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Neuruppin Mitch Ryder und Engerling gaben Konzert
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11:36 10.02.2019
Mitch Ryder und Engerling begeisterten die Fans im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

„Aint nobody white can sing the blues“ – kein Weißer kann den Blues singen. Ein Lied, das ein Bündnis schuf, das mittlerweile 24 gute Jahre währte. Und eine feine Ironie dazu. Denn Mitch Ryder ist ein Weißer. Und singt den Blues – und auch den Rock – zum Niederknien. Der Song steht im Programm, wenn er mit Engerling durch Europa tourt. Die Ost-Berliner hatten eben jenen Song begeistert in ihr Repertoire aufgenommen – das war kurz vor der Wende. Da hatte Mitch Ryder schon so einiges an Höhen und Tiefen – musikalisch und menschlich – hinter sich. Und nach dem Mauerfall wurde – da mag der Ryder-Song auf der Engerling-Setlist durchaus eine Aktie daran gehabt haben – die Ostberliner Bluesband zur festen begleitband des Mannes aus Detroit, wenn der in Europa tourte. Ein transatlantisches Rock-Blues-Bündnis seit 24 Jahren.

Seit 24 Jahren sind Engerling und Mitch Ryder ein transatlantisches Bündnis, was den Blues und den Rock angeht. Die Ost-Berliner Blueser begleiten den Detroiter Sänger auf jeder Europa-Tour. In Neuruppin sind sie bereits das dritte Mal.

Zum dritten Mal schon macht das symbiotische Sextett in Neuruppin halt – am Samstagabend drängen sich 250 Fans vor der Bühne im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten. „Do You feel alright“ ist Start und allgemeiner Gefühlszustand. Ja, man ist hier richtig, alles ist in Ordnung – und alles wird gut. Mitch Ryder, stolze 73, ist ein alter Haudegen im Musikgeschäft. Er knarzt und heisert seine Songs, mit einer Stimme, die aus den Tiefen der Hölle zu kommen scheint – und mit einer Kraft, die man seinem Alter gar nicht zutrauen mag. Verlangt seinen Stimmbändern so einiges ab. Mit Inbrunst und seiner unerschütterlich-unerschöpflichen Rockerseele. Mitch Ryder ist keiner, der auf der Bühne herum hampelt. Vorbei die Zeiten der legendären Full-Moon-Party 1979, wo er – hackedicht mit Alkohol und Drogen – auf der Rockpalast-Bühne die Sau raus ließ. Um am Ende mit „Soul Kitchen“ den Fans den letzten Dolchstoß zu verpassen.

Er steht eher ruhig da – bis auf seine rastlosen Hände, die ein Eigenleben haben. Mal schütteln sie die kleine Percussiontrommel, mal umklammern sie das Mikrofon im Überschwang, als wollen sie es melken. Auch wenn er nicht wie ein Springteufel über die Bühne hüpft – gerade in der Ruhe entfaltet sich seine Bühnenpräsenz, wie er da mit seiner Sonnenbrille unter dem Hut steht uns singt, als gelte es sein Leben. Der Rücken schon ein wenig gebeugt – aber die Haltung aufrecht. Um ihn herum die Engerling-Mannen, die ihm mit Kraft und Können zur Seite stehen.

Seit 24 Jahren mit Engerling als Europa-Band

Mitch Ryder plaudert mit dem Publikum – über sein Leben und seine Lieben, seine Frau und die Familie, über das Alter und seine – „They kill myself“ – drückenden Schuhe. Und dass er immer wieder kommt, weil er das Bier hier so gut findet. Er singt „Many Rivers“ – so gut, dass es wehtut. Es ist eine wunderbare Nacht für ihn, sagt er. Er fühle sich wie in der Peergroup. Eine kleine Spitze auf das viele graue Haar im Saal. Ryder altert mit den Fans. „Einer der aufregendsten Sänger“ nannte ihn Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards einst. Oh ja, das ist er – immer noch. Eine lebende Legende –Jimi Hendrix wollte einst eine Band mit ihm gründen. Mehr als zwei Dutzend Alben hat er in seiner langen Musikerkarriere hingelegt etliche gemeinsam mit Engerling. Er lebt den Rock’n Roll. Und liebt den Blues.

Er singt harte, raue, rotzige Songs. Und wunderbare Balladen zu Wolfram Bodags Keyboard. „Er singt jünger, als er aussieht“, schwärmt Wolfgang Freese, der Mitch Ryder zum ersten Mal live erlebt. Zwei Stunden hat der alte Haudegen Ryder da schon auf der Bühne gestanden. Unglaublich. „Living in America“ – die Fans singen mit. Und Mitch Ryder verlässt die Bühne. Dann knallt Manne Pokrandt ein Bass-Solo aus den Saiten, aus dem sich ein „Hallelujah“ schält. Das Konzert neigt sich dem Ende. Noch einmal jammert Bodags Bluesharp – „Soul Kitchen“ heißt der letzte Song, in dem Mitch Ryder noch einmal die Sau rauslässt. Wie damals bei „Full Moon“.

Von Regine Buddeke

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