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Neuruppin Mordopfer hatte 72 Messer- und Scherenstiche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mordopfer hatte 72 Messer- und Scherenstiche
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02:18 21.05.2018
Die beiden 37 und 21 Jahre alten Angeklagten beim Prozessauftakt am Freitag im Landgericht Neuruppin mit ihren Verteidigern. Quelle: Reyk Grunow
Neuruppin

Etwa 72 Stiche mit einem Küchenmesser und einer Schere, Tritte und Schläge: Es war grausam, was ein 54 Jahre alter Mann in der Nacht vom 22. zum 23. August 2017 in einer Wohnung in Radensleben erleiden musste, bis er nach Stunden mit schwersten Verletzungen starb. Seit Freitag stehen der 37 Jahre alte Renee G. und Steven Z., 21 Jahre alt, dafür vor dem Landgericht in Neuruppin.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern gemeinschaftliche Mord vor. Der 37-Jährige soll aus Mordlust gehandelt haben, der 21-jährige Mitangeklagte aus „sonstigen niederen Beweggründen“.

Erschütternde Details zur Mordnacht

Vor Gericht kamen erschütternde Details zur Mordnacht ans Licht. Die beiden mutmaßlichen Täter und ihr späteres Opfer hatten sich an dem Tag offenbar in der Wohnung von Renee G. in Radensleben getroffen und miteinander getrunken.

Irgendwann am späteren Abend sollen Renee G. und sein 54-jähriger Bekannter in Streit geraten sein. Womöglich ging es dabei um G.s Vater. Renee G. soll daraufhin ein erstes Mal zugeschlagen haben, mit der Faust.

Später am Abend soll es weitere Schläge gegeben haben, bis G. das Opfer mit einem Küchenmesser traktiert hat. Als G. ihn aufforderte, hatte wohl auch Steven Z. mit einer Schere auf den schon schwer verletzten Mann eingestochen, zweimal in dessen Rücken.

Nach seiner Festnahme hatte Steven Z. ausgesagt

So stellt sich das Ganze jedenfalls für die Ermittler dar. Neben Spuren haben sie zwei Aussagen von Steven Z., die der nach seiner Festnahme bei der Polizei gemacht hatte.

Der Mord blieb drei Wochen lang unentdeckt. Mitte September haben Beamte die vermeintlichen Täter in der Wohnung festgenommen.

Den Leichnam des Opfers entdeckte die Polizisten in einer Mülltonne in einer Nische der Wohnung, versteckt unter Kleidung. Seit der Tat hatte der Tote dort gelegen. Gerichtsmediziner stellten mehr als 70 Stichwunden im Kopf des Toten fest, im Gesicht, in Brustkorb, Rücken, Armen, Beinen, Genitalien.

Der Jüngere der beiden Angeklagten hat am Freitag vor Gericht keinerlei Aussagen gemacht. Der Ältere Renee G. nur zu seinen persönlichen Verhältnissen. Auch das eine erschütternde Geschichte.

Renee G. ist seit seinem zehnten Jahr drogenabhängig

Nach eigenen Angaben ist er seit seinem zehnten Lebensjahr drogenabhängig. Bereits mit sechs Jahren habe seine Mutter ihn wegen Verhaltensauffälligkeiten in die Psychiatrie eingewiesen und dann in ein Kinderheim gesteckt.

Von seinem Vater, einem Alkoholiker, sei er regelmäßig verprügelt worden. Der sei aber nur „das Werkzeug“ der Mutter gewesen, so G.:„Ich hasse meine Mutter.“ Die Lehre hat G. abgebrochen. Um die Drogen bezahlen zu können, hat er andere ausgeraubt.

Mehrfach saß er im Gefängnis, mehrfach war er in Kliniken. Er fühle sich ausgestoßen, sagt er: „Ich habe niemanden, keine Freunde, keine Familie.“ Allerdings habe er zwei Kinder, eines 17 Jahre alt, eines im Dezember geboren.

Für Steven Z. war G. eine Art „Ziehvater“. So soll er es bei der Polizei ausgesagt haben. Wer in der Mordnacht was getan hat, schließen die Ermittler großteils aus diesen Aussagen. Nach Ansicht der Verteidiger dürften die aber vor Gericht nicht verwendet werden.

Z. hat wegen einer „leichten Intelligenzminderung“ und seit Jahren eine vom Gericht bestellte Betreuerin. Konnte er allem folgen, was die Polizisten in den teilweise fünfstündigen Verhören fragten?

Weder seine Betreuerin noch ein Anwalt waren dabei. Womöglich wurde der 21-Jährige nicht korrekt aufgeklärt, dass ihm ein Pflichtverteidiger zusteht.

Vieles muss in den kommenden Wochen noch geklärt werden. Das Verfahren könnte sich lange hinziehen. Am Freitag, 25. Mai, geht es weiter.

Von Reyk Grunow

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