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Neuruppin Studenten machen Mauerkunst
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15:18 30.10.2018
Studenten der MHB gestalten die Mauer vor dem Neuruppiner Rathaus neu. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Die Botschaft der Wandmalerei ist klar: Vier Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Alters – Lunge, Leber, Herz und innere Anatomie hingegen sind gleich. Die Message: Von außen sind wir alle anders – aber innendrin gleich“, erklärt Jan Auswitz, Medizinstudent im vierten Semester an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB). Er und rund 30 Kommilitonen haben am Montag in einer mehrstündigen Aktion neun der 20 Segmente der Mauer am Fontaneplatz gegenüber dem Rathaus neu gestaltet.

Einstmals stand an der Mauer „Gehirn einschalten – Fremdenhass ausschalten“. Irgendjemand hatte später ein paar Buchstaben getilgt, so dass „Fremde ausschalten“ zu lesen war. Für die Studenten ein unhaltbarer Zustand. „Rechte Parolen waren dort schon öfter mal zu lesen“, berichtet Jan Auswitz. „Wir haben deshalb überlegt, ob wir da was machen können.“

Wir – das sind neben ihm und Sven Fischer von der Psychologie-Fakultät noch vier andere Studenten, die sich zu einer Projektgruppe zusammenfanden. Gemeinsam wurde beschlossen, die Patenschaft für die Mauer zu übernehmen die Stadt heran. Die war von der Idee angetan und sicherte Hilfe zu.

Die Idee zum Projekt kam den Studenten schon vor etlichen Monaten

„Wir hatten das Glück, dass einer unserer Anatomie-Dozenten ein versierter Zeichner ist“, berichtet Auswitz. Er habe sehr bei der Umsetzung der Ideen der Studenten geholfen. „Unser künstlerischer Leuchtturm“, lobt Auswitz Giulio de Matteis.

Auf den beiden einen Durchgang flankierenden Mauersegmenten sieht man scherenschnittartig zwei Verliebte. Auch das eine Metapher für mehr Freundlichkeit in der Welt. Immerhin sehe man die Mauer aus vielen Richtungen kommend.

Für die Seite, die zur Fehrbelliner Straße zeigt, haben die Studenten zehn Worte herausgesucht, die ihnen wichtig waren: etwa Demokratie, Toleranz, Vielfalt, Courage, Frieden, Freiheit, Nächstenliebe – jedes Wort in einer anderen Sprache. Die Schablonen liegen bereit: Gemeinsam mit den Repräsentanten des Rathauses sollen sie am Dienstag in einem offiziellen Akt auf die Mauer gesprüht werden. „Der Bürgermeister weiß noch nichts von seinem Glück“, sagt Jan Auswitz und bekennt überdies, dass die vielen Akteure des Tages zur Malaktion gekommen sind, obschon eigentlich Lehrveranstaltungen auf dem Plan stünden.

Nun haben sie die Mauer neu bemalt und die Patenschaft übernommen

Jens-Peter Golde, der gemeinsam mit Sozialdezernent Thomas Fengler und Amtsleiter Maik Buschmann gekommen ist, nimmt die Spraydose zu diesem Anlass beherzt in die Hand, während die Studenten die Schablone halten. „Das Projekt spricht für sich“, lobt Fengler. „Dafür gibt die Stadt gerne Geld.“ 750 Euro hat das Amt locker gemacht, um den Studenten die Auslagen zu erstatten: Für Drahtbürsten zum Abschrubben der ungewollten Parolen, für Grundierung, Wandfarbe, Pinsel, Rollen und Sprühfarbe. „Und natürlich auch für Nervennahrung und Getränke während der Mal-Aktion“, ergänzt Buschmann.

Es war eine ziemliche Arbeit, erinnert sich Jan Auswitz. Bereits zu Anfang des Jahres habe sich die Arbeitsgruppe gebildet. „Im April haben wir dann den Bürgermeister angesprochen..“ Die vergangenen drei. vier Wochen seien dann eine sehr intensive Arbeitsphase gewesen. Abbürsten, Grundieren, Grundieren habe ziemlich viel Zeit gekostet. Ein Gitternetz im Zehn-Zentimeter-Raster hilft dabei, die Entwürfe im richtigen Maßstab auf die Mauer zu übertragen.

Die Stadt hat 750 Euro für das Material zur Verfügung gestellt

Etwa die Psychologiestudenten, die ein Gehirn auf die Mauer bringen: Die linke Hälfte streng anatomisch, die rechte in allen Farben des Regenbogens – Vielfalt statt Schwarz-Weiß-Scheuklappen. Ganz im Sinne des Aktionsbündnisses „Neuruppin bleibt bunt“.

„Wir übernehmen hiermit offiziell die Patenschaft für diese Mauer“, erklärt Jan Auswitz. „Ganz egal, wie oft sie übersprüht wird. Wir kommen wieder. Und sie wird immer schöner.“

„Das hat schon eine hohe Qualität – alles kleine Kunstwerke“, zollt Maik Buschmann den Anstrengungen der Studenten Lob und Dank.

Von Regine Buddeke

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