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Neuruppin Jutta K. holte sich ihren Mörder ins Haus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Jutta K. holte sich ihren Mörder ins Haus
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00:48 20.04.2018
Blumen vor dem Haus von Jutta K. in Alt Ruppin. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Die Alt Ruppinerin Jutta K. wusste nicht, wen sie sich im September 2016 ins Haus holte, als die Friedrich-Wilhelm K. einen Mietvertrag gab. K. hatte ab 2011 wegen sexueller Nötigung zweier älterer Frauen dreieinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. Doch davon wusste die 60-jährige Jutta K. nichts. Ahnungslos holte sie sich ihren Mörder ins Haus.

Tod durch schwerste Gewaltanwendung

Im August 2017 soll Friedrich-Wilhelm K. seine Vermieterin nach einem gemeinsamen Grillabend in Alt Ruppin durch schwerste Gewaltanwendung getötet haben. Mit ihrer EC-Karte und der ihres Sohnes soll er sich dann ins Auto seines Opfers gesetzt haben und geflohen sein. Er stellte sich ein paar Tage später selbst der Polizei in Eberswalde. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Nun wird ihm erneut der Prozess gemacht.

Am Dienstag sagte seine frühere Bewährungshelferin vor dem Neuruppiner Landgericht aus. Sie hatte K. erst im Januar 2016 von einem Kollegen übernommen. Wie sie berichtete, nahm K. seine zweiwöchige Meldepflicht sehr ernst. Sie wusste auch von massiven Auffälligkeiten nach seiner Haftentlassung 2014.

Drogenmissbrauch und Psychose

Wegen einer wohl durch Drogen hervorgerufenen Psychose sei er einige Monate bis Januar 2015 in einer Klinik gewesen, habe sich anschließend einer Therapie unterziehen wollen.

Wie die Sozialpädagogin sagte, gab es bei der Bewilligung Schwierigkeiten, weil er gleich drei Probleme hatte: Drogenmissbrauch, eine Psychose und eine soziale Persönlichkeitsstörung.

Als der Antrag endlich durch war, wollte Friedrich-Wilhelm K. nicht mehr: Er hatte gerade eine Frau kennen gelernt und wollte sie nicht verlieren. „Ich habe beide als harmonisch miteinander empfunden“, so die Bewährungshelferin.

Gedenken für die ermordete Jutta K. in der Kirche Alt Ruppin Quelle: Reyk Grunow

Das Glück währte nicht lange. K. hatte wohl zunehmend Sorge, dass sich seine Freundin ihrem Ex-Partner wieder zuwenden könnte. K. rief im September 2016 seine Bewährungshelferin an, dass er es nicht mehr aushalte.

„Ich habe ihm geraten, auf Abstand zu gehen“, sagte sie. Das tat er, zog Mitte September bei seiner Freundin aus und, so der Wissenstand der Sozialpädagogin, beendete einen Monat später die Beziehung.

Tatsächlich jedoch festigte sich die Partnerschaft wieder. Die am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehörte junge Frau bezeichnete sich sogar als seine Verlobte. Allerdings ergab ein Telefonat in der Tatnacht, dass es vielleicht doch nicht zum Besten stand, sondern er davon sprach, dass sie getrennte Wege gehen müssten.

Die Bewährungshelferin vermittelte den Mieter

Friedrich-Wilhelm K. bezog im September 2016 auf Vermittlung seiner Bewährungshelferin zunächst ein Zimmer bei dem späteren Opfer. „Jutta K. kannte meinen Beruf, von der Vorverurteilung wusste sie nichts“, sagte sie.

Die sei auch zwischen ihr und dem Angeklagten nie ein Thema gewesen, bis auf eine Ausnahme. Er sei der Meinung gewesen, unschuldig verurteilt worden zu sein, so die Sozialarbeiterin.

Dass er bei einem Besuch in ihrem Büro unter ihren Rock fotografiert hat, hat sie nicht bemerkt. Er hätte ihr gegenüber nie Grenzen überschritten, sagte sie am Dienstag.

Der Nebenkläger kann nur den Kopf schütteln

Nebenklägervertreter Gerd Schnittcher schüttelte ungläubig mit dem Kopf. „Der Angeklagte ist über zwei ältere Frauen hergefallen und genau an so eine Frau wird er vermittelt.“

Damals habe sie darin keine Gefahr gesehen, so die Sozialpädagogin. Dass der Angeklagte deutlich Ältere bevorzugt, konnte die Polizei bei der Handyauswertung erkennen – Er hatte dementsprechende Erotikportale aufgerufen.

Am 25. April wird die Verhandlung fortgesetzt.

Von Dagmar Simons

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