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Neuruppin Lesung zum Thema Sterben
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00:23 14.10.2018
Dorothea Mihm bei der Lesung in der Fontanebuchhandlung Neuruppin mit ihrem Buch „Die sieben Geheimnisse guten Sterbens“. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Die sieben Geheimnisse guten Sterbens – ein provokanter ­Titel. „Der kommt nicht von mir“, wehrt Dorothea Mihm lächelnd ab. „Das hat der Verlag bestimmt. Ich durfte nicht mitreden.“ Mitreden kann die Palliativschwester indes, wenn es um „ihr“ Thema geht. Seit mehr als 30 Jahren hat sie mit Sterbenden zu tun, berichtet sie am Mittwochabend in der mit 100 Gästen rappelvollen Neuruppiner Fontanebuchhandlung, wo sie das Buch vorstellt: Es basiert auf ihren Erfahrungen, in Worte gebracht hat sie diese in Kooperation mit Susanne Bopp.

Gutes Sterben – was kann das sein in einer Gesellschaft, in der Sterben und Tod Tabuthemen sind? Einst starben Menschen daheim, umsorgt von ihren Familien oder der christlichen Gemeinschaft. Auch diejenigen, die Todkranke in der letzten Lebensphase pflegten, konnten auf ihr Umfeld zählen.

Die Lesung zog fast 100 Zuhörer in die Buchhandlung

Heutzutage gibt es stattdessen das Berufsbild des Sterbebegleiters – der Tod wird „ausgelagert“ aus den Familien. Dorothea Mihm ist hautnah am Thema dran – die Einladung zur Lesung kam von Susanne Hoch und Katja Wendt vom Hospiz Neuruppin, anlässlich des alljährlich im Oktober stattfindenden Welthospiztags. „Weil du wichtig bist!“ – so dessen Motto. Und Dorothea Mihm nimmt das sehr ernst, ganz im Geiste der englischen Palliativ-Pionierin Cicely Saunders, die Gründerin der modernen Palliativmedizin und Hospizbewegung.

Buchhändlerin Jana Kolar-Voigt und Susanne Huch vom Hospiz vor der Lesung. Quelle: Regine Buddeke

Wenn man wisse, wie man Sterbenden zu begegnen habe, helfe das, Unsicherheit zu lösen, Angst, Aggression, Ungeduld, Zorn und Ohnmachtsgefühle – sowohl beim Sterbenden als auch beim Pflegenden. Jeder der damit konfrontiert wird, werde von starken Gefühlen überflutet, die oft wie ein gordischer Knoten verschlungen sind. Und den Tod einfach totzuschweigen sei kein Weg, damit fertig zu werden. Denn er trifft jeden.

Dorothea Mihm ist bei einer Nepal-Reise auf einen 93-jährigen tibetischen Mönch gestoßen, der ihr eine völlig neue Sichtweise auf Sterben und Tod gab. Dank des „Tibetanischen Totenbuches“ hat sich Mihm viel von der buddhistischen Sichtweise auf das Sterben angeeignet und in ihre Arbeit integriert – sie hat an verschiedensten Krankenhäusern und Hospizen und sogar bei einem frauengeführten Bestattungshaus gearbeitet.

Viel zu oft wird der Tod in unserer Gesellschaft als Tabuthema behandelt

Der Tod zog sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Und sie möchte den Menschen eine Hilfe zur Hand geben, das Thema aus der dunklen Ecke zu holen, in die es oft gestellt wird. „Der Tod gehört zum Leben – auch wenn es keiner wahrhaben will.“ Loslassen statt Bewahrenwollen – auch das gelte für Sterbende und ihre Familien gleichermaßen.

Wie will man sterben – stellt sie die Frage in den Raum. Mancher wolle vom Tod auf leisen Sohlen über Nacht geholt werden, manch einer lieber wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Und mancher wolle langsam sterben, Zeit für den Abschied haben. Manch einer wolle den selbstbestimmten Tod. Mihm möchte die Unsicherheit bei den Begleitern mildern, um bewusstes Sterben zu ermöglichen. „Die Grauzone zwischen Leben und Tod verständlich machen“, sagt sie. Und meint damit Sterbende in komatösem Zustand.

Die Autorin wirbt in ihrem Buch für respektvollen Umgang mit Sterbenden

„Menschen, die sich nicht mehr rühren und nicht mehr bei uns scheinen“, erklärt die Autorin in den Saal, der während der gesamten Lesung so totenstill ist wie sonst nie bei einer Lesung. Gleichwohl habe sie immer wieder bemerkt, dass diese Menschen sehr wohl noch vieles mitbekommen und auf Ansprache reagieren, mit den Mitteln, die ihr Körper zulasse. Sie nennt ein Beispiel. Sie wirbt, niemals am Bett eines Sterbenden über ihn zu reden, sondern mit ihm.

In ihrem Buch hat sie sieben goldene Regeln entwickelt – die für’s „gute Sterben“ wichtig sind: Etwa sich bewusst zu sein, dass der Tod zum Leben gehört und uns jederzeit treffen kann; Unerledigte Dinge anzugehen – auch die emotionalen. Zu wissen, was im Sterbeprozess passiert und wie man über den Körper die Seele der Sterbenden erreicht, um sie begleiten zu können. Nicht zuletzt ist es wichtig, loslassen zu können – in Liebe.

Am Ende lassen sich viel Gäste das Buch signieren oder wollen mit Dorothea Mihm sprechen. Quelle: Regine Buddeke

Sie erzählt, wie wichtig es ist, Sterbenden respektvoll zu begegnen, ohne sie zu bevormunden. Den Satz „Der kriegt ja eh nichts mehr mit“ bestreitet sie vehement.

Die Zuhörer stellen viele Fragen, man merkt, viele sind beruflich damit befasst oder haben eigene Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Viele beklagen, dass gerade in Pflegeheimen oder Krankenhäusern oft die Zeit fehle, sich um die Sterbenden zu kümmern. Mihm erzählt, sie frage die Pfleger solcher „Sterbe-Bewahrstationen“ oft: Würdest du hier sterben wollen? „Ich habe noch nie ein Ja als Antwort bekommen“, spricht sie die deprimierende Wahrheit aus.

Noch mehr liegt im Argen: Mangelnde gesellschaftliche Anerkennung Pflegender, schlechte Bezahlung, Menschen, die wie Hähnchen im Stundentakt gedreht werden. „Ein riesiger Notstand – und ein Armutszeugnis für unserer Gesellschaft“, sagt Dorothea Mihm.

Interesse weckt auch die von Mihm vorgestellte „basale Stimulation“ – sie selbst gibt diese in Workshops an alle weiter, die mit Sterbenden zu tun haben.

Von Regine Buddeke

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