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Neuruppin Mirja Boes verabschiedet sich in Neuruppin
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00:20 05.12.2018
Da geht’s lang! Mirja Boes weiß, was sie will. Sie und ihre Band erheiterten die 500 Zuhörer im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Quasseln, bis der Arzt kommt: Mit kesser Schnauze, aufreizend guter Laune und einem Faible für Tabu-Themen hat sich Mirja Boes in 24 Jahren ein Plätzchen auf dem deutschen Comedy-Olymp erobert. Sie findet nun, dass es Zeit ist zu gehen, bevor ihre Witze einen Damenbart bekommen und macht mit „Auf Wiedersehen! Hallo!“ den sogenannten Howie. Keine elegische Abschieds-Arie, sondern wie man sie kennt: Unverblümt und mit der Effizienz eines Maschinengewehrs – rein verbal natürlich. Wenn Tränen fließen, dann Lachtränen.

Quasseln bis zum Umfallen – mit Herz, Schnauze und unverschämt guter Laune: Mirja Boes war am Samstag in Bestform.

Im Gepäck hat Mirja Boes am Samstagabend ihre Band – die unglaublichen Honkey Donkeys. Im Publikum des Neuruppiner Kulturhauses sitzen 500 erwartungsfrohe Gäste, die gleich zu Beginn von sechs regenbogenfarbengewandeten Hupfdohlen überrascht werden, die sich schnell als ihre Band entpuppen. „Alles muss raus – sie auch“, tönt es aus dem Off. „Die einmalige – und letztmalige – ta daaa – Mirja Boes.“ Alles sieht nach einer Revue aus – Mirja Boes hat schließlich auch ein paar Semester Musical studiert. Und liebt, schlicht in Jeans und schwarzer Bluse, die drastischen Kontraste. Das macht sie schnell klar.

„Seit 2002 arbeite ich nun schon im Fernsehen – da war Schröder noch Kanzler. Ich fühle mich alt“, begründet sie ihren kommenden Rückzug. Auf ein mitfühlendes geballtes „Oh“ aus dem Saal kontert sie frech. „Ich will hier kein Mitleid – ich will ein: Was? Das sieht man ja gar nicht!“ Das bekommt sie. Das Publikum hat Lust auf Boes und Boes hat Lust auf ihre Fans. Immer noch. Sie plaudert von Abschieden, derer sie in diesem Jahr mehrere hatte.

1994 hatte Mirja Boes ihren ersten Auftritt

„Von meiner Würde“, empört sie sich und erzählt von ihrem Stammfriseur und dessen Frage:Lippen auch? „Wenn er wenigstens nur Oberlippe gefragt hätte“, schnappt sie und tut, was man im Alter zunehmend tut: Von Krankheiten erzählen. Etwa vom Bandscheibenvorfall, der sie während der Comedypreis-Verleihung plagte und – igitt – Darmspülungen.

Da ist sie in ihrem Element: Nicht nur, dass Mirja Boes mit enervierender Geschwindigkeit erzählen kann, dass man kaum mehr Land sieht. Sie tut es auch entwaffnend offen und liebt es, saftig-deftige Fakten mit ausschweifender Detailverliebtheit auszuwalzen, dass zartbesaitete Seelen in betretene Schockstarre verfallen. Die meisten lachen aber herzlich – nichts Menschliches ist Boes fremd.

Damals war ihr Künstlername „Möhre“

„Es war einfach Kacke“ ereifert sie sich über das Ritual, für das es sogar Fanclubs gibt. „Zeug trinken, mit dem man tote Tiere präpariert und dann noch die Spülung, mit allem, was trinkbar ist“, plaudert sie und grübelt laut: „Ich frag mich, wer sich Essig in die Kimme kippt? Da haste dann ein Gesicht wie in Picassos kubistischer Phase. Und bist ein Auslaufmodell auf der Krankenhaustreppe.“ Die Zuhörer kugeln sich.

Trotz aller Alters-Unbill: „Ich habe immer gute Laune“, tönt Boes und man glaubt ihr aufs Wort. „Mir scheint die Sonne aus dem Arsch – ich hab scheiß gute Laune“, singt Mirja Boes. Dass ihre Songs verdächtig in Richtung Schlager zielen, wird durch die Drastik ihrer Texte stark gemildert. Und durch den guten Teil Rock ’n’ Roll und sogar Jazz – Trompete und Saxofon sei Dank. Boes singt wie sie spricht – und das macht Spaß.

Die dreisten Drei, Ankes Late Night Show und Frei Schnauze

Sie parliert über Kindererpressung, ulkt über Männer und Frauen gleichermaßen. Sie bekennt, eine „Film-Heulerin“ zu sein. „Aber nur da. Im richtigen Leben habe ich Empathie abgewählt.“ Es sei denn, ein Mann hat tödlichen Schnupfen. „Das geht wieder weg“, singt sie dann. Und: „Ich pinkel deinen Namen in den Schnee“, auf dass da dann im Frühling Pissnelken wachsen.

Und dann tut sie es einfach: „Wir müssen über Menstruation sprechen.“ Auch das ein Abschied. „Es ist was es ist: Der Abschied der Gebärmutterschleimhaut“, sagt sie salbungsvoll und erinnert sich an ihre erste Periode – bei der Beerdigung ihrer Großmutter. „Wenn ich wenigstens aus den Augen geblutet hätte! Aber untenrum? Entwürdigend“, bellt sie und das Publikum kriegt sich kaum mehr ein. Dass ihr Themen unterhalb des Gürtels liegen, ist seit ihrem augenzwinkernden Superhit „Zwanzig Zentimeter, nie im Leben, kleiner Peter“ ohnehin klar.

Ihr Partyhit „Zwanzig Zentimeter“ wird heute noch gern gesungen

Den bekommt sie denn auch als Geschenk von – verkleideten – Überraschungsgästen: Die Wildecker Herzbuben, Elvis the King, Nuschel-Udo Lindenberg, dem Rammstein-Frontmann und last not least Luciaaanooo Pavarotti, der die Zwanzig Zentimeter singt, als habe man ihm gerade in ebenjene getreten. Das macht allen Spaß, auch der Ulknudel selbst – und im Stillen wünscht man sich, dass Mirja es sich mit ihrem Abschied womöglich noch einmal überlegt.

Von Regine Buddeke

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