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Neuruppin Lüül liest in Buskow aus seinen Memoiren
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11:18 22.10.2018
Lüül liest und singt in Buskow aus seinen Memoiren Quelle: Regine Buddeke
Buskow

Das Buch ist ziemlich dick. Kein Wunder – Lüül hat so einiges erlebt. Der Sänger, Musiker, Autor und Songschreiber ist nicht nur Urgestein bei der Kultband 17 Hippies – auch das Leben vor den Hippies war bunt. „Und ich folge meiner Spur ...“ heißt sein Buch. Davon las und sang er am Sonntag Nachmittag in Buskow – im Bodoni-Salon im Kuhstall. Zwei Dutzend Gäste kamen, um mit ihm diese Reminiszenz zu teilen.

Mit einem Prost und der Bierflasche in der Hand besteigt er die Bühne – schon um zu zeigen, dass das Leben nicht bierernst ist. Und dass er immer noch der alte Haudegen ist, von dem er gleich lesen wird. Es blitzt in seinen Augen. Lüül, bürgerlich Lutz Ulrich, Jahrgang 1952, hat bereits mit 12 Jahren seine erste Band gegründet, wie er mit einem alten Foto belegt. Er erzählt, dass seine Eltern sich in Neuruppin kennengelernt haben, beim Rudern. „Sonst würde ich heute nicht hier lesen“, sagt er. Doch würde er, erinnert ihn Gastgeber Marc Johne. Schließlich sei in seiner Bodoni-Edition rasch die zweite Auflage des Buches gedruckt wurden, weil die erste vergriffen war. „Bei der letzten Lesung musste ich vorher mein eigenes Buch bei ebay kaufen“, schmunzelt Lüül.

Lüül hat mit 12 in seiner ersten Band gesungen

Oft habe man ihn gefragt, warum er, der ja noch gar nicht so ein alter Knochen sein, schon seine Memoiren geschrieben habe. „Wegen der 17 Hippies“, klärt er auf. „Ich hatte halt schon nen Erlebnisvorsprung. Immer wenn wir irgendwo waren, habe ich erzählt, dass ich da schon vor langer Zeit war und was ich da erlebt habe. Schreib das auf, haben sie gesagt. Also hab ich es aufgeschrieben.“

Lüül liest über den durchgeknallten Musiker John L., der ständig zugedröhnt und halb bis ganz nackt und mit bemaltem Gemächt auf der Bühne auftrat. Einmal auch im Quasimodo, wo er zum Tarzan wurde und das recht gesittete Publikum mehr als schockte. „Wir haben seitdem nie wieder im Quasimodo gespielt“, sagt Lüül und alle lachen ob der wortreichen Schilderung des Happenings.

Er liest davon, dass die Mutter eines Bandkollegen, in deren Keller man einst probte, sie rauswarf. „Wir hatten versucht, den Raum tiefer zu legen – mit der Spitzhacke“, grient Lüül.

Er liest über seine Zeit bei der legendären Kommune 1, wo Agitation Free, bei der Lüül auch heute noch mitspielt, proben durfte. „Rainer Langhans war relaxed und cool – es war ne wilde Zeit.“ Einmal habe er mit der splitternackten Uschi Obermaier Kaffee getrunken. Agitation Free trat 1970 beim „Ersten Deutschen Progressiven Popfestival“ im Berliner Sportpalast auf. Im „Elektronik Beat Studio Berlin“ erhielten sie, wie auch andere Bands, ihren letzten Schliff. Lüül zeigt einen Live-Mitschnitt aus einem RBB-Dokumentarfilm über das Beat-Studio – sehr zum Schmunzeln der Gäste. Dann und wann greift Lüül zur Gitarre und singt ein Lied – passend zum Kapitel.

Er war mit Topmodel und Sängerin Nico liiert

Auch mit Nico, dem ersten deutsche Supermodel, habe er eine wilde, heroinschwangere Zeit verbracht. Sie, die Muse von Andy Warhol und Filmfigur in einem Fellini-Film, hat ihn einst – man kann es ruhig vernascht nennen. Gemeinsam waren sie in Frankreich, später in Amerika. Lüül spielt erst als Straßenmusiker, dann bei Ashra Tempel. Er liest, wie er einst mit dem legendären Doors-Sänger Jim Morrison ein Bett teilte. Streng genommen war es dasselbe Bett, aber Morrison war da längst anderswo.

Lüül liest von Trips im Tee. Beschreibt, dass er bei Nicos erster Offerte „Schiss kriegte“ und dann doch in seinem eigenen Abteil schlief. Er zeigt ein Video, von einem Lied, das er einst für Nico schrieb, bei dem der Youtuber Fotos der schönen Femme Fatale einblendete. Sehr versunken schaut Lüül da in seinen Rechner – man merkt, er ist ihr irgendwie immer noch ein Stück verfallen.

Lüül erzählt, wie er 1995 durch Zufall zu den 17 Hippies gekommen ist. Die mit Dudelsack, Kontrabass und Ukulele starteten, dann kamen Akkordeon, Banjo, Gitarren, Geige, Klarinette dazu. „So ziemlich die uncoolste Besetzung, die man sich damals vorstellen konnte. „Die Musiker kamen von der Klassik, vom Rock, vom Jazz, vom Klezmer. Es war absurd. Manche konnten keine Noten lesen, manche konnten nicht ohne spielen.“

Lüül hat Heroinsucht überwunden

Ein Auftritt bei einer Privatparty brachte den Durchbruch. „Der Gastgeber wollte uns rausschmeißen, weil er uns nicht eingeladen hatte. Wir spielten und die Gäste fandens toll.“ Der Erfolg der Partyband wuchs. Filmregisseur Andreas Dresen wurde auf sie aufmerksam, für seinen Film „Halbe Treppe“. „Wir waren nicht zur Preisverleihung eingeladen, als er den Silbernen Bären bekam“, erzählt Lüül, der immer noch bei den Hippies Banjo spielt.

Lüül spielt noch ein Lied per Video ab: Tour-Koller heißt es. Man habe damals zum Teil 120 Konzerte pro Jahr gegeben. Sein Blick ist dabei versonnen, fast ein wenig traurig. Er schaut mit Liebe auf sein Leben zurück, das spürt man.

Von Regine Buddeke

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