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Neuruppin Kronprinz Friedrichs Musentempel in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Kronprinz Friedrichs Musentempel in Neuruppin
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00:21 10.12.2018
Kronprinz Friedrich ließ den Apollotempel noch offen bauen – später erst bekam er Wände und Fenster und wurde zum Lusttempel. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Jeden Tag öffnen wir im MAZ-Adventskalender ein Türchen und erzählen die Geschichte eines besonderen Gebäudes aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Heute geht es um den Neuruppiner Tempelgarten mit dem Apollotempel.

Nachdem Kronprinz Friedrich von Preußen nach misslungener Flucht und Festungshaft vom Soldatenkönig begnadigt worden war, schickte ihn der strenge Vater, Friedrich Wilhelm I., 1730 zur Bewährung nach Neuruppin.

Die Putten wurden nach und nach restauriert oder ersetzt, der Neuruppiner Tempelgarten kümmert sich seit vielen Jahren rührig darum, dass die Anlage immer schöner wird. Quelle: Peter Geisler

Friedrich, dessen Vorliebe für das Philosphieren, das Flötespielen und die französische Sprache dem Preußenkönig seit jeher ein Dorn im Auge gewesen waren, sollte sich als Soldat beweisen und wurde Kommandeur des Ruppiner Regiments.

Friedrich machte seine Sache recht gut. Die Berichte , die der Soldatenkönig aus Neuruppin bekam, ließen ihn hoffen, dass aus dem „Schurken“ wohl doch noch ein anständiger König und Feldherr werden könnte. Deshalb drückte Frierich Wilhelm auch beide Augen zu, als sich der Kronprinz ab 1732 einen Amaltheagarten anlegte, mit Kirschen, Melonen, Spargel und anderem „Firlefanz“.

Terrakottavase im Tempelgarten Neuruppin, im Hintergrund das Türmchen der Villa im Maurischen Stil. Quelle: Peter Geisler

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorf, der später Schloss Sanssouci erbaute, errichtete nach Friedrichs Plänen auf einem künstlichen Hügel einen Apollotempel – sein Erstlingswerk. Der runde, offene Tempel, war ein klarer Affront gegen den Vater, der ein strenges gezirkeltes Preußen wollte, in dem Häuser vor allem praktisch und von Nutzen zu sein hatten.

Friedrich liebte seinen Obstgarten und traf sich im offenen griechischen Apollotempel mit Freunden zum Müßiggang. Nach Friedrichs Thronbesteigung 1740 ging der Amaltheagarten in den Besitz des Magistrats von Neuruppin über.

Erst nach dem großen Stadtbrand von 1787 erhielt er seine heutige Form. Garnisonskommandeur Oberst Tschammer schwatzte das mittlerweile heruntergekommene Grundstück der Stadt Neuruppin als Pachtobjekt ab.

Über deren Auflage, den Tempel in seiner ursprünglichen Form zu erhalten, setzte sich der Oberst skrupellos hinweg. Der Apollotempel bekam nun Wände und Fenster. Tschammer wollte in seinem Lusttempel ungestört Wein, Weib und Gesang genießen.

Die Türkische Villa im maurischen Stil, der Anbau mit dem Saal entstand zu DDR-Zeiten. Quelle: MAZ/Michael Hübner

Sein heutiges Aussehen bekam der Tempelgarten erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Kaufmannsfamilie Gentz, die durch den Torfabbau reich geworden war, erwarb die Anlage 1853 und gab ihr das heutige Gesicht. Die „Türkische Villa“ samt Mauer im maurischen Stil entstand,; anstelle des einstigen Obst- und Gemüsegartens wurde ein romantischer Park angelegt, der sich nach und nach mit den barocken Figuren füllte.

Der Tempelgarten um 1970 Quelle: G. Mietling

Schon damals verfolgten Johann Christian Gentz und seine Söhne, Wilhelm (Orientmaler) und Alexander (Unternehmer), die Anlage im Gedenken an den Kronprinzen Friedrich wieder herzustellen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Familie errichtete auch nördlich von Neuruppin das Gut Gentzrode als landwirtschaftlichen Musterbetrieb, das bis zum Abzug der sowjetischen Truppen Militärgebiet war, seitdem leer steht und heute völlig verfallen ist.

Doch die Stadt Neuruppin meinte es nicht gut mit der Familie Gentz, die nach der Wirtschaftskrise von 1873 Konkurs anmelden musste. Neid und Missgunst führten dazu, dass die Stadt Neuruppin Alexander Gentz des betrügerischen Bankrotts anklagte.

Die Gartenanlage auf einer kolorierten Postkarte von 1910. Quelle: Archiv

Obwohl Gentz seine Unschuld beweisen und nach dem Verkauf seiner Kunstsammlung, des Tempelgartens und des Gutes Gentzrode innerhalb von sechs Wochen alle Gläubiger auszahlen konnte, wurde er im Juni 1883 wegen Bankrotts zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. In Neuruppin selbst rührte sich keine Hand dagegen.

Ein Jahr später hob das Deutsche Reichsgericht das Urteil auf, sprach Alexander Gentz von allen Vorwürfen frei und kritisierte das Neuruppiner Gerichtsverfahren. Alexander Gentz verließ zwei Jahre später seine Heimatstadt Neuruppin.

Heute gehört der Tempelgarten zu den schönsten Orten Neuruppins. Und Wilhelm und Alexander Gentz werden als große Söhne der Stadt geehrt, als Wohltäter und als diejenigen, die ein Stück große Welt in die Kleinstadt brachten.

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Von Kathrin Gottwald

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