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Neuruppin Lindower trotzen der Trockenheit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Lindower trotzen der Trockenheit
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09:23 26.07.2013
Christiane Göbel muss ihren Rindern das Trinkwasser mit dem Tankwagen bringen. Quelle: Christian Kranz
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Lindow

Die paar Regentropfen in der Nacht zu gestern retten die Kartoffeln von Siegfried Mewes aus Banzendorf nicht. Da müsste schon ein ordentlicher Regenguss kommen. Der 71-Jährige sorgt sich um den kleinen Kartoffacker vor seinem Haus. Die Pflanzen lassen die Köpfe hängen – aber sie richtig zu bewässern kostete wohl mehr, als die Ernte wert ist. Der Rentner pflanzt für den Eigenbedarf.

Siegfried Mewes sorgt sich um seinen kleinen Kartoffelacker. Quelle: Christian Kranz

Regen war rar in diesem Monat. Der Lindower Hafenmeister Henry Barsewitz beobachtet den außergewöhnlich niedrigen Wasserstand im Gudelacksee. Bedrohlich ist das nicht – aber ungewöhnlich, findet er. Der stets vom Untergang bedrohten kleinen Insel tut es sicher gut. Aber allein an der Verdunstung kann das nicht liegen, glaubt Henry Barsewitz.

Damit liegt er richtig, wie der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Oberer Rhin/Temnitz, Holger Lettow, bestätigt. Der Verband hat oberhalb der Schleuse Alt Ruppin kräftig Wasser abgelassen. Und es könnten nochmal acht Zentimeter weniger werden – dann ist das zulässige Minimum erreicht. Grund sind bevorstehende Bauarbeiten am Wehr in Neumühle. Dort soll eine Firma in Kürze damit beginnen, bis Ende September einiges instandzusetzen – den Mittelpfeiler, die Elektrik, den Antrieb. Wenn die Firma eine Umleitung für das Wasser einrichtet, kann am Wehr etwa eine Woche lang gar kein Wasser abgelassen werden. Für den Fall, dass es in dieser Zeit stark regnet, hat Holger Lettow vorsorglich Wasser abgelassen, um eine Staureserve zu schaffen. Das hat übrigens den Effekt, dass der Ruppiner See derzeit ziemlich voll ist. Allerdings ist der Verband auch gehalten, nach dem Hochwasser möglichst viel sauerstoffreiches Wasser in die Havel nachfließen zu lassen. Denn aus den Überschwemmungsflächen fließt nur sauerstoffarmes Wasser in den Fluss – die Havel droht, umzukippen.

Eine ungewöhnliche Trockenheit erkennt Holger Lettow nicht. Auch die Rheinsberger Seen seien noch gut gefüllt. Es bestehe keine Gefahr, dass der Rhin für Paddler gesperrt werden muss. „Wir zehren noch von den starken Regenfällen im Mai und im Juni“, sagt Holger Lettow.

So sehen es auch viele Landwirte. Die Borstentiere von Karsten und Christiane Göbel aus Lindow dürfen sich auf der Lindower „Bauernhoffnung“ am Banzendorfer Weg im Schlamm suhlen, den Christiane Göbel ihnen mit Wasser aus dem Tankwagen anlegt. Mehr Arbeit machen der Bio-Landwirtin derzeit die 40 Rinder, die sie bei Gühlen stehen hat. Wenn es weiter so trocken bleibt, muss sie ihnen das Wasser mit Traktor und Tankwagen auf die Weide liefern. Das bedeutet eine Menge Fahrerei, denn bei der Hitze säuft so eine Kuh schon mal 50 Liter am Tag. Pflegeleichter sind da die Sommergäste in den Ferienwohnungen von Familie Göbel. Eine Siloplane am Hang ausgelegt, einen Schlauch ans obere Ende gelegt und den Hahn aufgedreht – fertig ist die schönste Wasserrutsche – sehr zum Vergnügen der Kinder, auch ohne Badesee in der Nähe.

Die Badestellen in Lindow und in Strubensee sind derzeit gut besucht, aber werktags noch nicht überfüllt. Am Mittwoch standen noch nicht mal Autos im Wald bei Strubensee – was bei der derzeitigen Waldbrandgefahr auch ganz richtig ist.
Relativ egal ist die Hitze dem Banzendorfer Bäcker René Kügow. Er backt noch jeden Morgen frische Brötchen und Kekse fürs Dorf. „In der Backstube ist es immer heiß – im Sommer wie im Winter“, sagt er. Doch mit dem modernen Ölofen ist das erträglich. „Mit dem alten Kohleofen zu DDR-Zeiten war das schlimmer“, sagt der Bäcker.

Von Christian Kranz

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