie man es benutzte. Sumpfland, an manchen Stellen eine halbe Meile breit, hinderte jeden Zugang; und die Ausgedehntheit des Sumpfterrains machte eine Umstellung und Aushungerung fast unmöglich.“

Beim Bau der Eisenbahnstrecke Neustadt–Neuruppin im Jahre 1901 mussten die Bauern mit ihren Pferdefuhrwerken Kies für den Dammbau heranfahren. Als sie am Tag darauf an ihrem Bauplatz erschienen, war der Kies verschwunden. Es waren viele Fuhren nötig, um dem Damm die erforderliche Standfestigkeit zu verleihen.

Dass diese sumpfige Bodenbeschaffenheit heute noch besteht, zeigt eine Untersuchung des Baugrundes vor dem Bau des Straßenabschnittes der Bundesstraße 167 von Wildberg nach Kerzlin im Jahre 2000. Nach Aussage des Straßenbauamtes Brandenburg befindet sich unter der Straßendecke eine 17 Meter mächtige Torfschicht von schlammiger Konsistenz. Das war der Grund für die weiträumige Umleitung des Verkehrs. Der Sumpf, der heute in dieser Form nicht mehr sichtbar ist, bildete über lange Zeit eine natürliche Grenze mit der Temnitz als Grenzfluss.

Mit Beginn der deutschen Besiedlung im 11. und 12. Jahrhundert hat man diesen Umstand akzeptieren müssen, denn das Ruppiner Land der Grafen von Arnstein hörte hier auf.

Auf der anderen Seite war das Dossaner Land der Edlen Herren von Plotho mit Kyritz und Wusterhausen. Sie bauten sich vermutlich zum Schutz ihres Territoriums auch den slawischen Ringwall an der Temnitz als frühdeutsche Burg auf, denn Nachbarschaftsstreite gab es früher wie heute.

Das Problem dabei war, dass die Edlen von Plotho zwei Herren hatten, nämlich den Erzbischof von Magdeburg, der schützend seine Hand über die ehemaligen slawischen Plothos legte, weil sich nämlich das Herrengeschlecht frühzeitig taufen ließ, und den Markgrafen von Brandenburg, der sich überhaupt nicht mit dem Magdeburger Erzbischof verstand und fortwährend kriegerische Auseinandersetzungen mit ihm führte. Die Arnsteiner Grafen aber waren Vasallen des Markgrafen.

Da sich die Edlen von Plotho auf die Seite des Magdeburger Erzbischofes stellten und die Arnsteiner dem Markgrafen dienten, wurden die Auseinandersetzungen auch an der Temnitz geführt. Durch diese Nachbarschaftskämpfe ist vermutlich die Burg an der Temnitz (Wildberg existierte noch nicht) im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts in die Hände der Arnsteiner Grafen geraten.

Die Edlen von Plotho haben wahrscheinlich dem ständigen Druck nicht mehr standhalten können und das angestammte Dossaner Land um 1270 aufgegeben. Das war für die Familie sicher ein herber Verlust, aber sie hatten noch anderswo genug Land.

Für die Arnsteiner war nun der Weg in Richtung Westen frei. Sie brauchten jedoch nicht mehr zu kämpfen und zu erobern, sondern übernahmen vertraglich vom verschuldeten Markgrafen das gesamte Wusterhausener Land.

Damit endete die Bedeutung der Temnitz als Grenzfluss und die Wildberger Burg verlor ihren militärisch-strategischen Wert. Sie wurde zeitweilig noch als Schloss genutzt und verwahrloste.

Inzwischen wurde das Städtchen Wildberg von den Wildberger Rittern gegründet. Die Temnitz, zur damaligen Zeit viel größer als heute, floss unbeschadet weiter dahin, überschwemmte in jedem Frühjahr weiträumig das grüne Sumpfgebiet und beherbergte viele Fische und Krebse, die die Wildberger Bewohner mit dem Recht der freien Benutzung mit Schnurnetzen, Keschern und Reusen fangen durften.

Bald erkannte man auch den wirtschaftlichen Vorteil der Temnitz, denn ihre Wasserkraft war nicht zu unterschätzen. Sieben Wassermühlen entstanden und arbeiteten noch bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die erste stand in Rägelin, und weiter südwärts standen die nächsten in Katerbow, Walsleben, Paalzow, Schreymühle, Wildberg und Garz. Als im Winter 1900/1901 die Garzer Wassermühle abbrannte, wurde das Mühlengewerbe aufgegeben und ein kleines Elektrizitätswerk eingebaut, das die Quast’schen Güter Garz und Vichel mit Licht und Kraftstrom versorgte. Später erwarb der Wildberger Müller die Technik und baute sie in seine Mühle ein. Das Mühlenwesen erforderte die ständige Pflege und Überwachung des Flusslaufes. Schon 1783 begann man nachweislich mit der Begradigung des Temnitzlaufes von Wildberg bis Damm.

1793 erarbeitete die Königliche Kurmärkische Kriegs-und Domainen-Kammer ein Graben-Schau-Reglement. Dieses verpflichtete die Anlieger zu einer vorschriftsmäßigen Grabenräumung bis Juni eines nächsten Jahres. Hier war die Temnitz von der Wildberger Grenze bis zum Vorwerk Damm zu räumen. Eine Grabenkommission kontrollierte termingemäß und sprach bei Nichteinhaltung empfindliche Strafen aus.

