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Neuruppin Neuruppins Pfarrkirche ist Kulturort
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06:01 10.12.2018
Die entwidmete Pfarrkirche ist heute als Kulturkirche Verantaltungshaus. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Sie galt als eine der größten und prächtigsten Kirchen der Mark: Die Pfarrkirche St. Marien. Mit ihrem Bau im Zentrum der Stadt wurde vermutlich Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. 1754 ersetzte man die Einsturz gefährdete Doppelturmanlage durch einen neuen barocken Turm. Darin befand sich neben dem Kirchengeläut auch die Feuerglocke.

Die kam am 26. August 1787 zum Einsatz, am Tag des Stadtbrandes, der Neuruppin zu zwei Dritteln zerstörte. Das Feuer brach im Scheunenviertel vor der Stadtmauer aus und griff auf die Häuser jenseits der Mauer über. 415 Häuser, 159 Nebengebäude, 228 Ställe, 38 Scheunen und drei Kirchen fielen den Flammen zum Opfer, darunter auch die Pfarrkirche.

Ein Augenzeuge, der Bechliner Prediger Seger, beschrieb das Ereignis damals so: „Der große prächtige Kirchturm mit der schönen Kirche, die nach 600 Jahren noch ein bewundernswürdiges Denkmal der kühnen gotischen Bauart blieb, dampfte einem Berge gleich, der Feuer speien will und in einigen Minuten stand sie da wie ein schreckliches Feuergebirge. Die kleine Kuppel gab ein vielfarbiges Feuer, bis in ein paar Stunden das ganze Gebäude mit einem grausenvollen Getöse einstürzte.“

Die Pfarrkirche als Adventskalender im Jahr 2004 – jedes Fenster ist ein Türchen. Quelle: Peter Geisler

Dieser Stadtbrand, der acht Menschen das Leben kostete und 4000 Menschen obdachlos machte, war für den jungen Karl Friedrich Schinkel, den späteren Baumeister, ein einschneidendes Erlebnis. Sein Vater, der Superintendent war, hielt zu der Zeit den Gottesdienst in der Wuthenower Kirche ab, als er den Feueralarm hörte und über den See den Turm der Marienkirche brennen sah.

Schinkels Vater rannte um den See nach Hause

In Sorge um seine Frau und seine fünf Kinder lief er zu Fuß über Alt Ruppin in die brennende Stadt. Seiner Familie war nichts passiert, doch ihr Haus am Kirchplatz war abgebrannt. Schinkels fanden zunächst Unterkunft im Bechliner Pfarrhaus, dann eine Bleibe im Predigerwitwenhaus am Neuen Markt. Kurz darauf, am 25. Oktober, starb der Vater Schinkels. Da war Karl Friedrich sechs Jahre alt. Er erlebte die Kinderjahre in der Zeit des Wiederaufbaus der Stadt.

Die Pfarrkirche ist als Kulturkirche heute ein besonderer Veranstaltungsort. Hier gibt es innerhalb des Aequinox-Musikfestivals ein Konzert barocker Musik speziell für Kinder. Quelle: Peter Geisler

Die heute noch stehende Marienkirche wurde 1801 bis 1806 nach Plänen des Geheimen Oberbaurats Philipp Bernard Francois Berson errichtet als Simultankirche für die lutherischen und reformierten Gemeinden Neuruppins.

Während der Nazi-Zeit predigten dort der Pfarrer der Deutschen Kirche und Vertreter der Bekennenden Kirche.

Weiße Fahnen an der Turmbrüstung

Der spätere Bischof von Berlin, Otto Dibelius, wollte am 19. November in der Marienkirche einen Vortrag zum Kirchenkampf halten, wurde aber daran gehindert, nachdem die Polizei die Kirche wegen Störversuchen seiner Gegner geräumt hatte.

Am 1. Mai 1945 waren an der Turmbrüstung der Marienkirche weiße Fahnen gehisst, um die kampflose Übergabe der Stadt an die vorrückende sowjetische Armee anzuzeigen.

Ein Modell der Pfarrkirche war auch in der Playmobil-Ausstellung zu sehen, im Sommer und Herbst in der Pfarrkirche zu sehen war. Quelle: Christian Schmettow

Bis 1970 diente die Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde als Gottesdienstraum. 1970 wurde sie baubehördlich gesperrt. 1991 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten. Als kultureller Veranstaltungsort wurde die entwidmete Kirche 2002 wieder eröffnet. Heute finden dort Konzerte, Lesungen, Bälle und vieles mehr statt. Karl Friedrich Schinkel, der laut Theodor Fontane der „bedeutendste Mann der Stadt und Grafschaft Ruppin“ ist, hat in seiner Heimatstadt keine baulichen Spuren hinterlassen.

Lesen Sie auch unsere anderen Geschichten zu den Adventskalender-Türchen:

1. Dezember: Der Paulinenauer Bahnhof in Neuruppin der die Eisenbahn brachte.

2. Dezember: Wie die Pritzwalker Tuchfabrik zum Symbol für die Industrialiserung wurde.

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4. Dezember: Einst Vorwerk, heute Kulturgutshaus – die Geschichte des Gutshauses in Köpernitz.

5. Dezember: Das Gaswerk in Neustadt – eine Industriegeschichte mit ganz viel Energie.

6. Dezember: Das Telschow’sche Haus in Wittstock: Wo vor 330 Jahren die Postkutsche Halt machte.

7. Dezember: Der Tempelgarten mit Apollotempel in Neuruppin – Kronprinz Friedrichs Protestnote gegen den Soldatenkönig.

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9. Dezember: Schloss Meyenburg ist noch immer in Mode

Von Dagmar Simons

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