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Neuruppin Mit Spießrutenlauf bestraft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mit Spießrutenlauf bestraft
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00:39 21.05.2018
Gertrud Koß wurde 1933 von SA-Leuten zur Strafe mit einem verunglimpfenden Schild durch Neuruppins Straßen geführt. Quelle: Regional-Verlag Ruppin
Neuruppin

Getrud Koß war wohl nicht die einzige, die von den Nationalsozialisten mit einem umgehängten Schild zur Strafe durch die Straßen von Neuruppin laufen musste. MAZ-Leserin Eva Genske erinnert sich an noch eine Frau, die zu einem solchen Spießrutenlauf gezwungen wurde. „Es war während des Zweiten Weltkriegs“, sagt die 1930 geborene Neuruppinerin. Damals arbeiteten Kriegsgefangene im Feuerlöschgerätewerk Minimax am Ufer des Ruppiner Sees.

Glatze geschoren und durch die Straßen geführt

Eine junge Deutsche hatte sich in einen der Franzosen verliebt – „und die Nazis haben es sofort rausbekommen“, sagt Eva Genske. „Sie haben ihr eine Glatze geschoren. Dann wurde ihr ein Schild mit den Worten ,So werden ehrlose Frauen behandelt’ um den Hals gehängt.“ Die heute 87-Jährige, die damals, wie sie schätzt, ein Kind von zehn oder zwölf Jahren war, habe die so erniedrigte Frau in der Friedrich-Wilhelmstraße, heute Karl-Marx-Straße gesehen. „Und ich habe den Anblick bis heute nicht vergessen.“

„Es war eine ganz, ganz schlimme Zeit“

Gesprochen wurde über das Ereignis damals nicht. Auch wenn sie selbst von ihren Eltern nicht im nationalsozialistischen Sinne erzogen worden sei, sei klar gewesen, dass dieses Thema ein Tabu ist. „Es war eine ganz, ganz schlimme Zeit“, sagt Eva Genske.

Peter Pusch hat zu dem Thema recherchiert

Peter Pusch kennt den Vorfall nicht. Der Hobby-Historiker und Inhaber des Regional-Verlags Ruppin hat kürzlich über den Spießroutenlauf von Getrud Koß, die 1933 in Neuruppin während des Absingens des Horst-Wessel-Liedes nicht aufgestanden war und dafür auf dieselbe Art bestraft wurde, in der MAZ geschrieben und umfangreich zu dem Thema recherchiert.

„Frauen wurden für solche Beziehungen damals hart bestraft“

In den Zeitungen der damaligen Zeit, die er einsehen konnte, sei über die Frau, an die sich Eva Genske erinnert, nicht berichtet worden. Allerdings seien ganze Jahrgänge der lokalen Berichterstattung aus den Archiven verschwunden. Das Szenario, das die Neuruppinerin schildert, kann sich Pusch aber sehr gut vorstellen. „Frauen wurden für solche Beziehungen damals hart bestraft: Es war verboten, und es gab eine gesetzliche Grundlage dazu.“ Weitere konkrete Beispiele dafür aus der Region seien ihm aber nicht bekannt, sagt der Verleger.

Von Celina Aniol

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