1907 gründeten dann die Grundstücksbesitzer der Gemeinden Kantow, Lögow, Gartow, Gottberg, Wildberg, Kerzlin, Lüchfeld, Küdow, Rohrlack, Garz und Vichel die „Temnitz-Meliorationsgenossenschaft Wildberg“.

1956 wurde wieder neu gegründet. Es bildete sich die Meliorationsgenossenschaft für den Bereich „Mittlere Temnitz“ Wildberg.

So richtete sich das Augenmerk der Bewirtschafter zunehmend auf die landwirtschaftliche Zweckmäßigkeit des Flusses, der damit seine Aufgabe im Naturhaushalt zwangsläufig einschränkte. Als sich im August 1952 der Anglerverein Wildberg gründete, entwickelte sich dieser schnell auf über 100 Mitglieder aus den Dörfern Kerzlin, Garz, Küdow, Rohrlack, Lögow, Emilienhof, Lüchfeld, Dessow, Ganzer, Gottberg und Manker. Zu dieser Zeit war die Temnitz noch das Angelgewässer Nummer eins. Die Angler setzten sich sehr für den Erhalt und die Reinheit ihres Fischgewässers ein. Sie pflegten die Ufer, setzten sich mit Fischdieben und Umweltfrevlern auseinander und erneuerten den Fischbesatz. Hechte, Bleie, Plötze, Schleie, Gründlinge, Bitterlinge und teilweise Aale waren typische Temnitzfische.

Ab 1962 erfolgten in mehreren Abschnitten umfangreiche Bauarbeiten an der Temnitz, die gekennzeichnet waren durch Umleitungen, Begradigungen und Tieferlegung der Flusssohle mit einer Wasserspie-

gelabsenkung von zirka 1,50 Meter.

Die Ergebnisse waren eine verbesserte Grünlandbewirtschaftung und höhere Erträge, da die Frühjahrsüberschwemmungen ausblieben.

Die Kinder aber waren traurig, denn sie verloren ihre schönen sauberen Badestellen und die Möglichkeit, im Winter auf den überschwemmten und vereisten Wiesen gefahrlos Schlittschuh zu laufen und Eishockey zu spielen.

Außerdem ist, zum Leidwesen der Angler, fast der gesamte Fischbestand abgewandert, da die veränderten Wasserverhältnisse den Fischen und Krebsen keinen Lebensraum mehr boten. Obwohl ständig seitens des Anglervereins Fische eingesetzt wurden, hat sich der alte Zustand nie wieder eingestellt.

Für den Wildberger Anglerverein hat die Temnitz in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. 1974 schufen sie sich in Eigenleistung ein eigenes Angelgewässer, indem sie einen Graben großflächig zu einem Teich umbauten und mit viel Anglerliebe bewirtschaften. Nicht schlecht staunten sie, als sie bemerkten, dass einmal sowjetische Soldaten mit einem Zugnetz ihren Teich durchfischten. Die findigen Angler verhinderten allerdings einen zweiten Fang, indem sie Holzpfähle in den Teichgrund einschlugen. Die Pfähle waren nicht zu sehen und die Netze wurden beim nächsten Mal zerrissen.

Am 1. April 1963 gründete sich die Meliorationsgenossenschaft „Temnitz“ mit Sitz in Kerzlin. Genossenschaftsmitglieder waren die umliegenden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Es entwickelte sich ein Großbetrieb, der in gegenseitiger Abstimmung mit den LPG umfangreiche Meliorationsprojekte und Wiesenumbrüche durchführte.

Im Herbst 1968 sollte der allgemeine Wunsch der Wildberger nach einer Badeanstalt in Erfüllung gehen. Am Wildberger Burgwall sollte sie stehen und mit Temnitzwasser gefüllt werden. Während der Erdarbeiten stieß man auf Reste einer vor der Burg liegenden Siedlung. Der Bau wurde umgehend vom Museum für Ur- und Frühgeschichte gestoppt. Nach einer ersten Notgrabung wurden in den Jahren 1984 bis 1987 intensive Grabungen vorgenommen. Hier fand man viele Hinweise einer ursprünglichen slawischen Besiedlung.

Das Bauvorhaben „Badeanstalt“ wurde aber nicht vergessen. Ein anderer Platz wurde gesucht und gefunden. Es war das alte Temnitzbett vor der Wildberger Mühle, das am Rand befestigt und mit Sand aufgeschüttet wurde. Jetzt kam, was die alten Wildberger vorausgesagt haben: „Lasst das sein, hier bekommt ihr keinen Grund!“ Die Temnitz lieferte alsbald ihr Wasser und aus der ehemaligen Badeanstalt ist ein Biotop geworden. Hier fühlen sich Seerosen, kleine Fische und Frösche wohl.

Für die Bewirtschaftung der Temnitz wurde im Oktober 1969 von der Oberflussmeisterei Neuruppin, Flussbereich Rhin, in Wildberg ein Meisterbereich aufgebaut. Seine Aufgabe war die Instandhaltung und die Regulierung aller Wasserläufe der Gegend mit einer Gesamtlänge von 109 Kilometern, davon die Temnitz mit 42 Kilometern. Zum Anstauen des Wassers wurden 22 Wehre bedient und instand gehalten. Die ständige Wasserkontrolle gehörte zu den Aufgaben des Meisters – bis zum 4. Dezember 1991. An dem Tag wurde der Wasser- und Bodenverband „Oberer Rhin-Temnitz“ in Nietwerder gegründet. Damit ist die Temnitz weiter fest im Griff und darf nicht mehr machen, was sie will.

*Der Autor ist Ortschronist von Wildberg. (Von Egbert Zemlin*)

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